Deep is the Ocean by Spooky
LesenswertSummary: Wenn eine Legende aus den Tiefen des Meeres erwacht und den Menschen das Wichtigste raubt, bleibt nur eine Frage: Wie kann man sie aufhalten?
Categories: Romance > Mulder/Scully Characters: Fox Mulder, Dana Scully
Award-Winner: Keine
Sprache: Deutsch
Tags: Angst, General, Mystery, Romance
Challenges:
Series: Keine
Chapters: 2 Completed: Ja Word count: 13129 Read: 7011 Published: 10 Mar 2012 Updated: 10 Mar 2012
Story Notes:
Bemerkung: Das ist meine erste Story seit langem wieder! Schickt mir doch mal Feedback, wie sie war!

1. Kapitel 1 by Spooky

2. Kapitel 2 by Spooky

Kapitel 1 by Spooky
Als das Schiff den Hafen verlies und an der Mole vorbei glitt, teilte es die Nebelschwaden, die noch über dem Meer schwebten und tauchte ein in eine alles umhüllendes Nichts. Die kreischenden Möwen empfingen das Boot und das Signalhorn ertönte zum Zeichen der Ausfahrt.



"Der Nebel wird bald verschwunden sein, Miss. In ein paar Minuten wird die Sonne aufgehen." Der alte Matrose grüßte freundlich und deutete auf den Horizont, der zunehmend in der Ferne klarer wurde, weil der Nebel vom Meer emporstieg. "Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt auf Martha’s Vineyard. Genießen Sie den Sonnenaufgang. Zu dieser Jahreszeit ist er wunderschön."

Scully lächelte und der ältere Mann lies sie wieder mit ihren Gedanken allein.

Noch vor einigen Stunden hätte sie ihren Partner am liebsten erwürgt, als er sie mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt hatte, um sie auf diesen Trip zu schicken. Aber jetzt in diesem Moment war sie Mulder sogar ein kleines bisschen dankbar, denn mit etwas Glück würde sie in wenigen Minuten einen wunderschönen Sonnenaufgang über dem Meer miterleben dürfen. Und Scully konnte sich schon gar nicht mehr genau daran erinnern, wann sie zum letzten Mal die Chance dazu gehabt hatte. In Momenten wie diesem, wurde ihr klar, wie sehr sie das Meer liebte und vermisste in ihrem Leben, in dieser Stadt in der sich alles nur um Macht, das große Geld und Politik drehte. In diesen Momenten konnte sie sogar verstehen, was ihren Vater wieder und wieder hinaus aufs Meer gezogen hatte. Die Wellen des Meeres klatschten leise an den Rumpf des Schiffes und Scullys Blick glitt erneut heraus auf den Horizont. Es war, als würde die Welt aufhören zu atmen, als sich die Sonne blutfarben aus dem Meer erhob, den Horizont in das tiefste Rot verfärbte, das sie jemals gesehen hatte und langsam emporstieg.



"Na, hatte ich es Ihnen nicht versprochen?" Der ältere Matrose wickelte ein dickes Anlegetau um einen Poller und Scully kam nicht herum ihn erneut anzulächeln. Normalerweise mochte sie es gar nicht, von wildfremden Menschen einfach angesprochen zu werden, aber dieser ältere Herr war ihr sofort sympathisch.



"Ja, es war wirklich atemberaubend. Sie können sich glücklich schätzen, dass jeden Tag miterleben zu dürfen."

"Manche Menschen denken, dass man sich daran gewöhnen würde, aber so ist es nicht. Es ist noch immer für mich das ehrfürchtigste Erlebnis meines Lebens und ich bin sehr froh, es jeden Tag neu sehen zu dürfen, Miss."

"Ich denke, Sie haben einen beneidenswerten Job." Scully lächelte und der alte Mann bot ihr ein Halsbonbon an.

"Danke."

"Die hat meine Frau selber gemacht. Das Rezept ist schon uralt." Scully ließ es in ihren Mund gleiten und nahm den wohligen Geschmack auf ihrer Zunge wahr.

"Sagen Sie ihrer Frau, dass sie fantastisch schmecken."

"Sind Sie das erste Mal auf Martha’s Vineyard?", fragte der Matrose vorsichtig und Scully nickte.

"Ja, das bin ich."

"Sie werden es lieben. Um diese Jahreszeit sind die Touristen verschwunden und die Insel zeigt sich von ihrer schönsten Seite. Eigentlich sollten die Menschen immer erst im Herbst kommen, um ihre ganze Schönheit zu entdecken, aber dann würden wir auf der anderen Seite gar keine Ruhe mehr vor ihnen haben." Er zwinkerte und Scully musste über seine Offenheit lachen.

"Oh, entschuldigen Sie, Miss. Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten.", versuchte er zu erklären, aber Scully winkte freundlich ab.

"Keine Sorge. Ich bin keiner dieser Touristen. Ich bin eher beruflich hier. – Wie lange wird die Überfahrt noch dauern?"

"Ungefähr eine halbe Stunde. Schauen Sie immer gerade aus, dann können Sie bald die Küste entdecken!" Der alte Matrose lies sie wieder allein und widmete sich seiner Arbeit.

Scully war neugierig, mit was für einem Fall Mulder wohl dort auf Martha’s Vineyard auf sie warten würde. Es musste schon gewissermaßen wichtig sein, denn sie wusste genau, dass ihr Partner für gewöhnlich einen großen Bogen, um das Zuhause seiner Kindheit machte und nicht gerade freiwillig dorthin fuhr. Dieser Fall musste also reizvoll genug für ihn gewesen sein, um seinen Abneigungen zu überwinden und sich seinen Erinnerungen und Alpträumen zu stellen.

Was auch immer sie dort erwarten würde, bislang hatte Scully nur eine Adresse und war gespannt einen kleinen Einblick auf die Insel zu werfen, auf der Mulder aufgewachsen war.



Scully lächelte. Ihre Familie hatte immer betont, dass Insulaner sehr eigenbrötlerische und sture Menschen seien und auf ihren Onkel Vinnie und ihren Partner Fox Mulder traf dies auch mit Sicherheit zu. Aber nach diesem Treffen mit diesem freundlichen Matrosen, war Scully geneigt dieses Vorurteil noch einmal zu überdenken.

Die Sunflower glitt langsam und bedächtig der Insel entgegen und ehe Scully es richtig bemerkte, konnte sie in der Ferne Land ausmachen. Kleine rote und weiße Holzhäuser säumten vereinzelt die Küste und je näher sie Vineyard Haven kamen, desto mehr konnte Scully von diesem kleinen Fischerdorf ausmachen, das sich malerisch in die Bucht schmiegte. Nachdem die Sunflower angelegt hatte, musste Scully feststellen, dass tatsächlich nur ein paar vereinzelte Menschen noch mit ihr auf der Fähre gewesen waren und sie suchte nach dem älteren Matrosen mit ihren Augen, um sich von dem freundlichen Mann zu verabschieden.

"So, da sind wir. Ich wünsche Ihnen einen schönen Aufenthalt, Miss."

"Danke, danke, das ist sehr freundlich von Ihnen. Können Sie mir verraten, wo ich hier ein Taxi bekomme?"

"Holt Sie denn niemand ab?"

"Ehm, nein. Ich habe eine Adresse, wo ich meinen Partner treffen soll."

"Na ja. Gut. Gehen Sie herüber zur Post zu Hetti. Sie kann Ihnen ein Taxi rufen. Es gibt nur eins für die ganze Insel, aber ich bin sicher, Sie haben Glück, denn jetzt sind ja gerade nicht so viele Touristen hier." Scully verabschiedete sich von dem freundlichen Matrosen, nahm ihren Seesack und verließ das Schiff.

