Reality von XS

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Teil 2

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Klopf, klopf, klopf.



Sie hob den Kopf.



„Ja?“



Langsam öffnete sich die Tür und die Räder eines Rollstuhls wurden sichtbar. Einige Augenblicke später konnte sie Mulder erkennen, der in dem Rollstuhl saß und von einem Pfleger geschoben wurde.



„Mulder!“



Glücklich, ihn zu sehen, setzte Scully sich auf.



„Hallo, Scully. Wie geht es Ihnen? Hübsche Beule, die Sie da haben.“



Grinsend kam er langsam auf sie zu. Er hatte eine Decke um sich geschlungen und sein rechtes Bein steckte in Gips.

„Dafür könnte ich Ihnen jetzt in den Hintern treten, im Gegensatz zu Ihnen“, gab sie ebenfalls grinsend zurück.



Der Pfleger hatte Mulder bis an ihr Bett geschoben und verließ den Raum.



Scully wurde schlagartig ernst.



„Mulder, was ist passiert? Die wollen mir nichts sagen.“



„Es ist alles in Ordnung. Wir hatten einen Unfall. Sie haben eine Gehirnerschütterung und ich habe mir das Bein gebrochen.“



Grinsend hob er sein Bein hoch und zeigte beinahe stolz seinen Gips, auf dem sich schon einige Unterschriften befanden.



„Wollen Sie auch unterschreiben, Scully?“, fragte er dann verschmitzt und hielt einen Filzschreiber hoch.



Irritiert sah Scully ihn an. Wieso zum Teufel beantwortete heute niemand ihre Fragen? Sonst konnte sie sich doch immer mit Mulder verständigen, sogar ohne Worte. Und jetzt?



„Mulder“, begann sie erneut ernsthaft auf ihn einzureden, „Was ist denn genau passiert? Wo sind wir hier?“



Eindringlich sah sie ihn an.



„Erst unterschreiben“, neckte Mulder sie, „dann die Antwort. Sie müssen aber mit ‚Dana Katherine Scully‘ unterschreiben und etwas malen müssen Sie auch.“



Frech grinste er sie wie ein kleiner Junge an. Er reichte ihr den Stift, den Scully völlig perplex annahm. Langsam fragte sie, wer denn eine Kopfverletzung hatte. Aber wenn es das war, was er wollte: bitte.

Sie beugte sich vor, da Mulder sein Gipsbein mittlerweile auf ihr Bett gelegt hatte. In wenigen Sekunden hatte sie ihren vollen Namen in roter Schrift auf den Gips gemalt.



„Und die Zeichnung nicht vergessen“, warf Mulder schnell ein, als sie ihm den Stift gerade wiedergeben wollte.

Seufzend beugte sie sich abermals vor und malte mit wenigen Strichen eine Blume neben ihren Namen.



„Sehr schön“, lobte Mulder sie und hob sein Bein von ihrem Bett herunter.



Erwartungsvoll sah sie ihn an.



„Was?“, fragte er erstaunt.



„Sie wollten mir sagen was genau passiert ist und wo wir uns befinden.“



„Ein Unfall, ein Krankenhaus“, erwiderte Mulder knapp und sah fasziniert auf sein Bein und studierte Scully’s Unterschrift, als wäre er davon hypnotisiert worden.



„Mulder!“



Erschrocken hob er den Kopf.



„Was ist denn mit Ihnen los? Haben die Sie einer Gehirnwäsche unterzogen? Fällt Ihnen denn gar nichts Ungewöhnliches auf?“



Fragend sah sie ihn an. Doch Mulder sah sie nur verständnislos an, als wäre er nie im Leben auf die Idee gekommen, dass überhaupt irgend etwas jemals faul sein konnte.



„Mulder. Der Arzt, der mir nichts sagen wollten. Der Unfall, über den Sie anscheinend auch nichts Genaueres wissen. Irgend etwas ist hier sehr zweifelhaft.“



Mulder hatte sie ohne jede Gefühlsregung angesehen und setzte nun wieder sein Grinsen auf.



„Scully, ich glaube, Sie sind wirklich zu feste mit dem Kopf irgendwo gegengestoßen. Wieso sollte etwas nicht stimmen. Sie können den Ärzten vertrauen. Sie wissen schon, was sie tun.“



Sprachlos starrte Scully ihn an. Das sollte Mulder sein? Agent Fox William Mulder? Besser bekannt als ‚Spooky‘ Mulder? Der Agent, der allen ein Dorn im Auge war, da er immer und überall Verschwörungen witterte? Er, dessen Leitspruch ‚Trust No One‘ war? Sie musste sich täuschen. Das konnte er unmöglich sein. Er vertraute den Ärzten blindlings. Sie musste träumen.



