Spiel des Lebens von Stefan Rackow

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~Teil 7~

-Psychologische Kriegsführungstaktik-





an einem unbekannten Ort



„Du hast großen Mist gebaut, Rob“, sagte einer der beiden Männer in weißem Anzug und ging in dem Raum langsam auf und ab. „Du hast die allergrößte Scheiße gemacht! Du solltest Doggett entführen, aber nein! Du musst dazu ja noch seinen Wagen anzünden und eine weitere Agentin des FBI mitgehen lassen! Wie hirnverbrannt kann ein Mensch sein...!“

„Aber Mr. Packer, es musste sein“, beharrte Rob Hermes kontinuierlich. „Sie scheint auch von der Sache erfahren zu haben.“

„Dann kannst du ja gleich die ganze Belegschaft des FBI entführen!“ – Packer holte einmal tief Luft und seufzte. „Ich habe dich für so schlau gehalten, dass ich annahm, du wüsstest, dass ein fauler Apfel im Korb reicht, um nach und nach alle ungenießbar werden zu lassen! Wir hätten Doggett das eingegeben, was unser Vorhaben nicht mehr gefährdet hätte. Er hätte nach der Gehirnwäsche nach unseren Vorgaben geredet und somit nach und nach das ganze FBI, beziehungsweise die vormals in den Fall Involvierten glauben lassen, alles wäre eine Lüge! Es hätte alles geklappt, ohne viel Tamtam, ohne viel Aufsehen!“ – Er näherte sich dem sitzenden Rob und sprach leise, aber gefährlich zischelnd in sein rechtes Ohr: „Kannst du jetzt verstehen, was mir an deinem Vorgehen missfällt, Rob?!“

„Es tut mir Leid“, stammelte Rob, „ich dachte nur...“

„DU sollst nicht denken!“ konterte Packer und nickte einem anderen Mann zu, der die ganze Zeit schon über einer Liege stand und mit diversen Geräten an einem Individuum herumexperimentierte. „Hubert, was macht unser ... Patient?“

„Er scheint die Betäubungsmittel besser zu verkraften als die Frau!“ – Der hochgewachsene Mann schluckte. „Mr. Packer, wir dürfen uns nicht noch einen Schnitzer erlauben. Marty Grant ist durch unsere Behandlung gestorben, wir können dies nicht noch ein zweites Mal durchführen – nicht an zwei Bundesbeamten!“

„Ihr beiden seid doch einfach Luschen! Herrgott, versteht ihr denn nicht, dass es unsere Aufgabe ist, es geheim zu halten?! Will das nicht in eure scheiß Köpfe rein? Wir müssen jetzt alles ändern! Und wer ist wieder schuld?! Ihr! Verdammt noch mal, ich habe jetzt keine Lust, mich noch weiter mit euch Pappnasen abzugeben! Da hab ich weitaus Produktiveres zu tun!“ – Packer verließ wutentbrannt den Raum und ließ Hubert und seinen Kollegen alleine zurück. Selbige blickten mit angespannter Miene auf die Liegen, wagten nicht zu sprechen.



Und die Herzfrequenzmesser, die an die beiden entführten Agenten angeschlossen waren, ließen weiterhin unbeirrt ihren piependen, langsamen Rhythmus in dem großen, sterilen Raum erklingen.



*



Mr. Packer ging schnellen Schrittes einen langen Flur entlang, an dessen Ende eine große Stahltür mit der Aufschrift „ENTRY PROHIBITED“ wartete. Der Mann zog einen schweren Eisenschlüssel hervor und steckte diesen in das Schloss. Es knackte zweimal, und mit einem Mal glitt die Tür zur Seite und gab den Blick frei auf einen dunklen, schwarzen Gang, an dessen Ende eine Art Gefängniszelle beherbergt war.

Packer ging kühl darauf zu und blickte durch das Gitterfenster. Der Geruch von Unrat und Verfaultem stieg ihm in die Nase, was ihn unweigerlich zurückfahren ließ.

„Ist ja widerlich“, murmelte er, „wusste immer, dass Wissenschaftler nur Scheiß machen...“ Er blickte noch einmal in die Zelle und vergewisserte sich, dass der Inhaftierte noch am Leben war. Die zugefügte Wunde hatte ihn viel Blut verlieren lassen, hatte aber letztlich zu Agent Doggett geführt. Schien soweit alles in Ordnung zu sein. Ob er ihn der gleichen Behandlung wie der seines Kollegen unterziehen sollte, wusste Packer in diesem Moment noch nicht. Sicher war, dass man jetzt die beiden Agenten nicht so einfach wieder auftauchen lassen konnte, da das sofort weitere Ermittlungen nach sich ziehen würde. Und alles nur wegen diesem Arsch von Rob! Warum musste er so unüberlegt handeln? Warum hatte er nicht den einfachsten aller Wege gewählt? War es denn so schwer, zwischen leicht und schwer zu unterscheiden? War es das echt?