>Nur ein Taxi für die ganze verdammte Insel? Hätte Mulder sie nicht genauso gut abholen können? Hauptsache, das ging schneller, als sie es befürchtet>

Das Schild der Post war leicht auszumachen und Scully betrat das alte Holzgebäude, in dem es sage und schreibe nur einen Schalter gab und an diesem stand die gesamte Inselbevölkerung wohl an. Scully verdrehte ihre Augen und griff nach ihrem Handy. >Mulder sollte sie gefälligst aus diesem Kaff abholen und sie zu ihrem Motel bringen, wenn er sie schon herzitiert hatte.>



"Der gewünschte Teilnehmer ist leider gerade nicht zu erreichen. Bitte versuchen sie es später erneut"



Ganz prima. Sie fügte sich in ihr Schicksal, verfluchte ihren Partner und stellte sich an, um dreißig Minuten später dann auch endlich an die Reihe zu kommen. Eines hatte sie in dieser Zeit bereits über die Insel gelernt. Ihre Bewohner hatte die Ruhe weg und arbeiteten nicht schneller, als nötig. Endlich war sie an der Reihe.

"Guten Morgen, Miss. Womit kann ich Ihnen helfen?", Scully lächelte zufrieden. Wenigstens waren sie hier freundlich.

"Ja, ich brauche ein Taxi und der Mann auf der Sunflower hat mir gesagt, ich sollte mich damit an Sie wenden."

"Oh, der alte Greg wahrscheinlich. Das war nett von ihm, aber ich kann Ihnen leider nicht helfen."

"Wieso nicht?"

"Das Taxi von Herb Walton ist im Moment kaputt, das heißt in der Werkstatt.", erklärte Hetti.

"Und das heißt?"

"Das heißt, dass ich Ihnen kein Taxi besorgen kann."

"Hören Sie. Ich brauche ein Taxi. Ich, ich bin nicht zum Spaß hier.", Scully kramte ihren Ausweis hervor und zeigte ihn der Frau hinter dem Schalter. "Ich arbeite für das FBI. Ich bin hier mit ihrem Partner und wir ermitteln in einem Fall. Er erwartet mich."

"Sie ermitteln in dem Fall der verschwundenen Kinder?" >Verschwundene Kinder? Warum um Himmels Willen wussten diese Leute hier mehr als sie?> Hetti lächelte, als sie Scullys ungläubigen Blick sah.

"Das hier ist eine Insel, mein Kind. Hier bleibt nichts lange geheim. Sie wollen zu den Mulders nicht wahr?"

"Ja, Fox Mulder. Er ist mein Partner. Er hat mir diese Adresse gegeben.", Scully holte sie aus der Tasche und zeigte sie der Frau.

"Rufen Sie ihren Partner lieber an, damit er Sie abholt, sonst müssen Sie den Bus nehmen und der fährt nur alle zwei Stunden und dann über die gesamten Dörfer." Scully versuchte es erneut über das Handy, aber am anderen Ende der Leitung erklang noch immer dieselbe Ansage.

"Wie weit ist es nach Chilmark?"

"15 Meilen. An ihrer Stelle würde ich vielleicht noch etwas warten. Vielleicht meldet sich ihr Partner ja doch noch, oder Sie nehmen dann doch den Bus. Es ist zu weit, um mit dem Gepäck zu laufen." Scully verabschiedete sich, nachdem Hetti ihr den Weg zur Bushaltestelle erklärt hatte und besorgte sich dort einen Fahrschein. Während sie wartete, schaute sie sich in der nähren Umgebung etwas um und nach einiger Zeit kam auch endlich der Bus, der aussah, als sei er ein Überbleibsel aus den Sechzigern.

Scully verfluchte sich selber, dass sie auf ihr Auto in Cape Cod verzichtet hatte, aber auf der anderen Seite war diese Busfahrt fast wie eine kleine Inseltour, dachte sie lächelnd. Die größten Attraktionen hatte sie wahrscheinlich schon gesehen. Trotz der kleineren Transportschwierigkeiten genoss Scully den Anblick der Insel und der Küste. Es war wunderschön hier. Plötzlich hielt der Bus und Scully wurde aus ihren Gedanken gerissen. Der Busfahrer sah sie durch den Rückspiegel an.

"Wir sind da, Miss. Sie müssen jetzt hier aussteigen."

"Hier?", Scully sah sich um und sah nichts außer Dünen.

"Ja. Chilmark liegt direkt hinter dieser Düne. Noch ca. 300 m zu Fuß und dann sind Sie da. Wir halten immer hier oben an der Hauptstraße.", Scully nickte und raffte ihr Gepäck zusammen.

"Können Sie mir sagen, wo ich diese Adresse finde?" Sie reichte dem Fahrer den Zettel.

"Sie wollen zu den Mulders?"

"Ja. Verraten sie mir den Weg?" Nach einer ausführlichen Wegbeschreibung stand Scully plötzlich allein im Niemandland und machte einen letzten Versuch, Mulder zu erreichen. Nach dem 20. Klingeln stopfte sie das Handy entnervt in ihre Tasche und machte sich auf dem Weg. Zwei Kilometer konnten nicht die Welt sein. Hoffentlich hatte dieser Busfahrer sich nicht vertan. Chilmark lag für einen Inselort ziemlich hügelig in den Dünen. Ein kleines Dorf mit vielen bunten Holzhäusern und einem Fischerhafen, alles schmiegte sich in eine malerische Bucht und der Anblick zauberte ein Lächeln auf Scullys Gesicht.

Die Wegbeschreibung führte Scully mitten in die Dünen, über viele kleine, nicht befestigte Straßen und Wege und sie rechnete schon fest damit, dass der Busfahrer sich einen Scherz erlaubt hatte, als sie zu ihrer Erleichterung das erste Haus sah. Haus war eigentlich schon eher untertrieben, denn es ähnelte viel mehr einem kleineren Anwesen. Auf dem Straßenschild konnte sie erkennen, dass sie wenigstens schon mal die richtige Straße gefunden hatte. >Vine Street 2790. So weit konnte es nun nicht mehr sein.>

Scully schulterte ihr Gepäck und den Rucksack erneut und folgte der Straße. Sie war gespannt, was sie erwarten würde.

Mulder hatte so gut wie nie von seiner Kindheit erzählt, aber sie wusste, dass es seinen Eltern finanziell mehr als gut gegangen sein musste. Die Wohngegend, durch die sie gerade ging, verstärkte diese Annahme. Nach weiteren zehn Minuten, erkannte Scully ein Straßenschild. "Vine Street 2790", das in einen Weg, der mit Schotter bestreut war, nach links zeigte. Sie bog in den Weg ein und nach einer weiteren Kurve fiel ihr Blick auf ein Haus, das am Ende des Weges lag. Es war wie alle anderen, an denen sie vorbeigelaufen war, aus Sandstein mit einem roten Dach und von beträchtlicher Größe. Das einstöckige Gebäude war teilweise von Efeu umrankt und schien in einer Art rechtem Winkel gebaut zu sein. Niemand, der dieses Haus sah und die Insel gesehen hatte, konnte verstehen, wie man diesen Ort freiwillig verlassen konnte, dachte Scully, doch sie wusste es besser. Vor der schweren Eingangstür stellte sie ihr Gepäck ab und klopfte. Da kein Auto zu sehen war, vermutete sie, dass Mulder unterwegs war, wegen dem Fall und nach einem Moment machte sie sich auf den Weg, um das Haus herum. >Hier war Mulder also aufgewachsen.>

Ein kleiner Weg führte außen um Gebäude herum und als Scully den Garten und die Terrasse gefunden hatte, blieb sie für einen Moment stehen und ließ den Anblick auf sich wirken. Da das Haus in den Dünen und das Meer somit unterhalb lag, hatte man vom Garten aus einen traumhaften Ausblick auf das Meer, den Scully in sich aufsog, bis eine eisige Stimme sie aus ihren Schwärmereien riss.


"Was machen Sie hier?" Scully drehte sich schnell um und blickte den älteren Herren etwas erschrocken an.

"Ich, ähm. Mein Name ist Dana Scully. Ich bin mit meinem Partner hier verabredet." Sie holte den Zettel heraus und las die Adresse vor. "Ich hoffe, ich bin hier richtig, Sir?"

Die grimmige Miene des alten Mannes verflüchtigte sich in ein freundliches Lächeln und er kam offen auf sie zu, um ihre Hand zu schütteln.

