Spiel des Lebens von Stefan Rackow

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~Teil 5~

-Zwei arme Seelen und der Weg der Erkenntnis-



12:29



Scully hatte an dem heutigen Tage nichts mehr zu tun und hatte sich dazu bereit erklärt, auf Verlangen wieder zum FBI-Gebäude zurückzufahren, falls irgendetwas Wichtiges anliegen sollte. Die Ärztin auf Bereitschaft öffnete die Tür zu ihrem Apartment, und ihr fiel gleich auf, dass irgendetwas nicht stimmte. Es roch merkwürdig in der ganzen Wohnung. Die Nase rümpfend, rief sie: „Fox, das nächste Mal warnst du mich aber vor, wenn du nach Benutzung meiner Dusche unbedingt Eau de Toilette benutzen musst!“

Ein hochgewachsener Mann mit dunkelbraunen Haaren trat aus dem Badezimmer und lächelte. „Hallo Schatz“, sagte Mulder und umarmte Scully fest und zugleich zärtlich. „Ich hätte dich warnen sollen, aber ich konnte der Versuchung nicht widerstehen ... muss am Namen liegen.“

„“Sinnliche Versuchung“ ? Na, ich weiß ja nicht so recht“, erwiderte Scully leicht glucksend und löste sich aus der Umarmung. „Warum bist du überhaupt schon zu Hause? Ich dachte, du wolltest dich nach einem neuen...“

„Daraus ist nichts geworden, Dana“, erklärte Mulder leicht seufzend und setzte sich auf die Couch. „Du weißt, dass ich mich nicht von heute auf morgen festlegen kann, was eine Arbeit angeht. Die X-Akten waren mein Leben und ich scheine noch zu sehr mit ihnen verwurzelt zu sein, als dass ich einfach was Neues beginnen könnte. Ich denke...“ – Er unterbrach sich selbst und deutete auf das Manuskript in Scullys Hand. „Was ist das?“

„Oh“, sagte Scully, die gar nicht mehr an das Manuskript gedacht hatte. „Das ist ein neuer Fall, den Doggett und Reyes gerade bearbeiten. Ziemlich verrückt, kann ich dir sagen! Reyes ist überraschenderweise damit auf mich zugekommen, obwohl ich im Grunde gar nicht damit gerechnet hatte, dass sie in absehbarer Zeit uns um Hilfe bitten würde. Ich hatte immer vermutet, dass sie das nicht nötig habe.“ – Sie lächelte.

„Schön hast du das gesagt“, kommentierte Mulder das gerade Gehörte auf seine gewohnt ironische Weise. „Worum geht’ s denn?“



*



Scully war verwundert. Zum ersten Mal seit Wochen war Mulder wieder so, wie sie ihn seit ihren Anfängen beim FBI kennen gelernt hatte. Wissbegierig, darauf versessen, mit dem Unglaublichen in Kontakt zu kommen – kurzum: seine Neugier war wieder voll geweckt und es schien so, als hätte Mulder nie das FBI verlassen, sondern wäre stattdessen der Agent geblieben, den sie verehrt, den sie lieben gelernt hatte. Die Agentin schmunzelte. Genau genommen lag sie damit sogar richtig. So wie manche Erwachsene niemals ihre kindlichen Seiten ablegen können, so war auch Mulder immer noch ein Vollblutagent. Ein Mann mit kindlichen Seiten, welche nur noch von der der Abenteuerlust überragt wurden.

Scully hatte ihm alles von dem Fall erzählt und Mulder war versessen darauf, Näheres zu erfahren.

„Ruf Doggett an und mach ein Treffen aus“, sagte er nach der Lektüre und legte den Stapel Zettel zur Seite. „Das ist alles äußerst interessant, Dana...“

„Glaubst du das, was da drin steht?“, fragte sie vorsichtig und wischte sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich meine: glaubst du das wirklich?“

„Du solltest mich insoweit doch kennen, dass ich dem Unglaublichen niemals abgeneigt war. Aber in diesem Fall - “ – Er zuckte mit den Schultern – „Ich weiß es nicht.“

„Du weißt, dass ich dir von diesem Fall eigentlich gar nicht erzählen dürfte, oder?“, wollte die Agentin wissen und setzte einen besorgten Blick auf. „Der Fall obliegt Doggetts und Reyes’ Zuständigkeit. Ich bin nur noch Ärztin und dementsprechend eigentlich nicht befugt, Informationen bezüglich dieses Falles an außenstehende Dritte weiterzugeben – zumal nicht auszuschließen ist, dass dieser Jemand wieder auf eigene Faust ermitteln wird!“

„Vertrau mir“, entgegnete Mulder leise und knetete seine Unterlippe. „Ich wusste immer, was ich zu tun hatte. Und außerdem war es Reyes, die auf dich zugekommen ist.“

„Irgendwie hast du recht...“

„Eben.“

„Und nun?“

„... rufst du Doggett an und vereinbarst ein Treffen.“

„Du willst also...?“

„Schatz“, sagte er zärtlich und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ich informiere mich doch nur. Keinem kann es untersagt sein, Infos einzuholen, um sich eine persönliche Meinung zu bilden. Gewissermaßen helfen wir damit doch nur zwei armen Seelen, die auf dem Wege der Erkenntnis wandeln, nicht wissen, welche Richtung sie einschlagen sollen und sich daher in ihrer Not an zwei Erfahrene wenden, welche ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das ist alles!“ - Er küsste sie noch einmal und deutete auf das Handy. „Und bevor ich noch einen poetischen Anfall bekomme, ruf lieber den einen von den zwei armen Seelen an und kläre alles.“

„In Ordnung“, murmelte Scully fast unhörbar leise, jedoch laut genug, so dass man heraushören konnte, dass sie ihm, auch wenn sie es Mulder nie offen sagen würde, vollkommen vertraute, da sie wusste, der Agent würde den richtigen Weg gehen. Sie griff zum Handy, wählte, etwas angespannt, im elektrischen Telefonbuch die Nummer von John Doggetts Handy aus und wartete.
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