Angel of mine! von Kinona

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Mühelos riss Luzifer den Deckel von dem teuren Holzsarg. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, dennoch waren seine „Kinder“ noch nicht erwacht.
„Wir müssen reden!“, erklärte er bestimmt.
Der dunkelblonde Mann darin blickte ihn irritiert an. Er sah jung aus. Er konnte nicht viel älter als 21 gewesen sein, als er zum Vampir geworden war. Luzifer erinnerte sich noch sehr gut daran. Tristan war seine erste Schöpfung gewesen. Doch erst jetzt, nach all den Jahren, fiel ihm auf, welch verblüffende Ähnlichkeit er mit Raphael hatte. Die selben leuchtend blauen Augen, aus denen jetzt - wo er so unsanft aus dem Schlaf gerissen worden war - das blanke Entsetzten strahlte.
„Luzifer!“, rief Tristan sichtlich um Ruhe bemüht. „Was verschafft mir die seltene Ehre?“
Anmutig stieg er aus seinem Holzsarg und strich sich die Kleider zurecht. Ein vornehmer und doch jugendlicher, dunkelgrauer Anzug. Das halblange Haar fiel ihm wirr ins Gesicht.
„Vielleicht habe ich mich bisher ja nicht deutlich genug ausgedrückt, darum sage ich es jetzt ein letztes Mal.“ Wut blitzte aus Luzifers Augen. „Die Sterblichen, die in meinem Haus verkehren, stehen unter meinem persönlichen Schutz. Und jeder, der sich an ihnen vergreift, hat die Konsequenzen zu tragen!“
„Geht es etwa um dieses blonde Mädchen?“, fragte Tristan schnippisch.
„Ana Simens!“, antwortete Luzifer und kam ihm gefährlich nahe.
„Warum regst du dich so auf über diese Sache?“, wollte der junge Vampir wissen. „Sie wusste, worauf sie sich einlässt und sie stand in der Nahrungskette nun mal eine Stufe unter uns. Das ist der Lauf der Dinge!“
„Sie hat uns vertraut! Es war unnötig, sie umzubringen. Diese Menschen bringen große Opfer, um uns einen Gefallen zu tun.“
„Richtig: Sie beten uns an!“, unterbrach ihn Tristan wütend. „Und sie sind bereit, für ihre dunklen Heiligen zu sterben. Also, was soll das Ganze? Du hast dich doch früher nicht über solche Kleinigkeiten aufgeregt, Luzifer.“
„Ihr Tod hat unnötige Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Das FBI war heute bei mir!“, erklärte Luzifer unruhig.
Das Leuchten in Tristans Augen machte ihn nervös. Er kannte es! Und zum ersten Mal wurde ihm bewusst, dass Gabriel Recht haben könnte. Was, wenn er seine Schöpfung tatsächlich nicht mehr im Griff hatte?
„Das FBI!“, rief Tristan herablassend. „Seit wann kümmert dich so etwas? Was können sie uns denn schon tun? Vergiss nicht, Luzifer, dass du einer von uns bist, egal was deine Maria-Magdalena auch in dir sehen mag! Wir töten, um zu überleben, so einfach ist das. Das hast du mich gelehrt!“
„Du hast nicht die geringste Ahnung, was ich bin, Tristan!“, zischte Luzifer mit einer Mischung aus Angst und Wut in seiner Stimme. „Ich habe dir und all den anderen die Gabe der Unsterblichkeit gegeben - und wenn es darauf ankommt, kann ich sie euch wieder nehmen. Das kannst du von mir aus allen ausrichten!“
„Dieses Mädchen hat dir die Sinne vernebelt!“, schrie er ihm hinterher, und verletzter Stolz klang in seiner Stimme mit. Doch Luzifer war bereits verschwunden.