"Sie sind Ms. Scully! Fox hat gesagt, dass Sie kommen, aber er war sich nicht ganz sicher wann. Er ist unterwegs, um mit dem Sheriff zu sprechen. Bitte, kommen Sie doch herein." Schneller als Scully reagieren konnte, hatte er sich ihr Gepäck geschnappt und brachte es ins Haus.

"Hatten Sie eine gute Überfahrt, Ms. Scully?"

"Ja. Ja, sie war perfekt. Ruhiger Seegang und ein fantastischer Sonnenaufgang. Ich hatte allerdings etwas Pech mit dem Taxi, aber zum Glück war der Bus nicht auch defekt." Sie lächelte und sah sich flüchtig um. Auch von innen hielt das Haus, was es von außen versprach. Es war einladend und gemütlich.

"Ich bin Jeffrey. Fox hat mir gesagt, dass ich Ihnen schon mal ihr Zimmer zeigen soll. Haben Sie Durst oder Hunger?"

"Er hat gesagt, dass ich hier wohnen soll?"

"Ja, das waren seine Worte. Ich habe Ihnen ein schönes Zimmer oben bezogen. Wenn Sie sich etwas frisch machen möchten vielleicht. Ich könnte Ihnen in der Zeit einen kleinen Snack herrichten."

"Oh, bitte, Sie brauchen sich wegen mir keine Umstände zu machen, Mr., hmm Jeffrey. Ich schlüpfe schnell in etwas anderes, mach mich etwas frisch und wäre mit einem Mineralwasser mehr als zufrieden."

Oben angekommen stellte Jeffrey das Gepäck in das Zimmer und ließ Scully dann allein, die sich neugierig umsah. >Wow, wann immer sie Mulder vorgeworfen hatte, sie in einem Kakerlakenhotel unterzubringen, dieses Mal war das auf jeden Fall nicht der Fall.>

Sie öffnete die Tür zum Balkon, so dass eine leichte Brise hereinwehte und öffnete dann die Tür zum Bad, das mindestens genauso verlockend aussah, wie der Rest des Zimmers. Scully lies sich rücklings auf das große Bett fallen und schloss für einen Moment die Augen. Wenn dies nicht ein offizieller Auftrag wäre, könnte sie sich glatt wie im Urlaub fühlen.

Nachdem sie sich etwas ausgestreckt hatte, packte sie den Rest ihrer Sachen aus, machte sich kurz frisch und schlüpfte in ein anderes Outfit. Nachdem sie genügend Menschen unterwegs auf der Insel gesehen hatte, war ihr bewusst, dass sie auffallen würde, wie ein bunter Hund und so entschied sie sich für etwas Schlichteres. Der graue Wickelrock schmiegte sich weich an ihre Beine und das enge weiße Shirt umspielte ihre schlanken Rundungen, so dass sie alles in allem weder over- noch underdressed aussah, sondern ihre zierliche Figur einfach nur entsprechend hervorgehoben wurde. Scully hoffte bloß, dass Mulder jetzt nicht in Schlips und Armani-Anzug auftauchen würde, aber er enttäuschte sie nicht.



Gerade, als sie unten von Jeffrey das Mineralwasser bekommen und sich die Fallakten vom Tisch genommen hatte, betrat ihr Partner durch die Terrassentür das Wohnzimmer.

"Scully! Schön, dass Sie endlich da sind. Wie war die Überfahrt?" Mulder lächelte und umarmte sie, denn durch seinen Urlaub vor diesem Fall, hatten sie sich insgesamt drei Wochen nicht gesehen und er hatte Scully schrecklich vermisst.



"Die Überfahrt war wirklich perfekt, aber eigentlich hatte ich gedacht, diese Insel hätte es schon aus dem Mittelalter herausgeschafft, was das Verkehrsnetz angeht!"

"Wieso? Gab es Probleme?"

"Probleme? Wissen Sie was passiert, wenn das Inseltaxi ausfällt, Mulder?"

"Sie mussten den Bus nehmen, Scully?", entgegnete er provokant fragend.

"Ja, genau. Den Bus und der macht wohl eher eine Sightseeingtour, als eine Verbindungsfahrt.", Mulder grinste. Wenn Scully sauer war, konnte sie richtig knuffig wirken.

"Das tut mir leid. Sie hätten mich doch nur anrufen müssen. Ehrlich gesagt, hab ich sowieso damit gerechnet und ich hätte Sie sofort abgeholt!"

"Anrufen? – Mulder ich habe bestimmt 20 Mal versucht sie zu erreichen, aber ihr verdammtes Handy ist wohl aus."

Mulder zog es aus der Tasche und sah nach.

"Verdammt. Dieser miese Akku. Er ist leer, Scully. Schon wieder. Es tut mir leid. Deshalb sind Sie nicht durchgekommen." Scully lächelte schief und nippte an ihrem Wasser.

"Schon ok. So schlimm war es dann auch nicht."

"Alles soweit in Ordnung mit ihrem Zimmer?"

"Ja, ehm es ist perfekt, aber was würde eigentlich Skinner dazu sagen, Mulder?"

"Oh, der war ganz begeistert, dass er dieses Mal für eine X-Akte schon mal die Motelkosten sparen konnte und na ja, wir schlafen ja nicht im selben Zimmer. Von daher...."

"Aha," Scully räusperte sich und betrachtete die Akte. "Verraten Sie mir, warum wir hier sind, Mulder? Ist das eine X-Akte?"

"Wenn man der Bevölkerung, den betroffenen Familien und den Hinweisen, die an den Tatorten zurückgelassen wurden glaubt, dann ja. Ja, dann ist es wohl eine X-Akte, Scully."

"Und was denken Sie?", Scully sah ihn fragend an.

"Ich hatte eben ein Gespräch mit dem Sheriff. Er stellt uns alle Akten zur Verfügung, die er im Department hat und ist auch sonst sehr kooperativ."

"Sie weichen meiner Frage aus, Mulder."

"Schon gut. Kommen Sie. Wir haben noch ein Gespräch mit den Angehörigen des letzten Opfers, Scully. Ich erzähle Ihnen alles wichtige unterwegs.", Mulder winkte mit den Autoschlüsseln und Scully schmunzelte. Während sie der Küstenstraße folgten, betrachtete Scully die vorüber ziehende Landschaft und Mulder erzählte von dem Fall.

"Es ist eine sehr alte Legende hier auf der Insel, Scully. Eines Tages im Jahre 1798 verbannte man den Seefahrer William Stout, nachdem er bei einer Schlägerei im ‚Golden Bay’ zwei Kinder getötet hatte. Dieser Stout stammte hier von der Insel. Man drohte ihm an, dass er gehängt würde, wenn er jemals ein Bein wieder auf diese Insel setzte. Also versammelte er seine Mannschaft und segelte von dort an in den Gewässern vor Martha’s Vineyard und Nantucket und dem Festland hin und her und lebte von der Piraterie. Wobei er dutzende von Kaufleuten um ihr Geld brachte, Schiffe versenkte und alle ermordete, die ihm bei seinem Vorhaben im Wege standen."

Scully lächelte. Eines musste man ihrem Partner lassen. Für das Geschichtenerzählen hatte er ein Händchen.

"Also, Mulder. Wenn die Sie bei FBI mal rausschmeißen, dann sollten Sie es mal in der Bibliothek versuchen.", erklärte sie lächelnd und erhielt ein Mulderlächeln zurück.

"Danke vielmals, Scully. Ich nehm’ das mal als Kompliment. Aber wollen sie nicht wissen, wie es weiterging mit Stout?"

"Doch, natürlich. Erzählen sie weiter."

