Reality von XS

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Teil 3

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Beeep. Beeep. Beeep. Beeep.



*Was war das? Das hatte sie doch schon einmal gehört.*



Sie war so müde und konnte sich kaum bewegen. Ihr ganzer Körper tat weh. Warum konnte sie sich an nichts erinnern? Obwohl. Doch, da war etwas. Etwas, an dass sie sich zu erinnern glaubte. Etwas Unbestimmtes, etwas das scheinbar verwischt war. Eine Erinnerung, die keine echte Erinnerung war. Es war, ... Wie konnte man das denn beschreiben? ... Ja, es schien wie ein Traum. Ein so realer Traum, dass man Realität und Traum nicht unterscheiden konnte. Doch genau so deutlich, wie er noch während des Schlafes gewesen war, so undeutlich wurde er, sobald man aufwachte.

Das musste es gewesen sein. Sie hatte geträumt. Was auch immer es gewesen war, das sie geträumt hatte. Sie konnte sich kaum noch an etwas erinnern. Nur dieses Geräusch, das sie wieder wahrnahm, kam ihr bekannt vor. Doch das konnte sich in ihr Unterbewusstsein gemischt haben, als sie noch schlief.

Sie öffnete die Augen. Was sie sah, kam ihr bekannt vor. Als hätte sie das schon einmal gesehen. Aber wieso auch nicht? Sie erkannte, dass sie in einem Krankenhaus lag. Wie oft war sie schon in einem Krankenhausbett aufgewacht? Unzählige Male. Und jedes Mal war etwas passiert, an das sie sich kaum oder gar nicht erinnern, geschweige denn erklären konnte. Also war das doch eigentlich völlig normal.

Sie seufzte. Sie hasste es, dass sie ihr Leben, das so aus den Fugen geraten war akzeptierte und sie nicht einmal den Versuch unternahm, das zu ändern. Aber vielleicht wollte sie es auch gar nicht anders. Bestand nicht auch ein gewisser Reiz darin, nicht zu wissen, was morgen passierte? Hatte sie es nicht gehasst, ein „normales“ Leben zu führen und nur langweilige Überprüfungen zu erledigen, als Kersh sie und Mulder von den X-Akten abgezogen hatte? Also, wieso zum Teufel beschwerte sie sich?

Wieder seufzte sie. Jetzt hörte sie sich schon an wie Mulder. Besessen von der Arbeit und immer auf der Suche. Ständig in Bewegung. Niemals Ausruhen. Und trotzdem mochte sie das?



Sie hatte keine Zeit mehr, noch länger darüber nachzudenken, da sich die Tür ihres Krankenzimmers öffnete.



*Das habe ich doch auch schon einmal gesehen*, schoss es ihr durch den Kopf. *Ein dejà-vu?*



„Miss Scully? Sie sind schon wach. Wie schön, dass es Ihnen schon besser geht.“ Mit leichten Schritten näherte sich der Arzt ihrem Bett.

Er streckte ihr eine Hand hin, die sie ergriff.

„Ich bin Dr. Scott“, stellte er sich vor und warf dann einen Blick auf ihr Krankenblatt. Während dieser Zeit hatte Scully Zeit, ihn ein wenig genauer zu betrachten. Sie schätzte Dr. Scott auf Mitte vierzig. Er hatte schwarzbraune Haare, jedenfalls der Teil, der davon übriggeblieben war. Als er ihr Krankenblatt studierte, hatte er sich eine altmodische Hornbrille aufgesetzt, die an ihm absolut lächerlich wirkte, wie Scully schmunzelnd überlegte. Er hob den Kopf und wandte sich ihr zu.



„Dr. Scott. Ich habe nicht mehr allzu viele Erinnerungen daran, was passiert ist. Könnten Sie vielleicht...?“

Scully sah ihn fragend an.



„Ach, das ist völlig normal“, beruhigte Scott sie, während er seine Brille absetzte, „Sie hatten einen Unfall und haben eine Gehirnerschütterung. Das wird schon wieder.“



Eben noch hatte Scully ihn fragend angelächelt, aber jetzt erstarrte sie. Etwas war merkwürdig. Etwas kam ihr so vertraut vor. Als hätte jemand schon einmal, genau das gleiche zu ihr gesagt. Vor nicht allzu langer Zeit. Was...?



*Lang!*



Was? Was hatte sie gerade gedacht?



*Lang!*



Lang? ... Lang? Lang... Lang! Dr. Lang! Ein Arzt. Ein Arzt, der ihr genau mit den selben Worten auf eine ähnliche Frage geantwortet hatte. In ihrem Traum... In ihrem Traum? Das konnte doch kein Traum gewesen sein, oder? Aber sie konnte sich doch an nichts erinnern. Nur, wenn sie irgendwie daran erinnert wurde. Das alles sprach doch für einen Traum...



„Miss Scully? Dana? Ist alles in Ordnung?“ Dr. Scott beugte sich zu ihr hinunter.