Tristan war wütend, als er sich auf die Jagd machte, enttäuscht und in seinem Stolz verletzt. Er hatte zu Luzifer aufgesehen, schließlich war er sein Schöpfer gewesen und sein Meister. Er hatte ihm die dunkle Gabe gegeben und ihn gelehrt, damit umzugehen. Tristan war all die Jahre sein gelehriger Schüler gewesen, und jetzt zog er dieses sterbliche Mädchen ihm vor. Blutdurst stieg in ihm auf und steigerte seine Wut und Entschlossenheit nur noch mehr. Die Stärkeren töteten die Schwächeren. Sie töteten, um zu überleben. Alle waren Teil der selben Nahrungskette, mit dem einzigen Unterschied: dass sie ganz oben standen. Luzifer selbst hatte ihm das beigebracht, und plötzlich stellte er irgendwelche Regeln auf. Sollte er sich doch zum Narren machen und kriechen vor den Sterblichen! Wenn der Meister nicht mehr wusste, was er tat, dann war es vielleicht an der Zeit, den Meister abzusetzen. Plötzlich zog ein Geräusch in der Dunkelheit seine Aufmerksamkeit auf sich. Es waren Schritte. Und sie kamen näher. Lautlos trat er in die Dunkelheit und verschmolz mit den Schatten. Überrascht erkannte Tristan ein zierliches junges Mädchen. Ihre roten Haare wehten im eiskalten Wind. Und plötzlich nahmen seine undeutlichen Gefühle und Gedanken Formen an.

So vorsichtig wie noch nie hatte sich Maria-Magdalena aus dem Gebäude geschlichen. Sie musste ihn sehen! Und diese beiden FBI-Agenten würden sie nicht daran hindern. Schützend zog sie ihre Jacke noch enger um sich. Es war kalt. Unter der frischen Schneedecke konnte sie bei jedem ihrer Schritte eine dünne Eisschicht knirschen hören. Unbewusst beschleunigte sie ihren Schritt, bis sie beinahe rannte. Ein ungutes Gefühl beschlich sie plötzlich. Maria-Magdalena glaubte Blicke in ihrem Rücken spüren zu können, als ob sie beobachtet würde. Ängstlich blickte sie sich um, doch außer ihr war weit und breit niemand zu sehen. Plötzlich wurde sie unsanft festgehalten. Noch bevor sie schreien konnte, erkannte sie den Täter.
„Tristan!“, flüsterte sie erleichtert. „Du hast mich erschreckt.“
„Hat dir Luzifer nicht gesagt, dass es gefährlich ist, des Nachts so alleine durch die Straßen zu irren?“, entgegnete der Vampir zynisch.
Erst jetzt erkannte das rothaarige Mädchen das wütende Glitzern in seinen Augen. Ein teuflisches Grinsen umspielte plötzlich seine sanften Lippen. Sie konnte fühlen, wie Tristans Griff noch fester wurde. Er spürte ihre Angst und genoss dieses Gefühl von totaler und unbeschreiblicher Macht.
„Böses Mädchen!“, zischte er. „Es wird ihm das Herz brechen, wenn er merkt, was seinem ungezogenen Schützling widerfahren ist!“
Sie konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren.
„Nein!“ Es war ein leises Flehen.
Tränen liefen über ihre blassen Wangen. Unsanft legte er die weiße Haut ihres Halses frei und biss zu. Gierig trank er das warme, süße Blut, das ihm entgegenströmte. Jeder Schluck davon eine Genugtuung. Sie wehrte sich, doch ohne Erfolg. Er war stark. Deutlich konnte Tristan spüren, wie die Kraft aus ihrem Körper wich und sie immer schwächer wurde. Maria-Magdalena hörte auf sich zu wehren und fühlte, wie ihre Sinne schwanden.