"Also eines Tages, in einer stürmischen Nacht, da lief sein Schiff in einem tosenden Sturm vor Oak Bluff auf die Felsen auf und die Mannschaft entkam nur knapp dem Tod, in dem sie sich auf den Strand retten, wo sie allerdings nicht lange unentdeckt blieben. Der Leuchtturmwärter hatte sie entdeckt und der Polizei ein Zeichen gegeben. Alle aus der Mannschaft wurden festgenommen zusammen mit Stout. Und da er wieder den Strand von Martha’s Vineyard betreten hatte, wurde der Richterspruch gegen ihn wirksam. Er und seine gesamte Mannschaft wurde zwei Tage später im Morgengrauen und im dichten Nebel an der Bucht von Oak Bluff erhängt. Jeder einzelne schön nacheinander. Sie hatten zu viel Unheil in den vergangenen Jahren seit ihrer Verbannung angerichtet, als dass man Milde walten lassen wollte. Für die Bewohner der Insel war Stout das personifizierte Böse mit einer kalten Seele. Als Stout an der Reihe war, hat er alle Anwesenden und die Insel verflucht. Er hat versprochen wiederzukommen und sich zu rächen. Als das Urteil vollstreckt war, überlies man ihre Leichen dem Meer und versenkte den Rest des Schiffes, das noch auf dem Riff lag.", Mulder machte eine Pause und sah seine Partnerin an.

"Das ist eine nette Geschichte, aber ich frage mich, was hat unser Fall damit zu tun?"

"Viel. Sehr viel sogar. Die Geschichte ist noch nicht zu ende, Scully."

"Zwei Jahre später, genau an dem Todestag von Stout, verschwand das erste Kind in der Nacht von der Insel. Entführt aus seinem Elternhaus. Es tauchte erst zwei Tage später tot wieder am Strand auf. Es trug eine Nachricht bei sich. Unterschrieben mit ‚Stout’. Ebenso befand sich dieselbe Nachricht im Hause der Eltern. Dies war seine Rache.

In den darauf folgenden Jahren verschwanden immer am Todestag von Stout, und genau sieben Tage später, wieder Kinder, die man nur noch tot wieder fand und da die Menschen sehr abergläubisch waren, entwickeltet sich ein Brauch, den man noch heute auf Martha’s Vineyard pflegt. Jedes Jahr vom 12.9 bis zum 19,9. zünden die Menschen Feuer vor ihren Häusern an. Sie dachten damals, dass dies die kalte Seele Stouts von der Insel fernhalten würde und seit damals verschwand niemals wieder ein Kind in dieser Zeit von der Insel, Scully. Nicht seit dem diese Feuer brennen."

Scully grinste. "Das ist eine gute Geschichte, aber Sie glauben doch nicht etwa, dass dieser Stout das Kind der Hensons entführt hat, oder Mulder?" Ihr Partner schwieg.

"Oder Mulder?", hakte Scully gereizt nach.

"Die Beweise deuten darauf hin".

"Worauf hin? Das ein fast vor zweihundert Jahren gehängter Pirat sich aus dem Jenseits rächt und dieses Kind entführt hat? Mulder, das ist doch nicht ihr Ernst!"

"Schauen Sie mal auf Seite 3 der Akte.", Scully las einen Moment und sah ihren Partner dann ruhig an.

"Mulder, es könnte 100 Erklärungen geben, warum das Papier, auf dem die Nachricht stand, 200 Jahre alt ist."
"Sie sollten genauer lesen, Scully. Das Papier - ok, aber die Tinte. Die wird heute nicht mehr produziert und ist genauso echt. Sie hätte auch nicht die Zeit überstanden, laut dem Gutachter. Das Dokument ist echt. Es ist die Handschrift von Stout, dass haben die Analysen eindeutig ergeben."

"Vielleicht hat es jemand anderer gehabt. Zum Beispiel der jenige, der das Kind gekidnappt hat und dann diesen Zettel daließ!"

"Oh, tolle Theorie. Stout hat also schon mal vorsorglich ein paar solcher Briefe vor seinem Tod geschrieben, die dann der Nachwelt zufällig in die Hände fielen, was?"

"Wie auch immer. Ich schlage vor, wir konzentrieren uns auf einen greifbareren Täter, als auf einen 200–jährigen, rachsüchtigen Piraten, Mulder!", schnappte Scully und funkelte ihren Partner warnend an.

"Was ist, wenn wir ihrer Theorie nachgehen und dem Falschen hinterherlaufen, Mulder? Was ist dann mit dem Mädchen?"

"Was ist, wenn ich Recht habe?"

Der Rest der Fahrt verlief schweigend und auch das Gespräch mit den Eltern des verschwundenen Mädchens brachte sie in keinem Stück weiter, mal abgesehen davon, dass sie Mulders Theorie von William Stout verstärkten, in dem sie ihm erzählten, dass in dieser Nacht das Feuer nicht gebrannt hatte.

Irgendwie hatten diese Menschen auf Scully den Eindruck gemacht, als stünden sie dem Aberglauben näher, als der Realität. Jeder konnte schließlich ihre Tochter entführt haben. Das Datum an dem es geschah, spielte für Scully eher eine zufällige Rolle. Als Wissenschaftlerin war sie fest dazu entschlossen, den Täter erst mal im Diesseits zu suchen, egal wie häufig sich Mulders Theorien auch seit ihrer Zusammenarbeit schon bestätigt hatten.

Nachdem sie wieder am Haus angekommen waren, machte sie sich als erstes auf den Weg, um ein schönes warmes Bad zu nehmen. Das Badezimmer sah verlockend aus und nach diesen konfusen Theorien würde ihr ein Entspannungsbad gut tun.

Vorsichtig glitt sie in das wohlig duftende Wasser und schloss die Augen. Ein paar Minuten in diesem Bad und die Welt würde wieder ganz anders aussehen. Scullys Gedanken wanderten zurück an den vergangenen Abend, genauer gesagt an die Nacht mit Greg. Sie waren ausgegangen, er hatte ihr Blumen mitgebracht und war der perfekte Gentleman gewesen. Seit langem hatten sie sich schon nicht mehr sehen können, weil ihre beiden Terminkalender nur wenig Zeit dazu ließen. Und so sehr sie sich auch auf diesen Abend mit ihm gefreut hatte, so sehr hatte sie auch gespürt, dass sie noch immer nach etwas auf der Suche war, dass auch Greg ihr nicht geben konnte. Scully seufzte. Auf den ersten Blick schien er der perfekte Mann zu sein. Smart, intelligent, freundlich, guter Job... aber er hatte nicht das gewisse Etwas, auch wenn er ihr in ihrer Beziehung Stabilität bot, nach der sie so lange schon gesucht hatte. Tief in ihr wusste sie, dass nicht er es war, der ihr Herz zum Schnellerschlagen brachte und die Schmetterlinge in ihrem Bauch entfesselte. Diese Fähigkeit hatte lediglich der Mann, der seit sieben Jahren nun schon ihr Partner war, der mehr als einmal ihr Leben gerettet hatte, der sie zum Lachen bringen konnte und in dessen Armen sie sich geborgen fühlte. Scully lächelte traurig. Genau aus diesem Grund hatte sie sich Greg zugewendet, denn Mulder würde immer für sie unerreichbar sein, weil seine Liebe einzig und allein den X- Akten galt, weil sie absolut nicht sein Typ war und weil eine Beziehung alles zerstören würde, worum sie solange gekämpft hatten. Wenn sie sich in einem sicher war, dann darin, dass Mulder die X-Akten und ihre Partnerschaft um keinen Preis der Welt verlieren wollte und an diesem Punkt war Greg ins Spiel gekommen. Sie wollte nicht mehr allein sein, sie sehnte sich nach Liebe und Geborgenheit und Greg war bereit sie ihr zu bieten - auch wenn das nicht die Liebe war, nach der sie sich tief in ihrem Herzen sehnte.

Ein Klopfen an der Tür riss sie aus ihren wehmütigen Gedanken.



"Scully?"

"Ja?"

"Telefon. Es ist wichtig."

"Wer ist dran?"

"Greg Thornton. Er will Sie unbedingt sprechen." Scully wusch sie den Schaum aus den Haaren.

"Ich komme. Sagen Sie, dass ich zurückrufe, ok?"

"Ok." Mulder verschwand samt Telefon wieder nach unten, teilte Scullys Aussage dem Mann am anderen Ende der Leitung mit, bevor er sich mit einem Tee auf das Sofa vor dem Kamin fallen ließ.

