World of X

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Episode 1 - Wiederkehr

von XFilerN

Prolog

Die Nacht lag schwer über dem Shenandoah-Tal. Kein Wind, kein Tierlaut – selbst die Grillen schwiegen, als hätte jemand den Ton aus der Welt genommen.

Fox Mulder saß allein auf der hölzernen Veranda seiner Hütte. Das Licht im Inneren war gedimmt, der Fernseher flackerte in blassem Grau. Ein älteres Modell, das nur noch einen einzigen Sender empfangen konnte – genau richtig für jemanden, der die Welt hinter sich gelassen hatte.

Die Hütte war einfach, spartanisch. Ein Ofen, ein Bett, Regale voller Aktenordner, Bücher und Kartons, auf denen Namen standen wie Gibson Praise, Projekt Purity, Samantha. Die Haustür war nie verschlossen. Nicht aus Sorglosigkeit – sondern aus Prinzip. Was sollte man ihm noch nehmen?

Im Fernsehen lief eine lokale Nachrichtensendung. Der Ton war leise, Mulder hörte kaum hin – bis ein Wort fiel, das ihn aufhorchen ließ:

„…mehrere Todesfälle in einem abgelegenen Camp in Alaska. Die Opfer starben binnen Sekunden, innerlich verbrannt, ohne äußerliche Einwirkung. Die Behörden sprechen von einem seltenen Virus…“

Mulder beugte sich vor. Die Reporterin redete weiter, doch er hörte nur noch die drei Worte, die wie ein Echo durch seinen Kopf hallten: „Innerlich verbrannt – Virus – Alaska.“

Er griff nach einem abgegriffenen Notizbuch, das auf dem Couchtisch lag, schob einen Stapel Fotos beiseite. Die Seiten waren vergilbt, vollgeschrieben mit Jahrzehnten an Hypothesen, Hinweisen und falschen Fährten. Mit zittriger Hand blätterte er um. Auf einer Seite stand, eingerahmt von Ausrufezeichen: „Schwarzes Öl zurück?“

Ein Flackern durchzog den Bildschirm. Nur für den Bruchteil einer Sekunde – kaum länger als ein Wimpernschlag – erschien ein fremdartiges Symbol: Ein Kreis, konzentrisch, mit einem pulsierenden Zentrum, das aus Licht und Schatten zu bestehen schien. Dann war es verschwunden. Wieder die Reporterin, wieder das Gesicht des Nachrichtensprechers.

Doch Mulder hatte es gesehen.

Langsam stand er auf. Er ging zur Fensterbank, nahm ein altes Fernglas zur Hand. Die Linsen waren verkratzt, aber funktionstüchtig. Er trat hinaus auf die Veranda, blickte in den Wald. Da war nichts – kein Licht, keine Bewegung. Nur Dunkelheit.

Er hob den Blick. Der Himmel war klar – zu klar. Keine Sterne. Keine Wolken. Nur ein blasses, graues Leuchten, das von nirgendwo zu kommen schien.

So begann es beim letzten Mal auch, dachte er.

Nicht mit einem Knall. Sondern mit dem Flüstern von Dingen, die längst für tot gehalten wurden.

Er ließ das Fernglas sinken.

„Du kommst zurück, nicht wahr?“, murmelte er. „Oder warst du nie weg?“

Im Innern der Hütte summte der Fernseher weiter. Und draußen, im Schatten der Bäume, öffnete sich für einen winzigen Moment ein glühend roter Spalt in der Dunkelheit – kaum sichtbar. Und doch da.

Mulder spürte es, ohne es zu sehen. Wie ein altes Lied, das man nach Jahren plötzlich wieder hört – und weiß, was es bedeutet.

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