World of X

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Episode 6 - Kollisionspunkt

von XFilerN

Flimmern

Mulder hatte die Stelle bereits vier Mal abgesucht, doch etwas ließ ihn nicht los. Die Luft über dem Asphalt vibrierte leicht – kaum sichtbar, kaum messbar. Es war kein Hitzeeffekt. Es war wie ein Riss, als würde sich Raum selbst dehnen, ausfransen an den Kanten der Wahrnehmung. Er kniete sich hin, berührte die Oberfläche vorsichtig mit der Hand. Kalt. Und dann – wieder dieses Flimmern. Als würde die Welt blinzeln.

Einstein trat hinter ihn, das tragbare Messgerät in der Hand. „Die Magnetfeldabweichung ist wieder da“, sagte sie leise. „Aber sie verhält sich nicht stabil. Es ist, als würde sie... atmen.“

Mulder sah sie an. „Haben Sie je das Gefühl gehabt, dass Zeit falsch läuft? Nicht nur zu schnell oder zu langsam. Sondern... aus der Spur?“

Sie erwiderte seinen Blick, ohne zu blinzeln. „Seit Wochen.“

In dem Moment erstarrte alles. Eine Frau, die eben noch an einem Müllcontainer vorbeigegangen war, stand plötzlich regungslos da. Ihr Kopf war zur Seite geneigt, als hätte jemand auf „Pause“ gedrückt. Ein Kind fror mitten in der Bewegung, einen Luftballon in der Hand. Selbst der Wind schien zu schweigen.

Mulder sprang auf. „Das ist es wieder!“

Einstein starrte auf das Kind. „Siehst du das? Sein Schatten...“

Es gab zwei. Der eine stand wie gewohnt auf dem Asphalt. Der andere... flackerte, leicht versetzt, als würde das Kind gleichzeitig an einem anderen Ort stehen.

Dann – ein Ton. Hochfrequent, kaum hörbar. Der Ballon platzte. Die Welt setzte sich ruckartig wieder in Bewegung.

„Sie haben nichts bemerkt“, flüsterte Einstein, als sich das Kind verwundert umsah. „Keiner von ihnen.“

Mulder trat langsam zurück. „Dann war das hier kein lokales Phänomen.“

Sie nickte. „Ich glaube, die Realität verliert ihre Dichte. Die Grenze zwischen dem, was ist, und dem, was sein könnte... wird durchlässig.“

Er hob sein Telefon. Keine Verbindung. Kein Signal. Nur ein statisches Rauschen.

Einstein schüttelte den Kopf. „Das Flimmern wird stärker.“

Mulder schien für einen Moment woanders zu sein, als würde er sich selbst überprüfen, ob er noch real war. Dann sagte er: „Wir sollten zurück nach D.C. Das ist größer als alles bisher.“


Etwa zur gleichen Zeit, tausend Meilen entfernt, in einem unterirdischen Komplex unter den Ruinen einer stillgelegten Forschungseinrichtung in Nevada, stand Dr. Petra Kroll regungslos vor einer Vitrine. Darin lag ein silberner Zylinder, auf dessen Oberfläche das Symbol eingebrannt war: ein Kreis, ein Punkt, ein Splitter. Doch nun hatte sich etwas verändert. Ein zweiter Punkt war erschienen.

Virek trat an ihre Seite, elegant wie immer, die Hände auf dem Rücken verschränkt. „Phase II hat begonnen.“

„Der Raum beginnt zu kippen“, murmelte Kroll. „Die Systeme zeigen Überlagerungen. Zeitfaltungen. Resonanzphänomene im limbischen Netzwerk.“

Ryker trat aus dem Schatten. „Und William?“

„Er reagiert instinktiv“, antwortete Kroll. „Wie ein seismischer Sensor, der vibriert, bevor das Beben einsetzt. Aber es ist mehr als das. Er... harmonisiert sich mit dem Signal.“

Virek lächelte beinahe. „Dann haben wir den Schlüssel. Jetzt brauchen wir nur noch das Schloss.“

Kroll wandte sich langsam um. „Was Sie brauchen, ist Kontrolle. Und Kontrolle bedeutet: Begrenzung. Aber das hier...“ Sie deutete auf den Zylinder. „... will nicht begrenzt werden.“

Ryker trat näher. „Dann sollten wir besser herausfinden, was es stattdessen will. Bevor es entscheidet, dass wir überflüssig sind.“


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