Er konnte nicht so recht nachvollziehen, was Scully von so einem Aufschneider wie Thornton wollte. Es hatte mal eine Zeit gegeben, in der er gehofft hatte, dass auch ihr Herz für ihn schlug, so wie seines für sie, aber derzeit war von dieser Annahme nichts mehr übrig geblieben. Seit Scully mit diesem Typen ging, hatte er sie verloren und es tat ihm weh, dass er nicht mal fähig war ihr bei dieser Beziehung alles Gute zu wünschen. Die vergangenen drei Wochen seines Urlaubes hatten ihm gezeigt, wie sehr er Scully vermisste und wie eifersüchtig er doch auf diesen Kerl war, der sie in seien Armen halten durfte. Warum hatte er nur so viele Chancen vorbeiziehen lassen? Die Szene auf dem Flur, bevor die Biene zu stach, Silvester.... all die kleinen Berührungen, denen Scully niemals ausgewichen war.

Jetzt sah es so aus, als hätte er sie an einen anderen verloren.

Während er seinen Tee schlürfte und sich über seine Feigheit ärgerte, waren die Gesprächsfetzen von Scullys Gespräch mit Thornton kaum zu überhören. Was auch immer sie besprachen, Scully schien extrem wütend zu sein und schrie ihn desöfteren an, bevor es dann nach kurzer Zeit sehr still wurde.

Viel zu still, wenn es nach Mulder ging und so sehr er sich auch dagegen sträubte, sein Beschützerinstinkt gegenüber Scully war geweckt, auch wenn er wusste, dass sie das mach mal gar nicht mochte. Leise ging er nach oben und blieb einen Moment vor ihrer Zimmertür stehen. Leises Schluchzen drang an sein Ohr und am liebsten wäre er sofort zu ihr geeilt und hätte sie tröstend in seine Arme gezogen, aber er hatte Angst vor Scullys Reaktion darauf. Schließlich entschied er sich vorsichtig nachzufragen.

"He, Scully. Alles in Ordnung bei Ihnen?" Erschrocken fuhr sie vom Bett hoch und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.

"Es - es geht mir gut!", brachte sie gequetscht hervor und da dies immer ihre Standartantwort war, vor allem dann, wenn es ihr ganz und gar nicht gut ging, wusste Mulder nur allzu gut, dass sie log. Und er wusste auch, dass sie geweint hatte und unter keinen Umständen jetzt herauskommen würde. Also beschloss er ihr etwas Zeit zu geben.

"Scully. Was denken Sie. Mein Magen knurrt langsam ganz schön und Sie müssen von der Überfahrt doch auch hungrig sein. Die Schiffe kommen gerade mit frischem Fang herein in den Hafen. Ich könnte uns etwas besorgen und wir essen zu Abend. Was meinen Sie?"

Obwohl ihr ganz und gar nicht nach Essen zumute war, lächelte sie über Mulders liebe Geste und nickte.

"Gern. Ich zieh mich nur noch an und helfe Ihnen dann. Ist das ok?"

"Sehr ok sogar. Bis gleich. Im Kühlschrank ist Salat. Vielleicht könnten Sie ja schon mal damit anfangen."

"Bis gleich." Dana ließ sich wieder auf das Bett zurückfallen und wischte erneut aufkommende Tränen bestimmt weg. Sie war sich absolut nicht sicher, wie Greg auf das Telefongespräch reagieren würde. Sie hatten ziemlich gestritten, sie hatte mit ihm Schluss gemacht, aber er hatte verdammt auch kein Recht gehabt, in ihren Privatsachen herumzuwühlen. Schon gar nicht ihr Tagebuch zu lesen, auch wenn er es durch einen Zufall gefunden hatte.

Als sie herunterkam in die Küche und einen Blick durch das Fenster nach draußen warf, konnte sie die düsteren Wolken sehen, die sich über dem Meer zusammenbrauten. Hoffentlich schaffte Mulder es noch rechtzeitig zurück. Es sah aus, als würde es bald gewittern.

Scully suchte sich die Zutaten für den Salat zusammen und bereitete gerade das Dressing zu, als Mulder von draußen herein kam und eine Korb in den Armen trug, der eindeutig nach Meer duftete.



"Da braut sich ein netter Sturm zusammen. Ich dachte schon, ich werde noch klitsch nass, aber ich hatte Glück!", Mulder sah sie prüfend an.

"Alles ok, Scully?"

"Ja, alles bestens. Es geht mir gut. Haben Sie etwas Gutes am Hafen bekommen?" Neugierig lugte sie in den Korb und zog die Nase schnell wieder zurück, so dass Mulder grinste.

"Keine Sorge, er ist schon tot. Ich dachte, Sie mögen vielleicht Meeresfrüchte" Mulder hob einen mittelgroßen Hummer aus dem Korb und mehrere Scampis.

"Hmm, das sieht gut aus, nicht wahr? Jetzt müssen wir nur noch einen Weg finden, aus diesen Dingern ein schmackhaftes Abendessen zu zaubern." Mulder wies mit einer Hand auf einen Schrank in der Ecke der Küche. "Dort drüben sind noch alte Kochbücher. Sicher werden wir da fündig."

"Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich das mit dem Kochen übernehme, Mulder? Es gibt da ein paar Rezepte, die ich im Kopf habe und ich denke, mir fallen schon ein paar nette Dinge dazu ein. Was meinen Sie?" Schmunzelnd lehnte sich ihr Partner an die Anrichte und lächelte Scully an. "Wer hätte gedacht, dass in Ihnen auch eine Hausfrau steckt, Scully. Respekt. Ich dachte immer, Sie würden um Küchen einen riesen Bogen schlagen", erklärte er grinsend und wich lachend aus, als er mit einem Geschirrtuch einen Klaps bekam.

"Tja, da können Sie mal sehen. Manchmal irrt sich eben auch der größte Profiler vom FBI, Mulder. – Mögen Sie die kreolische Küche?"

"Kreolisch? – Keine Ahnung. Ich denke, ich habe in meinem Leben noch nicht so häufig kreolisch gegessen, aber ich bin immer offen für neue Erfahrungen. Kommen Sie hier allein zurecht?"

"Hmm. Warum?"

"Na ja, wenn Sie mich hier nicht brauchen, würde ich mich schon mal um Wein und den Kamin kümmern und die Fensterläden verzurren. Sieht wirklich stürmisch aus." Scully nickte und Mulder verschwand dick eingepackt ein weiteres Mal nach draußen. Lächelnd machte Scully sich an die Arbeit. So häuslich hatte sie ihren Partner bisher noch nie erlebt, aber es warf ein ganz anderes Licht auf ihn und was immer es auch war, es gefiel ihr.

Als Mulder nach einer Weile wieder ins Haus zurückkam, rieb er fröstelnd seine Hände und wischte sich das nasse Haar aus der Stirn.

"Mulder! Sie sollten aus diesen Klamotten heraus. Sonst holen Sie sich noch eine gehörige Erkältung", erklärte Scully tadelnd und Mulder grinste.

"Manchmal Scully, sind Sie doch in erster Linie Arzt, was?"

"Ich meine das Ernst. Machen Sie keine dummen Späße, Mulder!" Seine Partnerin sah nicht aus, als würde sie spaßen.

"Schon gut, schon gut. Ich verschwinde eben nach oben. Ist es Ihnen jetzt warm genug hier drinnen, oder soll ich noch etwas auf das Feuer legen?"

"Nein, es ist perfekt so, danke." Scully sah ihm nach und ihre Gedanken wanderten wieder zu Greg. >Warum hatte sie bei ihm niemals dieses warme, wohlige Gefühl im Bauch gespürt, wenn er in ihrer Nähe war? Tief in ihrem Herzen gab es dafür nur eine mögliche Antwort, aber Scully schüttelte ihren Kopf, um diese Gedanken zu vertreiben. Schließlich war sie wegen einem Auftrag hier und nicht um mit ihrem Partner ein kuschliges Wochenende am Strand zu verbringen.>

Wenig später tauchte Mulder frisch umgezogen in der Küche auf und Scully erschrak fast, als sie seine Stimmer hinter sich vernahm.

"Hmmm. Das duftet ja wirklich verlockend, Scully. Ich wusste gar nicht, dass Sie auch solche Talente haben. Wer hätte das für möglich gehalten!" Dana verzog ihren Mund und der nächste Satz klang wesentlich härter, als sie es hatte sagen wollen.

