Fate and Elevator Rides von Sonja K

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Vorwort

Es begann harmlos genug mit einem Telefonanruf, im Laufe dessen ich von meinem Creative Equal auf die neueste Challenge aufmerksam gemacht wurde. Trotz diverser unvollendeter FanFics konnte ich einfach nicht widerstehen, meinen Senf dazuzugeben. Kitty, 1000 hugs fürs Anstacheln!! Die Begegnung zwischen den Mailpartnern wird sich bald auch in der Realität ereignen, hoffe ich.
Besondere Grüße auch an meine „kleine Schwester“ für die hilfreiche Kritik, was die Charaktere von Stargate betrifft. Rena, guck dir die Szenen genau an, dann weißt du, was ich meine. Ohne dich wären Jack und Sam nicht das, was sie sind.
@ Cat: Du weißt, was mir diese Fic bedeutet, denn wenn ich sie nicht geschrieben hätte, müsste ich mein Leben ohne dich fristen. Das wäre nicht auszudenken, oder?? Also: Sie ist dir gewidmet, Honey!!
Und jetzt viel Spaß!!
Der Wald war dicht genug um ihn für eine weitere Minute vor der Blicken der Wachen zu verbergen, aber es würde knapp werden wenn er auch nur ein paar Meter weiterging. Also holte Mulder sein Mobiltelefon aus der Tasche und tippte eine Nummer ein, die sich aus Sicherheitsgründen nicht im Speicher befand. Eine vertraute Stimme meldete sich: „Mulder, bist du’s?“
„Wer sonst ruft auf dieser Leitung an? Hör mal, bist du sicher, dass das funktioniert?“
„Natürlich. Langley hat alles mindestens zehnmal überprüft, und deine Tarnung ist auch wasserdicht. Oder denkst du, wir würden dich da ohne Sicherheit reingehen lassen?“
„Nein, aber ich wollte nur nochmal ganz sicher gehen.“
„Scully bringt uns um wenn dir was passiert, und darauf können wir alle gut verzichten.“
„Okay, das beruhigt mich.“ Mulder musste ein Lächeln unterdrücken; es war nur natürlich, dass die Gunmen nichts davon hielten, den Zorn seiner Partnerin auf sich zu ziehen.
„Okay, Byers, ich geh jetzt rein.“
„Viel Glück. Meld' dich, wenn du wieder da bist, und vergiss nicht, dass du uns einen Artikel versprochen hast.“
Der bärtige Mann legte den Telefonhörer auf und drehte sich zu seinen beiden Freunden um. „Das war Mulder. Er geht jetzt rein.“
„Hoffentlich geht das gut.“, unkte Frohike mit sorgenvoller Miene. „Ich habe keine Lust, Scully mitzuteilen, dass ihr Partner bei einem illegalen Einsatz von Airforceleuten erschossen worden ist.“
„Das kann gar nicht schief gehen.“, betonte Langley bestimmter, als er sich fühlte. Er war sich ganz und gar nicht sicher, ob diese ganze Sache eine gute Idee war, aber was konnte er schon tun? Als Mulder vor einigen Tagen zu ihnen gekommen war und von ungewöhnlichen Aktivitäten im Cheyenne Mountain erzählt hatte, über die er von einem angeblich zuverlässigen Informanten unterrichtet worden war, hatten sie alle drei gewusst, dass nichts und niemand ihn davon abhalten würde, in die gesicherte Station der Airforce, die sich in diesem Berg befand, einzudringen, und es war ihnen sicherer erschienen Mulder zu helfen, indem sie ihm eine neue Identität und einige Zugangscodes beschafften. So stiegen die Chancen, dass ihr Freund das Unternehmen überlebte, um einige Prozentpunkte, und außerdem hatte er versprochen, bei Erfolg einen Artikel über seine Erlebnisse in der geheimen Basis für die nächste Ausgabe des „Einsamen Schützen“ zu schreiben. Also hatten sie all ihre Quellen angezapft und aus Special Agent Fox Mulder einen hochrangigen Mitarbeiter des Pentagon gemacht, dessen Geheimhaltungsstufe hoch genug war, in eine Hochsicherheitsanlage der Airforce zu gelangen. Nun konnten sie nichts mehr tun außer zu hoffen, dass alles gut ging, und die ganze Angelegenheit vor Scully geheimzuhalten, was in Anbetracht der engen Beziehung zwischen den Agenten nicht einfach werden würde. Byers hatte schon gemutmaßt, dass Scully misstrauisch werden würde, wenn Mulder mal zwei Nächte hintereinander nicht anrief und sie weckte. Natürlich hatte er sich gehütet, das vor Frohike zu äußern, denn jeder von ihnen wusste, dass dieser nur zu gern diesen Part übernommen hätte.