„Ja! Ja, mir geht es gut“, versicherte sie schnell, „ich habe nur gerade.. nachgedacht.“



„Haben Sie denn irgendwelche Schmerzen? Vielleicht in ihrem Bein?“



Irritiert sah Scully ihn an.



„Ihr Bein. Sie haben es sich angeschlagen. Nichts Ernstes, aber trotzdem sollte man vorsichtig sein.“ Immer noch besorgt und ernst sah Scott sie an.



„Nein, es ist alles in Ordnung. Ich habe noch nicht einmal bemerkt, dass ich mich am Bein verletzt habe.“ Lächelnd aber bestimmt versicherte sie ihm, dass es ihr gut ging.



*Lang*



„Gibt es hier einen Dr. Lang?“, fragte sie dann frei heraus. Als ihre Frage heraus war, hätte sie sich ohrfeigen können.



*Warum frage ich denn jetzt nach Dr. Lang? Ich weiß doch, dass ich nur geträumt habe. Also was soll dieser Quatsch?*



Kritisch sah Dr. Scott sie an.

„Nein“, erwiderte er dann zögernd, „es hat hier noch nie einen Dr. Lang gegeben. Wieso fragen Sie?“



„Ach nichts weiter“, beschwichtigte Scully. Also hatte sie doch alles nur geträumt. Aber wieso konnte sie sich dann so genau an diesen Namen erinnern? Vielleicht hatte das ja auch mit ihrem letzten Fall zu tun, den sie mit Mulder bearbeitet hatte. Und an den sie sich genauso wenig erinnern konnte, wie an den Unfall.



*Mulder!*



„Was ist mit meinem Partner? Agent Mulder. Ist er auch hier eingeliefert worden? Oder ist er unverletzt?“



Dr. Scott sah sie misstrauisch an.

„Dana. Ich fürchte Sie sind doch schwerer verletzt als angenommen. Wieso Agent Mulder? Ich weiß von keinem Agent Mulder und wieso Partner? Sie sind doch Ärztin. Was meinen Sie mit Agent?“



Sprachlos starrte Scully ihn einige Augenblicke an. Doch dann fasste sie sich wieder.

„Agent Mulder, mein Partner beim FBI...“



„Dana, ich vermute, dass ihre Gehirnerschütterung wirklich schlimmer ist. Sie phantasieren. Sie sind nie beim FBI gewesen. Sie haben Medizin studiert und sind Ärztin geworden.“



Während Dana zuhörte, was Dr. Scott ihr erzählte, schweiften ihre Gedanken ab. Langsam kamen einige, zwar noch immer verschwommene, Erinnerungen wieder. Erinnerungen an den Traum. War es wirklich nur ein Traum gewesen? Sie wusste, dass sie sich hatte wehren wollen. Wehren gegen die Lügen, die jemand - *Lang und Mulder, der nicht Mulder gewesen war* - versucht hatten ihr aufzutischen. Und deshalb war etwas passiert, gegen das sie sich nicht hatte wehren können. Also, vielleicht sollte sie...



„Miss Scully? Was ist los? Hören Sie mir zu? Geht es Ihnen nicht gut?“ Dr. Scott sah sie argwöhnisch an und hatte eine Hand bereits zu einem Alarmknopf ausgestreckt.



„Nein, nein“, beschwichtigte Scully ihn schnell und sah fasziniert zu, wie Scott seine Hand langsam, Millimeter um Millimeter wieder von dem Knopf zurückzog.

„Mir geht es wirklich gut und ich glaube ich habe da nur etwas verwechselt. Ich bin nämlich ziemlich müde und da kann man schon mal einige Dinge durcheinander bringen. Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen diese Umstände mache. Aber ich glaube, ich sollte jetzt zunächst einmal etwas schlafen.“

Sie lächelte ihn herzlich an und langsam entspannte Dr. Scott sich. Er lächelte zwar nicht, aber seine Züge entspannten sich wieder. Er nickte.



„Ja, ich glaube das wird das Beste sein. Aber wenn irgend etwas sein sollte, können Sie einfach nach einer Schwester klingeln, in Ordnung?“



Sie nickte. „Danke, das werde ich.“ Wieder dieses honigsüße Lächeln ihrerseits, obwohl sie Scott lieber gehörig die Meinung gesagt hätte. Am Besten mit vorgehaltener Waffe. Aber wenn sie das tat, dann endete es vermutlich so wie in ihrem *Traum* oder was auch immer das gewesen war. Also schluckte sie ihre Wut hinunter und schloss die Augen. Sie horchte, wann Scott das Zimmer verlassen hatte und öffnete die Augen sofort wieder. Sie hatte einen Plan. Einen Plan darüber, was sie als nächstes tun würde. Und mit entschlossenem Gesichtsausdruck und einem Grinsen, machte sie sich daran, den Plan in die Tat umzusetzen.
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