"Sie wissen so gut wie gar nichts von mir, Mulder. Okay? Warum lassen Sie ihre blöden Kommentare dann nicht einfach und decken schon mal den Tisch?" Ihr Partner sah sie ungläubig an.

"He. Ich - ich wollte Ihnen sicher nicht zu nahe treten, Scully. Es ist nur. Ich sehe Sie sonst nie in der Küche. Es war ein ungewohntes Bild und ich, ich wollte wirklich nur einen Spaß machen". Er nahm die Teller und schalt sich für sein loses Mundwerk.

"Mulder?"

"Hmm?" Seine haselnussbraunen Augen wirken im Schimmer des diffusen Lichtes noch dunkler und hielten sie sanft fest.

"Ich - es tut mir leid. Ich wollte nicht wie eine Zicke klingen. Es war wohl nicht mein Tag bis jetzt". >Nicht mein Tag? Es war ein ganz fantastischer Tag, bis zum dem Gespräch mit Greg, denn irgendwie war sich Dana auch noch nicht ganz sicher, dass diese Sache schon vorbei war. Jedenfalls hatte Greg am Telefon sehr verärgert geklungen. Und dann war da auch noch diese wundervolle Insel und ihr Partner, in dessen Nähe ihr Herz ständig viel schneller schlug, als es sollte und dieser verrückte Fall, dass heißt Mulders verrückte Ideen.>

Mulder lächelte warm. "Schon gut, Scully. Sie müssen sich mit Sicherheit nicht bei mir entschuldigen. Ich hab Sie schließlich mit meinen Kommentaren genervt und Sie aufgezogen. – Vergessen wir’s , ok?" Scully nickte und holte das Essen aus dem Ofen, wobei gleich die Küche und das Esszimmer in einen wohlig riechenden Duft eingehüllt wurden. Alles war servierfähig. Jetzt noch etwas anrichten und es konnte losgehen.
Kapitel 2 by Spooky
Mulder nahm einen weiteren Schluck Wein und lächelte seine Partnerin zufrieden an.

"Hm, Scully. Das war das Beste, das ich seit langem gegessen habe. Es ist perfekt. Woher können Sie nur so gut kochen?"

"Es hat geschmeckt?"
"Soll das ein Scherz sein? Es war absolut lecker!"

"Ähm, es ist ein Familienrezept meiner Großmutter. Unsere Familie ist ziemlich multikulturell insgesamt und da ist an den Kochrezepten eben einiges hängen geblieben. Als ich klein war, da habe ich es geliebt, wenn meine Großmutter uns besuchte, denn sie hat dann immer ganz lecker für uns gekocht und als Kinder fanden wir das toll", Mulder schmunzelte. Es kam nicht oft vor, dass Scully so frei über Privates redete und da dies viel zu selten vorkam, versuchte er diesen Zustand so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.

"Das wusste ich gar nicht. Darf ich fragen, wo ihre Großmutter herkam, Scully?"

"Tahiti."

"Tahiti?"

"Ja, wieso?"

"Na ja. Ich – man sieht das ihrer Mutter eigentlich gar nicht so an, meine ich."

"Das liegt wohl daran, dass mein Großvater einen ziemlich europäischen Einfluss dabei hatte, Mulder."

"Und ihr Großvater kam woher?"

"Schweden."

"Schweden. Das ist wirklich cool, Scully. Aber ihre Mom, ich meine, sie hat doch immer schon hier gelebt, oder?"

"Nein, sie kam mit 17 Jahren zum Studium hierher in die Staaten. Bis dahin hat sie einen Teil ihrer Kindheit auf Tahiti, den anderen in Schweden verbracht und na ja, dann traf sie meinen Dad und den Rest kennen Sie ja." Scully lächelte über Mulders Gesichtsausdruck und nippte am Weinglas.

"Tja, wie schon gesagt. Wer hätte das gedacht. Haben Sie viele Erinnerungen an ihre Großeltern?"

"Es geht. Wir haben sie oft besucht, als wir klein waren. Immer in den Ferien, was ich damals ziemlich genial fand, denn auf Tahiti hat es mir immer sehr gut gefallen. Meine Großeltern waren wirklich sehr liebevoll und besonders mit meiner Großmutter hätten Sie sich gut verstanden, Mulder."

" Ich? Warum?"

"Na ja, sie hat uns immer diese Geschichten erzählt. Von Geistern und Dämonen, von Voodoo....."

"Scully. Sie hätten damals besser aufpassen sollen!! Ja, ich bin sicher, ihre Großmutter wäre mir sehr sympathisch gewesen."

Beide lachten und schreckten auf, als eine Blendlade gegen das Fenster schlug.

"Verdammt. Die muss sich losgerissen haben. Ich geh nur schnell heraus und befestige sie wieder, bevor sie noch irgendwelche Schäden anrichtet oder wir die ganze Nacht vom Klappern nicht schlafen können!" Mulder schnappte sich erneut seine Jacke und ging unwillig hinaus in den Sturm, der mittlerweile kräftig um das Haus tobte. Scully ging ihrem Partner nach und folgte ihm dann mit ihren Augen, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte, weil er aus ihrem Blickwinkel verschwand.

Gischt peitschte über das Meer, türmte die Wolken und die Wellen hoch auf und nichts erinnerte Scully mehr an die friedliche Überfahrt, die sie noch am Morgen gehabt hatte. In diesen Stunden zeigte sich das Meer von seiner unbändigen Kraft. Die Dünen waren eingehüllt in dichten Nebel, der ein zwei Meter über dem Boden hing und das einzige, dass klar in Scullys Augen fiel, war der Schien von Feuer nicht weit vom Haus entfernt. Bevor sie sich weitere Gedanken machen konnte, kam Mulder bibbernd wieder herein.

"So, das sollte jetzt aber wirklich halten. Hoffe ich jedenfalls. Noch mal will ich da nicht freiwillig hinaus." Er legte seine Jacke über einen Stuhl und kam mit beiden Weingläsern zurück ans Fenster.

"Haben Sie etwas dagegen, wenn wir unser Gespräch an den Kamin verlegen?", fragte er vorsichtig. "Dann könnte ich mich schnell aufwärmen."

Scully folgte ihm und sie setzten sich auf den dicken Teppich, der den Boden vor dem Kamin säumte.

"Besser, Mulder?"

"Ja, viel besser und viel gemütlicher. Scully, wo waren wir stehen geblieben?" Er wollte nur allzu gerne wieder mit seiner Partnerin plaudern, aber sie fiel ihm ins Wort und lenkte das Thema in eine andere Richtung.

"Mulder, warum brennt da draußen dieses Feuer?" Nicht, das sie nicht schon insgeheim die Antwort kannte.

"Das Feuer?"

"Jep." Ihr Partner schwieg und versuchte ihren neugierigen Blicken vorsichtig, aber erfolglos auszuweichen.

"Es brennt wegen dem Fluch!"

"Wegen dem Fluch? Sie meinen wegen dieser mittelalterlichen Geschichte mit dem Piraten?"

"Stout. Ja, sehr wohl und die Geschichte ist nicht aus dem Mittelalter. Es ist eine Legende und das hier ist nicht das einzige Haus auf Martha’s Vineyard, das in dieser Zeit nachts die Feuer anzündet. Es ist Tradition, Scully."

Scully schluckte.

"Bitte, Mulder. Ich weiß, Sie haben es heute Mittag schon angedeutet, dass Sie an diesen Spuk glauben, aber das ist doch nicht ihr Ernst, oder? Ich meine, die Menschen hier zünden doch nicht ernsthaft die Feuer an, weil sie sich vor einem mordlüsternden Piraten fürchten, oder?"

Ihr Partner erhob sich und verschwand kurz in einem Nebenraum, um mit einer großen Aktentasche und einem sehr alten Buch zurückzukommen.

"Ich weiß, dass Sie mich von Zeit zu Zeit für durchgeknallt und verrückt halten, Scully, aber schenken Sie mir nur für einen Moment ihre Aufmerksamkeit und Sie werden sehen, dass diese Theorie gar nicht so abstrus ist." Er reichte ihr ein Stück altes Papier.