Während seine drei Freunde sich ihre eigenen Gedanken machten verließ Mulder endlich den Schutz der Bäume und begab sich auf die Straße, die direkt zum Eingang des Berges führte, in dem er Antworten zu finden hoffte. Er vertraute den Gunmen, dass sie die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten, und die Leichtigkeit, mit der er die Wachposten am Tor passierte, schien ihm recht zu geben. Seine Ausrede, sein neuer Fahrer habe nicht die nötige Sicherheitsstufe, um ihn den Rest des Weges zu fahren und er habe nicht auf einen anderen warten wollen, hatte man ihm ohne weiteres abgenommen; offenbar passierte so etwas nicht zum ersten Mal.
Er wurde zu einem Lift geführt, wo ihn der Wachposten allein lassen musste, da er sich nicht zu weit vom Eingang entfernen durfte, und nachdem er versichert hatte, dass er bestimmt allein den Weg zu General Hammond – wer das auch immer sein mochte – finden würde, wurde auch kein Begleiter für ihn gesucht. Offenbar war es von Vorteil, Major Carter zu kennen. Das war eine seiner Tarnungen für Notfälle gewesen, und wenn er auch nicht wusste, wer diese Major Carter war, so hatte die Erwähnung ihres Namens ihm doch geholfen, dieses Hindernis zu überwinden. Langley hatte herausgefunden, dass sie im Pentagon gearbeitet hatte, und einen Bekannten auf einer Base zu haben war immer gut, wie sich hier nur einmal mehr zeigte. Innerlich bedankte sich Mulder bei der ihm unbekannten Frau, als er in den Lift stieg und auf gut Glück den Knopf für das unterste Level drückte. Seiner Erfahrung nach waren dort die wirklichen Geheimnisse eines Stützpunktes untergebracht, und es gab keinen Grund anzunehmen, dass es hier anders sein sollte.
Er war noch keine drei Etagen tiefer gefahren, als sich die Tür des Aufzugs öffnete und ein Mann einstieg. Er nickte Mulder knapp zu, als grüße er automatisch jemanden, den er sich nicht genauer angesehen hatte, aber dann hob er den Kopf und sah sein Gegenüber genauer an. Mulder versuchte so auszusehen, als gehöre er hierher. Dieser Soldat mit dem angegrauten Haar konnte schließlich nicht jeden Menschen auf dem Stützpunkt kennen; dazu war dieser viel zu groß. Anscheinend spielte Mulder jedoch nicht überzeugend genug, denn anstatt den Kopf wieder zu senken erkundigte sich der Mann in einem neutralen Tonfall: „Kenne ich Sie?“
„Ich wüsste nicht woher.“, entgegnete Mulder, der sich sehr wohl bewusst war, dass er jetzt genau nach Plan spielen musste, wollte er nicht entdeckt werden.
„Ich nehme nicht an, dass Sie allzu oft aus Ihrem Berg heraus und ins Pentagon kommen.“
„Nicht, wenn es sich vermeiden lässt.“, erwiderte der Mann. „Die Luft dort stinkt mir zu sehr nach Schleimern.“
Oh, wunderbar; hier hatte er gleich seine erste Herausforderung: Einen Bürokratenhasser. Und ausgerechnet er, der sich selbst zu diesen Menschen zählte, sollte nun einem Airforcemann vorspielen, sein eigener schlimmster Feind zu sein. Wie reagiert man auf so eine Beleidigung? Ach, ich mach’s einfach wie Kersh..., legte sich der Agent seine Strategie zurecht.
„Das mögen Sie so sehen, Mr...“
„O’Neill, Colonel O’Neill“, unterbrach ihn der Mann steif.
„Colonel, aber wenn es uns nicht gäbe, hätten Sie bestimmt kein so hohes Budget. Und damit das so bleibt, gibt es meinesgleichen, die dafür sorgen, dass auch wirklich die Leute was vom Kuchen abbekommen, die effektiv arbeiten.“
„Soll das schon wieder so eine Inspektion werden?“ Der Ton des Colonels wurde gereizt. „Langsam habe ich die Nase voll von euch; ihr rennt hier herum und steht im Weg, und wenn’s hart auf hart kommt, vermasselt ihr alles. Ich bringe Sie am besten zum General, damit Sie sich auf dem Weg nicht verlaufen.“ Das hatte Mulder gerade noch gefehlt; wie sollte er sich umsehen oder auch nur seine Tarnung aufrecht erhalten, wenn er wirklich dem General gegenüberstand?
„Ich... Ich würde mich lieber zuerst allein hier umsehen; das ist wesentlich aufschlussreicher als eine Führung.“ Wenn er darauf hereinfällt, dann ist er wirklich...
