Spiel des Lebens von Stefan Rackow

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~Teil 4~

-Der Mann mit dem schwarzen Hut-



Er hatte sich das Gesicht genauestens eingeprägt. Markante Züge, leicht abstehende Ohren, dunkelbraune Haare, wirkt jünger als er ist. Irgendwann würde er das Gebäude verlassen, und dann würde er ihn abfangen. Rob sah aus dem Seitenfenster des Benz. Zahlreiche Agenten verließen das Edgar Hoover Building, aber bisher war nicht John Doggett dabei gewesen. Für den Fall der Fälle wusste er, wo die Zielperson wohnte. Wenn alle Stricke reißen sollten. Aber er wollte es jetzt über die Bühne bringen. Kein Blutvergießen, nur eine kleine Entführung und darauffolgendes Eintrichtern manipulierter Gedanken. Das war alles. Keiner würde sich wundern, wenn John Doggett für kurze Zeit nicht erreichbar sein sollte. Nachher würde er wieder auftauchen und mithilfe der falschen Erinnerung alles ins Lot bringen. Der Fall würde vergessen werden, da sich keine Unterlagen mehr finden ließen. Sie würden für alles sorgen. Es stand zu viel auf dem Spiel, als dass man sich eventuelle Schnitzer erlauben konnte. Das System war perfekt, und das sollte es auch bleiben!



*



„Das glauben Sie doch selbst nicht, Scully“, sagte Doggett erbost und schüttelte mürrisch den Kopf. „Sie wollen mir doch nicht allen Ernstes weismachen, dass irgendwo da draußen eine Maschine steht, deren Rechenvorgänge das Leben auf unserem Heimatplaneten steuern?!“

„Das habe ich nicht behauptet“, konterte Scully und blickte den hochgewachsenen Agenten mit einem durchdringenden Blick an. „Ich habe lediglich die Vermutung geäußert, dass es wahr sein könnte... auch wenn ich mir das dann letztlich selbst nicht begreiflich machen könnte!“ Sie schwieg.

„In Ordnung“, murmelte Doggett fast unhörbar und stand auf. „Ich denke, ich werde mir das alles hier“ – Er deutete auf das Manuskript und seufzte – „noch einmal genauestens ansehen. Wir müssen irgend etwas übersehen haben.“

„Darf ich mir vorher noch eine Kopie hiervon anfertigen?“ fragte Scully und fügte hinten dran: „Ich denke, all das hier übersteigt unser aller Vorstellungskraft – aber jemand könnte sich ernsthaft dafür interessieren.“

Reyes nickte verstehend und lächelte. „Haben Sie erst einmal vielen Dank für Ihre Mühe, Agent Scully. Wir werden uns jetzt den weiteren Ermittlungen hingeben.“

„Machen Sie Ihre Kopien“, sagte John Doggett leicht genervt und verließ das Büro. „Ich warte draußen vor dem Gebäude auf dich, Monica. Ich denke, wir sollten noch einmal das Labor unter die Lupe nehmen.“

„Okay, ich komme gleich nach“, ließ Reyes verlauten und zwinkerte Scully zu. „Sie kennen ihn ja, diese Ausbrüche hat er öfter.“

„Wem sagen Sie das, Monica“, flüsterte die Agentin und fügte grinsend hinzu: „Scheinen Männer so an sich zu haben ... ich spreche da aus Erfahrung.“



*





vor dem J. Edgar Hoover Building, knapp 5 Minuten später



Endlich sah er ihn. Er stand nicht unweit von dem Punkt entfernt, an dem er seinen Wagen geparkt hatte. Rob erkannte den Agenten sofort und grinste. Wir machen gleich eine kleine Reise, dachte er und startete den Benz.



*



Doggett hatte das Gespräch immer noch nicht ganz verkraftet und atmete einmal tief durch. Dass jemand derart Abstrusem Glauben schenken konnte, wollte einfach nicht in seinen Kopf hinein. Missmutig registrierte er, dass Reyes aus der Eingangstür des Gebäudes trat. Ihr dunkles Haar fiel in wenigen Strähnen in ihre Stirn und verlieh der Agentin ein jugendlich freches Aussehen. Erst jetzt fiel Doggett auf, dass er sie viel zu selten richtig angesehen hatte. Waren seine Augen geblendet worden? Hatte er vielleicht immer nur Augen für den jeweiligen Fall gehabt und seine Partnerin einfach nur seine Partnerin sein lassen? Hatte ihn die Arbeit derart manipuliert, dass er nicht erkannt hatte, dass er in Monica Reyes eine äußerst attraktive Partnerin zur Seite gestellt bekommen hatte? Agent John Doggett musste schlucken, als ihm bewusst wurde, dass all diese Fragen mit „Ja“ beantwortet werden konnten.

Was ihn noch mehr verwunderte, war, dass ihm erst jetzt diese Erkenntnis kam.



„Alles in Ordnung, John?“



„Wie?“, fragte er leicht verwirrt und blickte in wunderschöne braune Augen. „Ja ... ja, ich war in Gedanken, Monica. Können ... ähm, können wir fahren?“

„Klar, von mir aus sofort“, entgegnete sie lächelnd und klopfte dem Agenten auf die Schulter. „Du musst das alles ruhiger angehen. Das ist nur ein Fall, John.“ –Sie wirkte etwas besorgt. „Ich denke, du nimmst dir das zu sehr zu Herzen!“

„Ja“, murmelte Doggett leise, „ja, wie recht du hast.“ Er erwiderte ihr Lächeln und blickte wiederum in ihr wunderschönes Antlitz. „Ich habe es die ganze Zeit zu ernst genommen, Monica. Ich habe nur Augen für den jeweiligen Fall gehabt und dabei vergessen, dass es andere Sachen gibt, die viel lebenswerter sind...“

„Oh“, entsprang es ihr, „woher der plötzliche Sinneswandel?“



Beiderseitiges Schweigen erfüllte die Szenerie, da weder Reyes noch Doggett diese Frage komplett für sich selbst beantworten konnte. Doggett hatte zwar eine Vermutung, welche Scullys Äußerungen mit einbezog, aber der Moment, Reyes dieses näher zu bringen, war noch nicht gekommen. Noch nicht. Er würde es ihr irgendwann erklären können, das wusste er ganz sicher und ging ohne ein weiteres Wort zu sagen in Richtung Tiefgarage. Die Agentin folgte ihm mit wenigen Metern Abstand.



*



Rob Hermes gurtete sich langsam an und folgte dem schwarzen Mietwagen mit etwas Abstand. Zu dieser frühen Stunde war es leicht, einen Wagen zu verfolgen, da die Straßen noch nicht sehr gefüllt waren. Er nahm einen weiteren Zug von seiner Zigarette und blies den Qualm aus. Der sich kräuselnde Ausstoß nahm die Form eines kleinen Atompilzes an, welcher sich langsam in der Luft auflöste und eins mit ihr wurde. Rob wusste, dass er seinen Plan ändern musste, denn anscheinend war John Doggett nicht der einzige Agent geblieben, der von dem Vorfall unterrichtet wurde. Eine junge Frau schien ebenso involviert worden zu sein!

Der Mann mit dem schwarzen Hut fluchte leise und versuchte seinen Plan dahingehend zu verändern, während er sich den beiden Agenten wie ein dunkler Schatten weiterhin an die imaginären Fersen heftete.
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