Schutzengel
„Im Sommer war das Gras so tief, das jeder Wind daran vorüberlief. Ich habe da dein Blut gespürt, und wie es heiß zu mir herüber ran. Du hast nur mein Gesicht berührt, da starb einfach der harte Mann. Weil´s solche Liebe nicht mehr gibt: Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt... Du sagst, das es bald Kinder gibt, wenn man sich in dein rotes Haar verliebt. So rot wie Mohn, so weiß wie Schnee...“ (In Extremo, Rotes Haar)

Plötzlich wurde Tristan zu Boden geworfen. Bewusstlos landete Maria-Magdalena im kalten Schnee. Irritiert sah er auf und erkannte Luzifers Gestalt.
„Ich habe dich gewarnt!“ Wut strahlte aus seinen dunklen Augen, so deutlich, dass es Tristan für einen Augenblick den Atem nahm.
Hastig erhob er sich vom Boden.
„Entscheide dich endlich!“, schrie er. „Entweder diese verfluchten Sterblichen oder dein eigen Fleisch und Blut. Deine Schöpfung! Du kannst nicht beides haben, Luzifer! Sie sind nichts weiter als Nahrung!“
„Meine Entscheidung ist schon längst gefallen, Tristan!“, zischte Luzifer. „Solltest du mir noch einmal unter die Augen treten, werde ich dich so zurichten, dass selbst Satan die Finger von dir lässt.“
„Was?“ Irritiert sah ihn der junge Vampir aus strahlend blauen Augen an.
„Verschwinde!“, entgegnete Luzifer entschlossen.
Ungläubig, ängstlich, verletzt und wütend drehte sich Tristan um und verschwand in der Dunkelheit. Noch ein letztes Mal wandte er sich an seinen Schöpfer.
„Du willst Krieg, Luzifer?“, schrie er. „Das kannst du haben!“
Vorsichtig kniete sich Luzifer zu dem bewegungslos daliegenden Mädchen. Ängstlich fühlte er ihren Puls und stellte erleichtert fest, dass sie noch lebte. Zärtlich nahm er sie in seine Arme.
„Es wird alles wieder gut!“, flüsterte er. „Jetzt bin ich ja bei dir.“
Mühelos hob er sie hoch und trug sie auf seinen Armen davon. Hinter ihm trat eine anmutige Gestalt aus der Dunkelheit, die die ganze Szene tatenlos beobachtet hatte. Mit gelbbraunen Augen sah Gabriel ihm hinterher. Raphael hatte Recht gehabt. Die ganze Angelegenheit lief nicht wie geplant.

Das Klingeln ihres Handys weckte Dana Scully aus ihrem unruhigen Schlaf. Beinahe mechanisch und noch im Halbschlaf griff die FBI-Agentin nach dem Telefon.
„Scully!“
„Ich bin´s!“, ertönte die Stimme ihres Partners am anderen Ende der Leitung.
„Mulder, was gibt´s?“
Dana richtete sich auf und sah aus dem Fenster. Draußen hatte kaum die Dämmerung eingesetzt. Immer noch glitzerte der Schnee im Mondschein. Sie blickte auf ihren Wecker. Halb sieben!
„Die Klinik hat gerade angerufen. Maria-Magdalena Lights wird seit gestern Abend vermisst“, antwortete Mulder. „Ihre Pflegerin macht sich große Sorgen. Aber ich habe da einen Verdacht, wo Mary stecken könnte.“
„Luzifer Black!“, erwiderte Scully, mittlerweile vollkommen wach.
„Richtig!“, antwortete Mulder. „Wir treffen uns vor seinem Anwesen.“