Mulder kam nicht mehr dazu, seinen nicht besonders freundlichen Gedanken zu Ende zu bringen, denn in dem Moment, in dem der Colonel einen Etagenknopf drückte, kam der Lift zu einem plötzlichen Halt, bei dem beide Männer um ihr Gleichgewicht zu kämpfen hatten. „Verdammt, nicht schon wieder.“, knurrte der Colonel und drückte auf den Knopf für die Sprechanlage. „Simmons, was zum Teufel ist da schon wieder los?“, erkundigte er sich scharf, und eine verzerrte Männerstimme, die nichtsdestotrotz eindeutig eingeschüchtert wirkte, antwortete: „Tut mir leid, Sir, ich weiß es auch nicht. Major Carter hat einen neuen Naquada- Reaktor getestet, und plötzlich waren alle Aufzüge blockiert. Soweit ich das sehe, hängen Sie irgendwo zwischen der 5. und der 6. Ebene fest. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange es dauern wird, bis der Strom wieder da ist.“
„Dann schaffen Sie mir Major Carter her, verdammt nochmal!“ O’Neill wurde zunehmend ungeduldiger, denn sein Instinkt sagte ihm, dass mit diesem Mann neben ihm etwas nicht stimmte. Er war nicht arrogant genug für einen Spitzel des Pentagon, und O’Neill wollte verdammt sein, wenn er nicht herausfand, wer der Kerl wirklich war. Nur würde das schwer zu bewerkstelligen sein, wenn sie zusammen in einem Lift feststeckten. Es sei denn, er wendete eine seiner Black- Ops- Techniken an, aber das könnte einigermaßen peinlich werden, sollte sich am Ende herausstellen, dass der Mann doch für das Pentagon arbeitete.
Eine neue Stimme aus dem Lautsprecher erforderte seine Aufmerksamkeit: „Colonel? Es tut mir leid, ich hatte nicht damit gerechnet, dass der Testlauf alles außer Kraft setzen würde; es läuft gerade noch die Notstromversorgung. Hätte ich das gewusst...“
„Schon gut, Carter. Bringen Sie nur diesen verdammten Fahrstuhl wieder zum Laufen; wir unterhalten uns dann, wenn ich hier raus bin.“
„Ja, Sir.“ Trotz der Verzerrungen war ein Hauch von Lachen in der weiblichen Stimme zu hören, und Mulder fragte sich, was das zu bedeuten hatte. War diese Frau – offenbar seine „Bekannte“ aus dem Pentagon – amüsiert über die Tatsache, dass ihr Vorgesetzter im Fahrstuhl feststeckte, oder war es einfach Teil eines Spiels, das diese beiden spielten? Anscheinend letzteres, denn als die Verbindung unterbrochen wurde, drehte sich der Colonel zu Mulder um und sagte mit einem Hauch von Stolz in der Stimme: „Das ist typisch Sam; es vergeht kein Monat, in dem sie nicht etwas Großes erfindet und auf dem Weg dorthin die halbe Basis lahmlegt. Ich wette, in ein paar Minuten hat sie den Fehler gefunden und wir sind hier raus.“
Als trainierter Agent sah Mulder sofort die Möglichkeit, den Colonel davon abzuhalten, weitere unangenehme Fragen zu stellen, und er hakte nach: „Sind Sie sicher, dass das so schnell geht? Dieser Simmons hat doch gesagt, die ganze Stromversorgung sei lahmgelegt.“
O’Neill warf ihm einen ungnädigen Blick zu. „Natürlich bin ich sicher. Sam Carter ist mit Sicherheit die einzige, die das hier wieder in den Griff bekommt. Und wenn es etwas länger dauert, dann hätte jemand anderer garantiert noch länger gebraucht.“
Mulder war sich nun sicher, dass er sein Gegenüber am Haken hatte. „Sie halten ziemlich viel von ihr, was?“
„Natürlich tue ich das. Sie ist ein guter Soldat und eine brillante Wissenschaftlerin. Man kann sich auf sie verlassen, egal was passiert.“
„So eine Frau kenne ich auch...“ Mulder beschloss, nicht zu erwähnen, dass er laut seiner Tarnung die Frau kannte, von der O’Neill so sehr schwärmte, denn er ahnte schon, dass das unangenehme Folgen haben würde. Schließlich wäre er auch nicht begeistert, wenn jemand aus Scullys Vergangenheit bei ihm auftauchen würde. Statt dessen würde er das Thema einfach auf unverfängliche Weise weiterverfolgen, und was eignete sich da besser als ein Gespräch unter Männern? Natürlich musste er dazu auch etwas beisteuern, und genau das gedachte er zu tun.