"Was seh ich mir da an?"

"Lesen Sie doch selber." Nach einem kurzen Moment, blickte sie auf.

"Ja, ganz richtig. Das ist die Seite aus dem Geburtsregister von dieser Insel. William Stout wurde hier geboren und auch sein Todesdatum ist eingetragen, Scully. Es ist also kein Ammenmärchen, was seine Person angeht. Er hat wirklich hier gelebt."

Mulder zeigte Scully dutzende alter Dokumente aus alter Zeit, aber auch welche, aus diesem Jahrhundert. Augenzeugenberichte, Mordermittlungen, die Opfer, die unter denselben Umständen umgekommen waren, wie dieses kleine Mädchen in dem Fall, den sie gerade bearbeiteten.....

"Scully. Wenn ich Recht habe und ich hoffe nicht, dann werden wir morgen die Leiche dieses Mädchens am Meer finden und wir werden auch diese Nachricht dort sehen können." Er zeigt ihr mehrere alte Blätter, auf denen immer wieder derselbe Spruch stand.

"Dies ist meine Rache. W.Stout"

"Das Papier ist sehr alt. Es stammt nicht aus unseren Tagen. Es ist dieselbe Tinte, wie wir sie auf der Nachricht im Haus der Eltern gefunden haben."

Scully hielt für einen Moment das Papier in ihren Händen und sah ihren Partner kritisch an.

"Mulder. Es klingt so echt, aber das kann doch nicht sein. Niemand kehrt von den Toten zurück!" >Mit welcher anderen Antwort hätte er auch rechnen sollen?> Er lächelte und nahm seiner Partnerin die Beweise aus der Hand, um sie wieder sicher zu verstauen.

"Sie sind eine elende Zweiflerin, Scully. Aber Sie haben Recht. Wir halten unsere Augen besser gegenüber allen Seiten offen und wenn wir dann den Täter überführen können, ist es doch egal, ob er aus dem Dies- oder Jenseits stammt. Einverstanden?"

"Einverstanden, Mulder." Der Rest des Abends verlief sehr gemütlich und leise vor dem Kamin. Scully gelang es ihrem Partner einige Geschichten aus seiner Kindheit zu entlocken und im Gegenzug erfuhr er etwas mehr von der privaten Scully, was Mulder mehr als gefiel.

Als das Feuer im Kamin zur Glut heruntergebrannt war, zeigten die Zeiger der Uhr schon nach ein Uhr Mitternacht. Scully gähnte und sah sich um.

"Puh, es ist schon spät, was? Wir sollten uns hinlegen. Morgen will ich noch einmal mit den Eltern des Kindes sprechen."

"Ok. Vielleicht finden wir ja neue Hinweise." Dana nahm ihren Pulli, hängte ihn sich über die Schultern und machte sich auf den Weg nach oben.

"Scully?"

"Ja?" Sie sah ihren Partner an, der gerade die Glut im Ofen gelöscht hatte.

"Es war ein schöner Abend. Wir sollten öfter mal reden." Verlegen blickte Mulder in ihre Richtung und wartete auf eine Antwort.

"Ja. Ja, Sie haben Recht. Es hat mir auch sehr gefallen, Mulder! Gute Nacht", flüsterte sie leise und verschwand dann schnell nach oben, um möglichst ihre roten Ohren zu verdecken. >Was war nur los mit ihr? Sie hatte vor einigen Stunden erst ihren Freund in die Wüste geschickt und nun passierte genau das, wovor sie sich fürchtete. Wenn Mulder weiter so charmant in ihrer Nähe war, dann würde sie sich noch Hals über Kopf in ihren Partner verlieben.> Dana setzte sich auf ihr Bett, zog sich aus und schlüpfte ins Bett. Wenig später hörte sie ihren Partner die Treppe heraufkommen. Sie blickte aus dem Fenster zu den darüber ziehenden Wolken vor dem fahlen Mondlicht. >Wenn sie ehrlich zu sich war, dann war genau das schon geschehen!> Dana schloss ihre Augen und schlummerte friedlich mit dem Klang der Wellen und der Brandung des Meeres ein.



Als sie einige Stunden später der Wecker unsanft aus ihren Träumen riss, schien die Morgensonne schon warm in das Zimmer und Kaffeeduft wanderte durch das Haus. Manchmal hatte es auch Vorteile einen Partner zu haben, der ein Frühaufsteher war. Scully entschied sich für Jeans, ein enges Shirt und einen Wollpulli, den sie zunächst einmal locker um ihr Becken schlang.

Unten in der Küche wurde sie von einem glänzend gelauntem Mulder empfangen und einem Frühstück, dass sich sehen lassen konnte.

"Morgen, Langschläfer!", Dana setzte sich.

"Morgen." Ein Blick über den Tisch verriet ihr, dass Mulder bereits beim Bäcker gewesen sein musste. "Mulder, Sie müssen nicht so einen Aufwand betreiben."

"Oh, das war kein Aufwand, Scully. Jeffrey war heute Morgen da und hat die Brötchen gemacht. Er war ganz erstaunt, dass gestern jemand seine Küche benutzt hatte. Das ist hier ziemlich nie vorgekommen, denn meinem Mom hatte immer die totale Abneigung gegen das Kochen."

" Sie hat nie für euch gekocht?" Scully konnte es nicht fassen und Mulder grinste.

"Nope. Es sei denn Jeffrey war mal krank und dann auch nur, wenn sie kein anderes Personal gefunden hat." Mulder lächelte, denn von Zeit zu Zeit fiel einfach auf, dass er und Scully in ganz unterschiedlichen Familien aufgewachsen waren.

"Hm, bitte seien Sie jetzt nicht beleidigt, aber ich finde das etwas komisch, Mulder."

"Es sei Ihnen vergeben. Ist das ok, wenn Jeffrey in den nächsten Tagen nicht kommt, Scully?"

"Ob es mir recht ist, Mulder? Heh, ich kann mir schon alleine die Schuhe zubinden, seit ich drei bin. Ich denke, dass das ihre Entscheidung ist, aber sonst kommen Sie doch auch ohne Hilfe aus, oder?"

"Jep, ok. Er wird sich freuen, wenn er das hört, aber lassen sie uns doch erst mal frühstücken."

Während sie die Brötchen genossen und die Sonne, die durch das große Fenster im Esszimmer herein schien, wanderten Scullys Augen immer wieder über die Dünen zum Meer.

"Ist schon ein großartiger Anblick, was?" Mulder riss sie sanft aus ihren Träumen.

"Ja, das ist es wirklich. Wie weit ist es von hier zu Fuß zum Meer, Mulder?"

"Etwa zwei Minuten durch die Dünen. Wenn wir heute mit den Ermittlungen fertig sind, hätten Sie Lust auf eine kleine Inselführung?"

"Und Sie sind mein Fremdenführer?"

"Yap. Es gibt ein paar wunderschöne Plätze hier und eigentlich gehört das zum Pflichtprogramm bei einem Besuch auf der Insel."

"Okay."

"Perfekt", Mulder lächelte zufrieden.

Wenige Minuten später verdunkelte sich die Sonne ein wenig und ein Schatten fiel auf den Esstisch, so dass beide aufblickten und Deputy Walker sahen, der im Lichtkegel der Sonne auf sie zukam. Er nahm seinen Hut zur Begrüßung ab und nickte Dana zur Begrüßung zu.

"Jack. Was gibt es?" Deputy Daniels setzt sich für Moment und suchte nach den richtigen Worten.

"Wir haben am Strand die Leiche der Kleinen gefunden. Ich denke, ihr solltet euch das ansehen!" Im Nu war das Frühstück vergessen und kurz darauf begleiteten sie den Deputy zum Fundort der Leiche.



Scully wandte für einen Moment den Blick von dem toten Körper des Mädchens ab und betrachtete ihren Partner, der vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht des Kindes strich. Sie war dankbar, dass sein Körper die Leiche des Kindes fast vollständig verbarg, aber lange würde sie sich diesem Anblick nicht entziehen können. Schließlich war sie den X-Akten als Wissenschaftlerin zugeteilt. Mulder stand auf und wandte sich Scully zu.

