Reality von XS

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Teil 10

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Mit einem Satz schnellte Mulder nach vorne und griff nach ihrem Arm, um ihr das Messer abnehmen zu können. Doch die Starre hatte ihn offensichtlich zu lange im Griff gehabt. Scully hatte bereits mit der Klinge ihren Arm nahezu aufgeschlitzt. So schien es ihm jedenfalls.



Scully sah auf ihren Arm herunter. Sie fühlte keinen Schmerz, dazu war sie viel zu geschockt. Sie fing an zu zittern und ließ das Messer fallen. Sie konnte nicht glauben, dass sie das wirklich getan hatte. Sie hatte sich... aufgeschlitzt. Diesen Anschein hatte es jedenfalls. All das Blut, das aus ihrem Arm spritzte. Nicht nur dünne Rinnsale sondern ganze Ströme schossen aus ihren Adern.



*Wieso habe ich das getan?*, fragte sie sich verzweifelt, *Ich hätte besser überlegen sollen. Es hätte doch einen anderen Ausweg geben können, oder?*



Oder doch nicht? Hatte sie nicht alles überlegt? Alles durchdacht? Die ganze Situation nach allen Seiten hin ausgeleuchtet und war schließlich zu dem Schluss gekommen, dass dies die einzige Möglichkeit war? War es nicht so gewesen? Sie... konnte sich nicht richtig entsinnen... Alles schien plötzlich so schwerfällig abzulaufen... Wie in Zeitlupe. Nein, als sei sie unter Wasser. Genauso wie sie dort ihre Gliedmaßen nur schwerfällig bewegen konnte, so schienen sich jetzt ihre Gedanken durch Wasser oder sogar tiefen Morast kämpfen zu müssen.

Sie starrte weiter auf ihre Handgelenke, aus denen unaufhörlich Blut schoss. Sie konnte es immer noch nicht fassen, dass sie das getan hatte. Wie verzweifelt war sie denn gewesen?

Sie sah auf und sah Mulder, der wie angewurzelt wenige Zentimeter vor ihr stand und unter Schock zu stehen schien. Genau wie sie selber. Er starrte auf ihre Handgelenke und sah dann schließlich in ihr Gesicht. Kaum hatten sich ihre Blicke getroffen, schien sich Mulder wieder rühren zu können. Er machte einen Schritt auf sie zu und wollte nach ihren Armen greifen. Sie wusste nicht wieso, aber sie versuchte, sich ihm zu entziehen. Doch bevor es soweit kommen konnte, merkte Scully, wie ihre Gedankengänge nicht nur langsamer zu werden schienen sondern gänzlich zum Stillstand kamen. Sie konnte jetzt keinen Gedanken mehr fassen. Nur die Eindrücke, die sie durch ihre Sinne wahrnahm konnte sie noch erfassen.

Ihre Küche. Das Blut. Ihr Blut. Sie fiel auf den Boden. Der Druck. Aber kein Schmerz. Die Wände. Aus einer merkwürdigen Perspektive. Sie schienen sich aufzulösen. Ins Nichts zu verschwinden. Und sie hinterließen auch nichts weiter als das. Nichts. Und dann war da noch Mulder. Sein Gesicht, das sich jetzt über sie beugte. Doch auch das verschwand. Es verschwand ebenfalls im Nichts, doch es wurde ersetzt durch ein anderes. Ein anderer Mann stand jetzt über sie gebeugt und sah sie erschrocken an. Graues Haar, eine Brille... Das war alles, was sie noch wahrnahm, bevor ihr Bewusstsein endgültig vom Nichts verschlungen wurde. Es ging so schnell und sie tauchte von einer Sekunden zur anderen in dieses schwarze Nichts ein. Sie kämpfte nicht. Sie war zu schwach. Und sie wollte nicht mehr kämpfen. Vielleicht lag dieser letzte Kampf darin, dass sie sich treiben lassen musste. Dass sie sich einfach von diesem schwarzen Tuch einhüllen lassen musste. Es war so einfach und... schmerzlos... Sie schloss die Augen und ließ sich von dem Tuch zudecken, das sie sanft zu umschmeicheln und liebkosen schien. Dann fühlte sie nichts mehr.
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