„So? Ich dachte nicht, dass es im Pentagon solche Leute gibt.“
Wunderbar; jetzt hättest du dich fast verraten. Aufpassen, Mulder!
„Ich kenne sie auch nicht aus dem Pentagon; sie arbeitet beim Geheimdienst.“ Fast die Wahrheit; unsere Arbeit grenzt schon hart an die des Geheimdienstes; ganz abgesehen davon, wie oft wir gegen ihn arbeiten...
„Und?“
„Sie ist Physikerin. Aber wenn sie im Außendienst tätig ist, würde ich ihr nicht in die Quere kommen wollen.“
„Carter ist auch Physikerin; Astrophysik. Sagen Sie, seit wann sind Sie eigentlich beim Pentagon?“
Kann er das Thema nicht mal fallen lassen?
„Seit sieben Jahren.“
„Dann könnten Sie Carter noch kennen. Sie hat dort mal gearbeitet.“
„Und ich dachte, Sie halten nichts von unseren Leuten.“
„Sie ist anders. Aber vielleicht wissen Sie das ja selber?“ Die Stimme des Colonels hatte einen winzigen bedrohlichen Unterton angenommen, der einem weniger aufmerksamen Beobachter nicht aufgefallen wäre. Mulder dagegen entging er nicht, und ihm war klar, dass er jetzt lieber nichts falsches sagen sollte. Wie sollte er da nur am besten wieder rauskommen?
„Na ja, ich bin ihr vermutlich ein paarmal begegnet, aber ich sehe sie nicht vor mir. Schlechtes Personengedächtnis. Könnten Sie sie mir kurz beschreiben?“
„Okay. Sie ist zierlich, blond, kurze Haare, große blaue Augen, und eigentlich lächelt sie immer.“
Mulder bemühte sich um einen neutralen Tonfall. „Ach ja, genau. Ich erinnere mich. Samantha Carter. Captain der Airforce, nicht wahr?“
„Major. Sie ist inzwischen befördert worden. Wann sind Sie ihr begegnet?“
„Daran erinnere ich mich nicht mehr. Es muss wohl auf einer der großen Veranstaltungen gewesen sein, oder bei irgendeiner Konferenz. Wenn ich mich richtig entsinne, habe ich sie sogar mehrmals getroffen.“
O’Neills Gesicht wurde finster, und Mulder beschloss, ihn schnell ein wenig zu beruhigen. „Nicht, dass ich jemals mit ihr ausgegangen wäre; daran würde ich mich sicher erinnern.“
Schon in dem Moment, als die Worte heraus waren, wusste Mulder, dass er einen schweren Fehler gemacht hatte. O’Neill schien sich innerhalb von einer Sekunde von einem friedlichen, wenn auch misstrauischen Colonel der Airforce in einen Psychopaten zu verwandeln, und Mulder wünschte sich plötzlich, irgendwo in Deckung gehen zu können, was in dem engen Lift natürlich unmöglich war. „Was wollen Sie damit sagen?“, knurrte der Colonel, und Mulders Gehirn rotierte auf der Suche nach einem Ausweg aus seiner Lage.
„Na ja, ich meine, dass ich mich sicher erinnern könnte, wenn ich jemals den Mut gehabt hätte, eine Frau wie sie um ein Date zu bitten.“
Puh, anscheinend war das gar nicht mal so schlecht...
O’Neill nickte. „Geht mir genauso.“, gab er einigermaßen versöhnt zu. „Sie ist irgendwie zu gut, um wahr zu sein.“
„Dann sollten Sie sie erst recht fragen, bevor jemand anderer Ihnen zuvorkommt.“ In seinem Kopf hörte Mulder die spöttische Stimme seiner Partnerin: Mulder, wann hatten Sie das letzte Mal ein Date? Er versuchte, sie zu ignorieren, denn allein der Gedanke an ihre Stimme weckte eine ganz und gar unprofessionelle Sehnsucht in ihm.
„Wie meinen Sie das?“ Wieder war Misstrauen in der Stimme des Colonels zu hören, und Mulder beeilte sich, seine Worte zu erklären: „Allein Ihre Reaktion darauf, dass ich sie kenne zeigt doch, dass Sie etwas für sie empfinden, und bei einer attraktiven Frau wie sie es ist sind Sie mit Sicherheit nicht der einzige, der sich für sie interessiert.“
„Woher wollen Sie wissen, was ich...“
Mulder unterbrach ihn: „Das ist offensichtlich. Sie mögen ja nicht allzu viel vom Pentagon halten, aber es gibt dort durchaus trainierte Beobachter, und ich bin zufällig einer davon. Allein der Ton, in dem sie eben mit ihr gesprochen haben, sagt alles. Also, warum bitten Sie sie nicht mal um ein Date und finden heraus, ob sie dasselbe fühlt?“
„Wenn Sie wirklich so schlau wären wüssten Sie auch, dass es gegen die Regeln ist, wenn ein CO was mit seinem untergeordneten Offizier hat.“
„Ist das alles? Wollen Sie wirklich nur was mit ihr haben? Dann haben Sie recht, und es wäre keinen Verstoß gegen die Regeln wert, aber sollte da mehr sein – und ich habe stark den Eindruck, dass da mehr ist – dann sollten Sie es sich zweimal überlegen, ob Sie die Regeln Ihrem Glück im Weg stehen lassen wollen.“ Wenn du doch nur immer so schlau gewesen wärst...