Wortlos betraten die beiden FBI-Agenten das Gelände. Es dauerte einige Augenblicke, bevor die Tür geöffnet wurde. Mit vielsagendem Blick sah Dana in Luzifer Blacks Augen.
„Agent Scully, Agent Mulder: Ich habe Sie bereits erwartet!“, begrüßte er sie.
Irritiert traten die beiden FBI-Agenten an ihm vorbei ins Haus. Nur beiläufig stellte Scully fest, dass es ungewöhnlich dunkel im Raum war.
„Luzifer?“, hörten sie plötzlich Maria-Magdalenas Stimme aus dem Wohnzimmer. „War das die Türklingel?“
Ungläubig starrten die Agenten auf das blasse Mädchen, das plötzlich in der Zimmertür stand.
„Agent Mulder! Agent Scully!“, begrüßte Mary sie überrascht.
„Was geht hier vor?“, fragte Mulder, der als Erster seine Fassung wiedergewonnen hatte.
„Maria-Magdalena wurde gestern Abend angefallen“, erklärte Luzifer.
Seine Stimme war ruhig, und sein Gesicht ließ keinerlei Gefühlsregung erkennen. Schutz suchend flüchtete Mary in seine Arme. Ihr Haar war wirr. Sie trug offenbar einen von Luzifers Pullovern, der ihr viel zu groß war.
„Was?“ Scully wusste immer noch nicht genau, was sie von all dem halten sollte.
„Ich war auf dem Weg hierher, da hat mich ein Mann überrascht“, antwortete Maria-Magdalena unsicher. „Zum Glück ist Luzifer zufällig aufgetaucht.“
„Zufällig?“ Ungläubig sah Mulder von ihr zu Luzifer.
„Er hat mir das Leben gerettet!“, erwiderte Mary bestimmt.
Wütend blickte sie den FBI-Agenten aus giftgrünen Augen an.
„Setzten wir uns doch erst mal“, wandte sich Luzifer mit ruhiger Stimme an Scully und Mulder, während er ihr beruhigend über den Rücken strich. Mulders Blick fiel auf Maria-Magdalenas Hals, an dem eine frische Bissspur zu erkennen war.
„Einverstanden!“, nickte Dana. „Ich rufe nur schnell in der Klinik an, um Bescheid zu sagen, das wir Mrs. Lights gefunden haben.“



„Mrs. Lights...“
„Mary!“, unterbrach sie das rothaarige Mädchen genervt.
Maria-Magdalena sah aus wie ein kleines Häufchen Elend, so wie sie auf dem unbequemen Holzstuhl saß. Die beiden FBI-Agenten hatten sie zurück in die Klinik und in ihr Zimmer gebracht. Sie hatte Luzifer Blacks Haus nur widerwillig verlassen, doch sie war zu schwach gewesen, um sich zu wehren. Immer noch schien sie jeden Augenblick zusammenbrechen zu können. Trotz der Decke, die ihr die FBI-Agenten um die Schultern gelegt hatten zitterte sie. Ihr rotes Haar fiel ihr wirr und strähnig ins blasse Gesicht. Es war offensichtlich, dass Maria-Magdalena Lights eine harte Nacht hinter sich hatte.
„Mary“, begann Scully erneut. „Sie müssen uns helfen. Wir wollen doch nur herausfinden, was Ihrer Freundin Ana Simens zugestoßen ist.“
„Warum glauben Sie, dass ausgerechnet ich Ihnen dabei helfen kann?“, fragte das Mädchen irritiert.
„Mary, woher stammen diese Bisswunden an Ihrem Hals?“, mischte Mulder sich in das Gespräch ein.
Mit ausdruckslosem Blick sah sie den FBI-Agenten an. Einen Augenblick schien sie zu überlegen.
„Das würden Sie ja doch nicht verstehen!“, entgegnete sie dann.
„Wie wäre es, wenn Sie es einfach darauf ankommen lassen?“, konterte Scully. „Was ist gestern Abend passiert?“
„Ich wurde angefallen, das sagte ich doch bereits!“ Aus Maria-Magdalena Lights Stimme war eindeutiges Desinteresse zu hören.
„Kannten Sie den Täter?“, wollte Dana wissen.
Schweigend sah Mary zu Boden.
„Der Mann, der Sie gestern Abend angefallen hat, ist wahrscheinlich der selbe, der Ihre Freundin auf dem Gewissen hat“, fuhr Scully fort. „Und noch einige andere Menschenleben! Wenn Sie uns nicht helfen ihn zu fassen, werden es vielleicht noch mehr.“
Die FBI-Agentin versuchte in Maria-Magdalenas giftgrünen Augen zu lesen - vergeblich.
„Ich kann Ihnen nicht helfen!“, antwortete sie.
„Weil Sie Luzifer Black schützen wollen?“, fragte Dana.
„Luzifer Black hat mit all dem nichts zu tun!“, erwiderte Mary. „Er hat mir vor Jahren einmal das Leben gerettet, und gestern Abend wieder. Er... er ist mein Schutzengel.“
Maria-Magdalenas Blick schien in weite Ferne gerichtet zu sein. Ein verträumtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Mulders Blick fiel auf ihre Zeichnung, die immer noch auf dem Schreibtisch lag. Er nahm sie an sich.
„Dann soll dieses Bild hier wohl ihn darstellen?“
Unsicher sah sie den FBI-Agenten an. Sie überlegte einen Moment, bevor sie stumm nickte und das Bild aus seiner Hand nahm.
„Mary, was wissen Sie über Vampire?“, fragte Mulder plötzlich.
Scullys linke Augenbraue schoss in Richtung Haaransatz, und auch Maria-Magdalena Lights’ Blick war verwirrt.
„Sie trinken Blut, scheuen das Tageslicht...“, antwortete sie unsicher. „Luzifer ist kein Vampir!“
Irritiert über diese Aussage sahen die beiden FBI-Agenten das Mädchen an.
„Ich sagte Ihnen doch bereits: Er ist ein Engel. Mein dunkler Engel!“