In diesem Augenblick kam Packer eine Idee. Er wusste selbst nicht genau, weshalb ihm dieser Einfall erst jetzt zu diesem Zeitpunkt kam, war er doch im Grunde die einfachste Methode, die Arbeit an dem Projekt zu erleichtern. Packer überdachte den Gedanken noch mal.



Warum immer den umständlichen Weg über die Gedankenmanipulation gehen? Sollten die Agenten und der Professor doch bekommen, wonach sie gesucht hatten!



Marty Grant hatte nie an das Unglaubliche gedacht, hatte er doch die Arbeit Mac Finns immer als Unsinn abgetan. Vielleicht war es daher eine falsche Entscheidung gewesen, ihn zu entführen und dieser folgenschweren Behandlung zu unterziehen. Eventuell hätten sie ihn einfach seine Arbeit fortführen lassen sollen und nur die Unterlagen entwenden sollen ... oder war das Risiko doch zu groß gewesen?

Packer wusste es nicht. Er war sich nur dessen sicher, dass ein Feind nicht mehr unbedingt ein Feind bleiben musste, wenn er auf das, wonach er gesucht hatte, mit der Nase gestoßen wurde. Psychologische Kriegsführung, die im besten Falle aus dem Feind einen Verbündeten machen könnte – wenn denn die Argumente stimmten! Es käme auf einen Versuch an, dachte Mr. Packer und öffnete die schwere Zellentür.

„Mr. Finn? Ich habe Ihnen einen Vorschlag zu machen. Sie können diese Zelle verlassen und“ – Er musste unweigerlich grinsen – „... und Sie bleiben am Leben. Dazu müssen Sie nur eines tun.“

„Und ... d – das wäre?“ fragte der Wissenschaftler ängstlich, der merklich unter der tiefen Fleischwunde zu leiden hatte. „Was ... soll ich tun?“

Packer grinste diabolisch, und sein Schatten manifestierte sich an der dreckigen, braunen Steinwand.

„Sie müssen nur sehen und es verstehen! Das ist alles. Nicht mehr, nicht weniger. Kein Risiko, keine Falle – darauf bekommen Sie mein Ehrenwort.“

„Es?“

„Sie wissen, wovon ich spreche, Doktor“ , sagte Packer kühl und herablassend und näherte sich dem angeketteten Gefangenen bis auf wenige Meter. „Sie haben all die Jahre darauf hingearbeitet, Sie haben all die Jahre nach dem Beweis für seine Existenz gesucht, und nun haben Sie die Möglichkeit, Ihren Traum wahr werden zu lassen, quasi vor Augen und können ihn doch nicht erfüllen.“ – Packer kniete sich nieder – „Ist das nicht unmenschlich?“ fragte er übertrieben tragisch angehaucht und setzte einen Unschuldsblick auf.

„Ich glaube Ihnen nicht, dass Sie mich gehen lassen, Sie gewissenloses Schwein!“ – Steve Mac Finns Gesichtfarbe wurde dunkelrot – „Sie haben mich verschleppt, damit ich es, von dem nicht mal sicher ist, dass es es wirklich gibt, nicht finde und wollen mir jetzt allen Ernstes weismachen, dass diese ganze Chose hier unnötig war?“

„Doktor, Doktor, wissen Sie“, begann der skrupellose Gauner, „dass Sie gerade Ihre ganze Arbeit selbst in Frage gestellt haben, indem Sie die Existenz dieser Sache angezweifelt haben? Ist Ihnen das bewusst?“

„Ja ... äh, aber...“

„Ich lasse Ihnen jetzt die Wahl: entweder, Sie vertrauen mir, oder Sie werden bis ans Ende Ihrer Tage hier in diesem Loch versauern und sich am Tage Ihres Todes darüber ärgern, sich an dem heutigen Tage falsch entschieden zu haben!“ – Packer stand langsam auf. „Sie haben die Wahl!“

„Und welche Garantie habe ich, dass ich am Leben bleibe?“



Der Mann in dem weißen Anzug hatte diese Frage erwartet und drehte sich wieder zu dem Gefangenen um. Die Augen Packers funkelten.



„Die einzige Garantie ist Ihr Verstand, Finn. Wenn Sie glauben, dann sind Sie würdig, es auch weiterhin glauben zu dürfen. Andernfalls“ – Er schnalzte mit der Zunge – „sehen wir uns gezwungen, an Ihrer Erinnerung selbst Hand anlegen zu müssen. Und glauben Sie mir: das klappt nicht immer reibungslos! Ich lasse Ihnen eine Stunde Bedenkzeit.“
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