Der Colonel sah Mulder mit wachsendem Interesse an. „Und das sagt mir ausgerechnet ein Kerl aus dem Pentagon, der die Regeln erfunden hat.“
Wenn der wüsste...
„Nein, das sagt Ihnen der Kerl, mit dem zusammen Sie im Lift feststecken und der ganz genau weiß, wovon er spricht. Wir haben nämlich ziemlich ähnliche Regeln.“
„Und das ist ein Problem für Sie?“
„Allerdings. Aber das gehört nicht hierher. Sie wollen doch, dass sie Sie gern hat; dann müssen Sie ihr schon sagen, dass Sie sie mögen.“
„So einfach ist das aber nicht Selbst wenn wir mal für einen Moment die Regeln vergessen bleibt immer noch die Tatsache, dass wir Freunde sind, und das kann ich unmöglich riskieren. Wie sollte sich eine intelligente, hübsche Frau wie sie ausgerechnet in einen alten Idioten wie mich verlieben? Nein, wenn ich eine Andeutung mache verliere ich auch noch ihre Freundschaft, und das könnte ich einfach nicht.“
Sieht hier irgend jemand eine Parallele? Mulder brachte seine innere Stimme mit einen heftigen Kopfschütteln zum Schweigen und erwiderte: „Sind Sie sich da sicher? Vielleicht denkt sie dasselbe über Sie. Es soll schon Fälle gegeben haben, in denen zwei Freunde jahrelang umeinander herumgekreist sind, weil keiner den ersten Schritt machen wollte, da sie nicht die Freundschaft des anderen riskieren wollten. Am Ende kann es sogar vorkommen, dass einer von ihnen sich mit einem Ersatz für das zufriedengibt, was er glaubt, niemals haben zu können, und beide sind für den Rest ihres Lebens unglücklich.“ Ich wette, du denkst jetzt nicht an Holman und Sheila.
„Aber was, wenn wir doch nur Freunde sind? Zumindest aus ihrer Sicht?“
„Dann wird sie Ihre Gefühle verstehen und weiter Ihre Freundin bleiben, da bin ich sicher. Außerdem, wer weiß? Ich habe einmal jemanden sagen hören, dass die besten Beziehungen, diejenigen, die andauern, der Freundschaft entspringen. Es kann passieren, dass man eines Morgens aufwacht und den einstigen Freund mit ganz anderen Augen sieht, als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte. Und dann ist die Person, die man erst nur als Freund gesehen hat, auf einmal die einzige, mit der man sich vorstellen kann, den Rest seines Lebens zu verbringen.“
O’Neill schaute Mulder überrascht an als könne er nicht glauben, dass diese Worte aus dem Mund eines Bürokraten gekommen sein sollten. „Von wem ist das?“, erkundigte er sich.
„Von einer guten Freundin. Sie hat mit diesen Worten eines der tragischen Liebespaare zusammengebracht, von denen ich eben gesprochen habe. Hätte sie das nicht getan, wären die beiden heute noch unglücklich, und das wäre eine echte Tragödie.“ Er weiß ja nicht, in welchem Ausmaß...
Jack O’Neill wehrte sich dagegen es zuzugeben, aber dieser Mann aus dem Pentagon begann ihm sympathisch zu werden. Offensichtlich wusste er ganz genau, wovon er sprach, und O’Neill hätte gern gewusst, ob er mit dieser Vermutung recht hatte. „Sprechen Sie aus Erfahrung?“, erkundigte er sich, und Mulder sah so schuldbewusst aus, dass der Colonel wusste, er hatte ins Schwarze getroffen. Der Agent überlegte einen Moment lang, ob er lügen sollte, besann sich dann aber eines besseren. Gerade hatte er das Vertrauen seines Gegenübers gewonnen, und er konnte es sich nicht erlauben, diese kleine Sicherheit wieder zu verspielen. Also entschloss er sich, die Wahrheit zu sagen. „Könnte man so sagen, ja.“
„Und? Ich meine, wie ist es ausgegangen?“ Mulder versuchte krampfhaft, nicht daran zu denken, wie sich Scullys Lippen bei dieser Frage zu einem leichten Lächeln verziehen würden, und schon gar nicht daran, wie sich diese Lippen auf seinen anfühlten. Keine Ablenkung jetzt, dies ist eine Situation, in der es leicht um Leben und Tod gehen könnte.