„Und was jetzt?“, fragte Scully, als sie Maria-Magdalenas Zimmer verließen.
„So kommen wir nicht weiter!“, entgegnete Mulder. „Was meint sie damit? Er ist ihr dunkler Engel?“
Erschöpft ließ Scully ihre Schultern hängen und blieb stehen.
„Mulder, Sie können so etwas doch nicht tatsächlich wörtlich nehmen. Er hat ihr offenbar zwei Mal das Leben gerettet. Maria-Magdalena ist manisch-depressiv: Sie ist nicht zurechnungsfähig. Und außerdem glaube ich nicht einmal, dass sie das volle Ausmaß dieser Situation überhaupt begreift.“
„Ich glaube, da steckt mehr dahinter!“, konterte ihr Partner.
„Sie wollen damit doch nicht etwa andeuten dass Luzifer Black ´der´ Luzifer ist. Der erste Engel, der fiel, als Gott die Menschen erschuf?“ Ungläubig starrte Scully in Mulders Augen. „Ach kommen Sie, Mulder... Ich meine... - ganz davon abgesehen, dass das alles nur eine Legende ist -, was hat es mit unserem Fall zu tun? Und was ist aus Ihrer Vampirclan-Theorie geworden?“
„Das weiß ich nicht, Scully. Aber ich bin dafür, ihn zu beschatten. Vielleicht kriegen wir es dann heraus.“
„Meiner Meinung nach hat Mrs. Lights eine Überwachung wesentlich nötiger!“, erwiderte Dana.
„Mary?“ Nun war es an Mulder, seine Partnerin ungläubig anzuschauen.
„Maria-Magdalena Lights wurde gestern Nacht von jemanden angefallen, der aller Wahrscheinlichkeit nach auch ihre Freundin Ana Simens auf dem Gewissen hat. Offensichtlich kennt Maria-Magdalena den Täter und deckt ihn. Doch er kann sich nicht sicher sein, dass das auch so bleibt. Somit besteht eindeutig die Gefahr, dass er erneut versuchen wird, sie zu töten.“
Augenblicke lang schien Mulder zu überlegen. Einen Moment lang wollte er erwidern, dass es sich bei diesem Fall nicht um einen normalen Mordfall handelte, doch er musste zugeben, dass Dana Recht hatte. Solange Anas Mörder nicht gefasst war, war Mary in Gefahr.
„Dann übernehmen Sie Maria-Magdalena Lights, und ich Luzifer Black!“, antwortete er.
„Mulder, das ist nicht Ihr Ernst! Wir sind seit heute morgen auf den Beinen, und jetzt wollen Sie alleine eine gesamte Nachtüberwachung übernehmen?“
Unbeeindruckt hielt Mulder ihrem Blick stand. Ein triumphierendes Lächeln umspielte seine Lippen.
„Haben Sie eine bessere Idee?“