„Sie sind nicht Mulder! Sie müssen dieser außerirdische Kopfgeldjäger sein. Sie sind aber niemals Mulder!“, konfrontierte sie ihn.

Vorsichtshalber rückte sie ein Stück zurück. Wenn es sich wirklich um den Kopfgeldjäger handeln sollte, dann musste sie sehen, wie sie sich wehren konnte.



„Scully. Ich bin wirklich Mulder. Sie müssen mir vertrauen. Das tun Sie doch, oder? Es ist alles in Ordnung. Diese Ärzte wollen Ihnen nur helfen.“



Er beugte sich vor und wollte ihre Hand ergreifen, doch Scully zog sie weg.



„Fassen Sie mich nicht an.“ Drohend erhob sie ihre Stimme.



„Hey, Scully. Beruhigen Sie sich. Sie sind wahrscheinlich nur verwirrt. Vielleicht sind Sie doch schwerer verletzt.“



„Ich bin fast gar nicht verletzt!“, platzte Scully mit lauter Stimme heraus, „Was geht denn hier vor? Sie können mir nichts vormachen. Sie sind nicht Mulder!“

Jetzt schrie sie beinahe.



„Beruhigen Sie sich“, versuchte Mulder es erneut und wollte abermals ihre Hand nehmen.



Doch Scully kochte nicht nur vor Wut, sondern sie war auch verzweifelt. Nichts war so, wie es sein sollte. Die ganze Welt schien auf dem Kopf zu stehen. Und jetzt wollte dieser,... dieses Ding sie auch noch anfassen.

In Panik schlug sie wild um sich. Beschwichtigend versuchte Mulder ihre Hände festzuhalten, aber als er sie berührte, schlug sie nur noch wilder um sich.



„Scully. Alles ist okay. Sie müssen sich nicht so aufregen.“



Doch Scully wollte sich nicht beruhigen und sah sich nach einem Gegenstand um, den sie notfalls als Waffe benutzen konnte. Doch bevor sie Zeit hatte, etwas geeignetes auszumachen, betrat Lang den Raum. Diesmal begleitet von gleich zwei Pflegern. Er sagte etwas zu ihnen, das sie nicht verstehen konnte. Mulder hatte gerade wieder begonnen, beruhigend auf sie einzureden und versuchte abermals sie festzuhalten. Mit wenigen Schritten kamen die Pfleger auf die zu und hielten sie fest. Sie waren nicht nur stärker als Mulder sondern sie waren auch zu zweit. Schließlich hielten sie Scully mit starkem Griff fest und drückten sie in ihr Kissen. Als es sicher war, dass sie sich nicht mehr wehren konnte, kam Lang auf sie zu und zog gerade eine Spritze auf.

Lächelnd beugte er sich zu ihr nieder.



„Es wird alles wieder gut sein, wenn Sie wieder aufwachen.“



Wütend versuchte Scully sich aufzurichten. Nur zu gerne hätte sie ihm das Lächeln aus seinem Gesicht geschlagen, aber sie wurde mit eisernem Griff festgehalten. Statt dessen versuchte sie sich also nur zu wehren. Aber auch das war ein unmögliches Unterfangen. sie versuchte es trotzdem, obwohl sie wusste, dass sie zahlreiche blaue Flecken davontragen würde. Sie spürte den Einstich, als Lang ihr ein Betäubungsmittel spritzte.



„Nein! Hören Sie auf!“



Aber es war bereits zu spät. Lang hatte die Spritze bereits wieder entfernt und sah sie mit einem überlegenem Siegerlächeln an.



„Jetzt schlafen Sie erst einmal. Morgen sieht alles ganz anders aus.“



„Mulder...“, setzte Scully an, doch als sie sich zu ihm umsah, erwiderte dieser ihren Blick nur lächelnd.



„Es wird jetzt alles wieder gut, Scully. Vertrauen Sie dem Doktor.“



Enttäuscht sah sie in sein noch immer grinsendes Gesicht. Das war auch das letzte, das sie sah, bevor sie von der Dunkelheit der Bewußtlosigkeit eingehüllt wurde.
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