„Ich habe gerade noch mal die Kurve gekriegt. Es stand schon ein anderer in den Startlöchern als mir endlich klarwurde, dass ich sie verlieren werde, wenn ich ihr nicht die Wahrheit sage. Sie hätte sich fast einen Ersatz gesucht.“
„Wäre es indiskret, wenn ich Sie nach den Details frage? Ich könnte ein paar Ideen brauchen.“
„Es wäre indiskret, und ich glaube auch nicht, dass meine Geschichte Ihnen bei Ihrem Problem weiterhelfen wird, da sich die beiden betreffenden Frauen nicht ähnlich sein dürften.“ Mulder sah die Enttäuschung in den Augen des anderen und fuhr fort: „Aber ich werde es Ihnen trotzdem erzählen, und wenn es allein deshalb ist, dass ich nicht genug davon bekommen kann, von ihr zu sprechen.“, gab er zu und begann, dem ihm eigentlich vollkommen fremden Mann zu erzählen, wie Scully von einem Fremden immer wieder anonym Rosen und Karten bekommen hatte, bis sie schließlich einen Hinweis auf den Spender fand und sich mit dem Unbekannten treffen wollte. Mulder war zuerst nur eifersüchtig gewesen, aber als das Treffen immer näher rückte war ihm klargeworden, dass er dieses Mal nicht so viel Glück haben musste wie früher, wenn jemand mit Scully ausgegangen war. Womöglich traf sie dieses Mal den Mann, der sie ihm, Mulder, wegnehmen würde, ohne dass sie jemals ahnte, wie sehr er sie liebte. Also hatte er seine Beziehungen spielen lassen und den Rosenkavalier eine halbe Stunde vor dem geplanten Treffen durch einen Cop, der ihm noch einen Gefallen schuldete, vorläufig festnehmen lassen, um dann selbst zum vereinbarten Treffpunkt zu gehen. Er hatte es nicht über sich gebracht Scully zu sagen, was er seinen Rivalen angetan hatte, aber er hatte sie auch nicht angelogen und behauptet, dass die Rosen von ihm seien. Statt dessen hatte er sie um ein Date gebeten, und die Tatsache, dass sie ohne zu zögern oder einen weiteren Gedanken an ihre eigentliche Verabredung mit ihm gekommen war, ließ ihn mutig genug werden, noch an diesem Abend den entscheidenden Schritt zu tun. Als Scully einige Tage später nicht ganz zufällig erfahren hatte, was mit ihrer ursprünglichen Verabredung geschehen war, war sie viel zu glücklich, als dass sie Mulder noch ernstlich hätte böse sein können.
Als Mulder geendet hatte, lachte der Colonel Tränen. Er konnte es nicht glauben, was dieser Bürokrat alles auf sich genommen hatte, um die Frau seiner Träume für sich zu gewinnen. Ausgerechnet ein Mann aus dem Pentagon, wo die meisten unsinnigen Regeln erfunden wurden, ließ seinen Widersacher festnehmen; das konnte doch wirklich nicht wahr sein.
„Und sie war niemals wütend darüber?“, wollte er wissen.
„Nein, glücklicherweise nicht. Das wäre mir sicher nicht besonders gut bekommen. Anfangs habe ich ja noch gefürchtet, dass sie nochmal darauf zu sprechen kommt, aber inzwischen sind wir seit fast sechs Monaten zusammen, und sie hat noch nichts gesagt, also glaube ich, ich bin aus dem Schneider.“
„Sechs Monate wären auch ein bisschen lang, nur um Sie in Sicherheit zu wiegen.“ Er zögerte einen Moment lang, bevor er weitersprach: „Haben Sie es jemals bereut?“
„Nur, dass ich nicht schon viel früher den Mut hatte, es ihr zu sagen. Sie hatte es nicht verdient, so lange zu warten.“
„Vielleicht. Ich habe zwar keinen Polizisten zur Verfügung, und wenn ich herausfinden sollte, dass jemand ihr anonym Rosen in den Berg schickt, müsste ich ihn selbst verhaften, aber vielleicht sollte ich doch mal versuchen herauszufinden, was sie denkt...“
Weiter kam er nicht, denn mit einem Ruck fiel der Lift ein Stück in die Tiefe, bevor er sich fing und langsam wieder aufwärts fuhr. Zwar nicht die Richtung, in die sie ursprünglich gewollt hatten, aber die beiden Männer dachten ganz und gar nicht daran, sich zu beschweren.