Seit Stunden wartete Fox Mulder vor dem Anwesen von Luzifer Black darauf, dass sich endlich etwas tat. Er war sich sicher, dass dieser Mann etwas mit dem Fall zu tun haben musste. Sein Gefühl hatte ihn noch nie im Stich gelassen. Doch langsam wurde es wirklich kalt in dem geparkten Wagen. Und er konnte sich lebhaft vorstellen, wie Scully frierend in ihrem Wagen saß und ihn für diese Idee verfluchte.
Plötzlich wurde das Licht im Haus gelöscht. Mulder öffnete vorsichtig die Wagentür und machte sich bereit. Lautlos folgte er Luzifer Black, der kurz darauf das Haus verließ, in Richtung Nervenheilanstalt. Doch Luzifer war schnell. Er bewegte sich anmutig und lautlos und schien mit den Schatten der Häuser zu verschmelzen. Und kurz bevor sie bei der Psychiatrie angelangt waren hatte Mulder ihn verloren. Er rannte zum Wagen, in dem seine Partnerin vor dem Hospital Wache hielt, und riss die Tür auf.
„Haben Sie ihn gesehen?“, fragte er aufgebracht.
„Wen?“, wollte Dana wissen.
„Luzifer Black!“, antwortete Mulder noch immer völlig außer Atem. „Er ist in diese Richtung gelaufen.“
„Hier ist es jedenfalls nicht aufgetaucht.“ Scully stieg aus dem Wagen.
„Verdammt!!“ Wütend trat Mulder gegen den Autoreifen. „Wir haben ihn verloren.“
„Und jetzt?“, wollte Dana wissen.
„Wir müssen die ganze Sache abblasen“, entgegnete ihr Partner.
„Nein!“, sagte Dana plötzlich. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Luzifer Black heute Nacht noch hier auftaucht!“
Ungläubig blickte Fox Mulder sie an.

Die Nacht hatte bereits um sich gegriffen und Dunkelheit hatte sich in Maria-Magdalena Lights’ Zimmer breitgemacht. Nur die Lampe auf ihrem Schreibtisch spendete ihr beim Zeichnen noch Licht. Sie wartete. Und versuchte, sich mit ihrer Malerei davon abzulenken. Sie würde nach allem, was passiert war, nicht alleine einschlafen können. Das wusste er. Er hatte gesagt, sie wäre hier sicher. Und Maria-Magdalena vertraute ihrem dunklen Engel. Dennoch war sie erleichtert, als sie endlich seine weichen, kalten Hände auf ihren Schultern spürte. Wie immer erschien er plötzlich und lautlos. Sie sah hinauf und blickte in seine wunderschönen, unruhigen, dunklen Augen und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Ich habe auf dich gewartet!“, flüsterte sie und berührte sanft mit ihren Lippen seinen Mund.
Zärtlich erwiderte er ihren Kuss. Beinahe unbändig schlang sie ihre Arme um ihn und genoss für einen Augenblick seinen Atem auf ihrer Haut und den gleichmäßigen Rhythmus seines Herzschlags.
„Lass mich heute Nacht nicht alleine einschlafen müssen!“, bat sie.
In seinen Augen konnte sie sehen, dass er den Grund ihrer Worte nicht verstand.
„Ich liebe dich, mein dunkler Engel!“, wisperte sie und strich ihm zärtlich eine Strähne seines Haares aus dem Gesicht. „Lass mich heute Nacht, in der Hoffnung morgen früh in deinen Armen aufzuwachen, wundervoll träumen.“
Scheinbar mühelos hob er sie von ihrem Stuhl. Wieder berührte sie mit ihren Lippen die seinen. Plötzlich mischte sich der Geschmack von Blut in die Leidenschaft des Kusses. Ihrem Blut! Doch sie ließ ihn gewähren.
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