„Sehen Sie,“ triumphierte O’Neill mit einem stolzen Grinsen, „ich hab Ihnen doch gesagt, dass sie es schafft.“ In dem Moment ging die Tür auf, und sie sahen sich einigen besorgten Gesichtern gegenüber. Eines davon war von kurzem, blonden Haar umrahmt und trug ein entschuldigendes Lächeln. „Sir, sind Sie in Ordnung? Ich hatte mir schon Sorgen gemacht...“
Der Colonel unterbrach die besorgte Frau: „Schon gut, Carter. Wir leben ja noch, und außerdem... wenn Sie endlich diesen verdammten Reaktor fertig gebaut haben, könnte ich Ihnen vielleicht sogar verzeihen.“ Carters Lächeln wuchs in die Breite. „Ja, Sir.“ sagte sie mit gespielter Förmlichkeit, und O’Neill trat zur Seite, um sie einen Blick auf ihren alten Bekannten werfen zu lassen, den er nach ihrem Gespräch nicht mehr für einen Rivalen hielt. „Sehen Sie mal, wen ich Ihnen mitgebracht habe. Alter Freund aus dem Pentagon, huh?“
Samantha Carters blaue Augen fixierten Mulder einen Moment intensiv, dann schüttelte sie den Kopf. „Tut mir leid, Sir, aber ich weiß nicht, was Sie meinen. Ich habe diesen Mann noch nie gesehen.“ O’Neill runzelte die Stirn. „Sind Sie ganz sicher?“
Sie musterte Mulder noch einmal genau, bevor sie antwortete: „Absolut sicher. Ich würde mich garantiert an ihn erinnern, wenn ich ihn schon mal gesehen hätte.“ Sie verschwieg, dass sie nur deshalb so sicher war, weil die Augen des Mannes sie auf eine sonderbare Weise an die des Colonels erinnerten.
„Wenn das so ist...“ O’Neill wandte sich an Mulder. Dieser glaubte, in seinen Augen etwas wie Bedauern zu erkennen. „Ich muss Sie bitten, mitzukommen und mir keinen Ärger zu machen... Ich hatte es geahnt, aber glauben Sie mir, ich habe wirklich gehofft, mich zu irren.“, fügte er noch leise hinzu, bevor er Mulder am Arm fasste und aus dem Raum führte.

**********

*„Zum letzten Mal, Jungs: Wenn einer von euch weiß, wo Mulder steckt, dann raus mit der Sprache!“
Frohike, Langley und Byers sahen sich betreten an. Zwar hatten sie damit gerechnet, sich früher oder später Scullys Zorn stellen zu müssen, wenn Mulder nicht rechtzeitig zurück war, aber sie hatten nicht erwartet, so schnell in diese Situation zu kommen. Um sich ein wenig Freiraum zu schaffen, hatte der Agent nämlich eine Woche Urlaub genommen, damit ihn während seines Alleingangs niemand vermisste. Es war den drei Gunmen ein Rätsel, wie Scully bereits nach sechs von sieben Tagen wissen konnte, dass Mulder etwas passiert war, wenn er doch erst am folgenden Montag zurück erwartet wurde. Allerdings traute sich keiner von ihnen, die aufgebrachte Scully nach diesem unbedeutenden Detail zu fragen, denn sie wirkte, als würde sie jeden erschießen – oder noch schlimmeres – der nicht genau das tat, was sie verlangte.
„Äh, Agent Scully...“ Wie immer war es Byers, der sich ein Herz fasste. Er hatte seine beiden Freunde schon mehr als einmal mit Hilfe seines Fingerspitzengefühls vor Scullys Zorn gerettet, und sie waren ihm ehrlich dankbar, dass er auch dieses Mal wieder das Wort ergriff: „Mulder verfolgt eine Spur.“
„Das dachte ich mir bereits, als er sich heute nicht gemeldet hat und mich über eine Stunde in diesem verdammten Restaurant warten ließ.“ Frohike verkniff sich die Frage, was Mulder und Scully während seines Urlaubes zusammen in einem Restaurant wollten, auch wenn ihn die Neugier schier umbrachte. Aber er sagte sich, dass er, wenn er den Mund hielt, vielleicht lange genug leben würde, um es selbst herauszufinden.
„Was mich nun wirklich brennend interessieren würde ist, um was für eine Spur es sich handelt und was ihr damit zu tun habt.“
„Na gut. Aber ich glaube, es wäre besser, wenn Sie sich zuerst setzen.“
Langley und Frohike unterstützten Byers‘ Erzählung mit zustimmendem Nicken, besonders die Stelle, an der er erwähnte, dass sie versucht hatten, Mulder von seinem Vorhaben abzubringen. Scheinbar waren sie jedoch nicht wirklich überzeugend, denn kaum hatte Byers geendet, als Scully zornig aufsprang.
„Ihr habt Mulder für einen Artikel in eurer schmierigen Zeitung in die Höhle des Löwen gehen lassen?“, rief sie aufgebracht. „Ich kann es einfach nicht glauben. Warum habt ihr ihn nicht davon abgehalten, wenn ihr wusstet, wie verdammt gefährlich es ist?“ Scully wusste selbst, dass sie ungerecht war. Schließlich hatte sie selbst mehr als einmal erfahren, wie unmöglich es war, Mulder von etwas abzuhalten, was er wirklich wollte, aber sie machte sich Sorgen um ihn und musste diese irgendwie artikulieren. Da kamen ihr die Gunmen gerade recht; immerhin hätten sie ihr ja früher sagen können, auf welchen Abwegen sich Mulder nun wieder befand.
„Ich bin sicher, dass er in Ordnung ist.“, versuchte nun Langley, die aufgebrachte Agentin zu beruhigen. „Wahrscheinlich hat er irgendeine heiße Spur gefunden, der er sofort nachgehen wollte, und hat darüber vergessen, sich bei Ihnen zu melden.“
„Das glaube ich nicht.“ Scullys Stimme klang längst nicht mehr so wütend; ihre Besorgnis war deutlich zu hören. „Diese Verabredung hätte Mulder nicht vergessen. Es war...“ Sie zögerte einen Moment und entschloss sich denn, den drei Männern zu vertrauen. „Wir wollten gestern Abend unser sechsmonatiges Jubiläum feiern.“
Ihre Worte hatten eine ähnliche Wirkung, als sei der Zentralrechner auf dem Schreibtisch explodiert. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, und es dauerte eine ganze Weile, bis Frohike seine Sprache wiederfand.
„Dieser Mistkerl!“, schrie er dann. „Ich hab ihm noch vor zwei Wochen meinen ganzen schönen Plan dargelegt, wie ich an Sie rankomme, und dabei wusste er die ganze Zeit...“ Die Empörung verschlug dem kleinen Mann die Sprache aufs neue, und Byers nutzte die Gelegenheit, ihn zur Seite zu ziehen, um ihn zu beruhigen. Langley sah Scully an.
„Sie haben recht, es ist sehr unwahrscheinlich, dass er das vergessen hätte, so sehr, wie er in Sie verliebt ist. Er hatte sogar eine Überraschung für Sie, aber...“
„Du hast es auch gewusst?“ Frohike machte sich aus Byers‘ Griff los und kam auf Langley zu. „Wie schön, dass ich es jetzt schon erfahre!“
„Beruhige dich. Ich hab es nur gewusst, weil ich Mulder geholfen habe, die Überraschung vorzubereiten. Ansonsten ist es geheim.“
„Außerdem,“ mischte sich Byers ein, „haben wir jetzt wirklich andere Sorgen. Einen so wichtigen Termin würde Mulder niemals vergessen, also ist höchstwahrscheinlich etwas schiefgegangen. Und sollte das der Fall sein, müssen wir ihn schleunigst da rausholen. Wer weiß, was das Militär mit Leuten anstellt, die sie in ihrer Hochsicherheitsbasis erwischt haben.“
Scully, der die Methoden des Militärs seit frühester Kindheit vertraut waren, schauderte bei diesem Gedanken, und sie wandte sich an Byers: „Ich muss alles wissen, was ihr ihm gesagt habt und was er selbst wusste und vorhatte. Vermutlich ist er auf dem Stützpunkt unter Arrest. Ich muss ihn da rausholen, bevor die auf die Idee kommen, ihn zu liquidieren.“
„Aber das ist viel zu gefährlich.“, protestierte Langley, doch Scully brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen. „Was sollen wir denn sonst machen? Herumsitzen und warten, bis sie ihn umbringen?“, fragte sie scharf, und die Männer schüttelten die Köpfe. „Sie haben recht. Jemand muss ihn da rausholen, aber zuerst müssen wir mal herausfinden, ob er überhaupt drin ist. Am besten, wir setzen uns mit seinem Informanten in Verbindung.“ Er unterbrach Scully, die zum Protest ansetzen wollte, mit einer Handbewegung. „Vergessen Sie’s. Der Mann wird nicht mit Ihnen reden. Das müssen Sie schon uns überlassen. Frohike, du übernimmst das. Byers, du kriegst so viel wie möglich über die Leute auf der Basis raus, damit wir im Notfall wissen, mit wem wir es zu tun haben und eventuelle Schwachstellen finden können. Und wir“, er wandte sich wieder Scully zu, „wir schauen mal nach, was die einschlägigen Quellen noch so alles über den Cheyenne Mountain zu sagen haben.“
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