"Alles ok?"

"Hm. Ja, alles ok." Nicht das er ihr glaubte, aber er wusste selber was in den Köpfen der Ermittler los war, wann immer ein Kind das Opfer war.

"Wieder der selbe Hinweis, Scully. Das ist kein Zufall. Die Eltern haben in ihrer Aussage bei Jack angegeben, dass in dieser Nacht kein Feuer vor ihrem Haus brannte, weil sie erst neu hier auf der Insel sind. Sie wussten nichts vom Fluch des alten Piraten. Wäre es möglich, dass sie Jack in die Stadt begleiten und sie eine Autopsie an der Leiche vornehmen? Wir treten auf der Stelle. Außer denn Hinweisen am Tatort haben wir nichts."

Scully nickte und fuhr kurz darauf mit dem Deputy in die Stadt. Auch er war wie Mulder von dieser alten Legende überzeugt, aber das war auch wenig verwunderlich, betrachtete man den Aspekt, dass die zwei gemeinsam dort aufgewachsen waren.

Im kleinen Autopsieraum der Stadt atmete Scully tief durch, nachdem sie die Untersuchung des Kindes hinter sich gebracht und den Bericht in den PC getippt hatte. Eine Autopsie an einem Erwachsenen war eine Sache, aber die an einem Kind eine andere. Ihr Partner betrat den Raum, kurz nachdem Dana wieder in ihre eigene Kleidung gestiegen war.

"Und?"

"Die Untersuchung hat ergeben, dass der Tod durch Ertrinken eintrat, Mulder. Ihre Lungen sind mit Salzwasser fast vollständig gefüllt gewesen. Es gab keine sexuellen Übergriffe, allerdings hat sie sich kräftig gewehrt. Es gibt Quetschungen und Abschürfungen an den typischen Stellen, aber ansonsten hat das Meer alle Beweise weggespült. Der Tod muss kurz nach ihrer Entführung eingetreten sein."

"Das ist alles?"

"Hm. Mehr kann ich nicht sagen. Waren Sie bei den Eltern?"

"Ja, sie sind am Boden zerstört". Scully griff nach ihrem Pulli. "Lassen sie uns gehen, Scully. Ich muss hier heraus." Die Rückfahrt verlief schweigend und von Zeit zu Zeit ließ Mulder seinen Blick über die Küste schweifen. Die Ermittlungen zogen sich in die Länge. Es gab kaum greifbare Beweise, keine neuen Hinweise, bis auf dieses tote Mädchen und er hatte so sehr gehofft, dass es dieses Mal anders sein würde, dass er Unrecht hatte und sie dieses Mädchen hätten finden können. Manchmal war es einfach schwer abzuschalten. Obwohl das Wetter noch immer traumhaft war, hatten sowohl Mulder als auch Scully, die Lust an einer Inselführung verloren.

Nachdem er den Wagen auf der Einfahrt geparkt hatte, zog er seinen Pulli über und streckte Scully die Hand entgegen.

"Ich weiß, uns ist beiden nicht nach lachen zumute, aber vielleicht bringt uns das Meer auf andere Gedanken. Mir jedenfalls hilft es beim Denken oder beim Durchlüften meines Kopfes." Scully lächelte, griff nach Mulders Hand und langsam gingen sie durch die Dünen hinunter zum Strand, wobei sie allerdings ihre Hände nach einigen Metern wieder auseinander flochten und sorgsam in ihren Taschen verbargen.

Wenige Minuten später erreichten sie das Ende der Dünen und der Strand breitete sich vor ihnen aus. Scully hielt für einen Moment den Atem an. Im Sommer musste er dort paradiesisch sein. In der Ferne machte sie einen Leuchtturm aus und genau diesen Weg schlug Mulder ein. Er hatte Recht gehabt. Das Rauschen des Meeres, die klare Luft und der Geruch von Seetang, sorgten dafür, dass sie den Anblick der Leiche des Kindes für einen Moment aus ihrem Gedächtnis verdrängten. Einige hundert Meter gingen sie schweigend nebeneinander her.

"Es ist wunderschön hier, Mulder.", erklärte Scully leise und erntete ein Lächeln, dass er nur für sie reserviert hatte und das man so selten an ihm sah.

"Ja. Das hier ist einer meiner Lieblingsabschnitte der Insel. Es gibt noch viele andere, die nicht weniger schön sind. Aber hier kannst du laufen und laufen und deine Gedanken spielen lassen, ohne dass du eine Menschenseele triffst. Jedenfalls nicht um diese Zeit und im Sommer geht es auch, denn dieser Strand ist nur für die Bewohner." Scully nickte und hob eine Muschel auf.

"Ist der Leuchtturm noch in Betrieb?"

"Hm, ja. Er ist für die Schiffe die aus Nantucket um die Insel herumfahren." Mulder deutete auf einige Felsen, die einige Meter im Meer aus dem Wasser ragten. "Hier ist es ziemlich felsig. Zu viele Untiefen, die man erst spät entdeckt, besonders im dunkeln". In den Dünen über ihnen war mittlerweile der Leuchtturm in greifbarer Nähe und Mulder hielt Scully abermals seine Hand hin, nachdem er ein kleines Stück in die Felsen heraufgeklettert war. Es war nicht besonders hoch, aber Scully nahm dennoch dankbar seine Hand, um auf gleiche Höhe zu kommen.

Oben erwartete sie ein phänomenaler Ausblick und Dana lies ihren Blick neugierig, von Mulders Kommentaren begleitet, schweifen.

Sein warmer Atem streifte sanft in ihren Nacken, als Mulder etwas näher kam, um ihr die Richtung zu zeigen, wo Nantucket lag. Scully hatte danach gefragt und nun spürte sie seine Nähe, die ihr einen wohligen Schauer über den Körper fließen ließ.

"Alles ok, Scully? Ist ihnen kalt?"

"N-ein. Ist schon gut."

"Aber sie zittern ja. Sehen sie doch." Seine Hände glitten prüfend zu ihren Handgelenken und nachdem Mulder feststellen musste, dass Danas Hände und Arme durchaus nicht kalt waren, glitten seine Augen fragend hoch zu ihren. Scheu sah sie zur Seite und Mulder lächelte. >War es das, wonach es aussah?> Sein Herz klopfte schneller, doch dann machte Scully sich auch schon aus seinem Griff los und ging einige Schritte rückwärts, bis sie an den Leuchtturm prallte. >Mist! Auch das noch. Sie musste so schnell es ging aus dieser Situation heraus.>

"Mulder, können wir zurück? Ich denke, wir sind weit genug gelaufen.", fragte sie hastig, bevor er ihr erneut so nahe kommen konnte und wenig später machten sie sich schweigend auf den Rückweg.

Keiner von beiden sagte ein Wort. In Gedanken waren sie bei dem, was vor wenigen Minuten zwischen ihnen geschehen war. Eine harmlose kleine Berührung und schon fühlten sie sich mitten in einen tosenden Sturm versetzt. Wenn Scully das alles so kalt ließ, warum reagierte sie dann so verlegen und emotional? Mulder hing seinen Gedanken nach, während er Scully folgte, die vor ihm in den Dünen herlief. Ihr Orientierungssinn verblüffte ihn immer wieder aufs Neue. Schließlich war dies für sie ein völlig fremder Ort. Plötzlich knickte sie vor ihm ein und entließ einen kurzen Schmerzensschrei, dem heftiges Fluchen folgte. Sie war in ein Kaninchenloch getreten und mit ihrem Fuß umgeknickt.

"Scully? Alles ok? Sind Sie umgeknickt?" Besorgt kniete er sich neben sie und wurde mit einem weniger freundlichen Blick bedacht.

"Wonach verdammt sieht das sonst wohl aus, he?" Scully versuchte sich aufzurappeln, bekam aber keinen festen Stand, weil ihr Fuß einfach zu sehr schmerzte.

"Hassen Sie mich, Scully", erklärte Mulder lächelnd als er seine Arme unter ihre Knie schob und sie anhob, "aber ich habe keine Lust hier draußen zu warten, bis Sie wieder auftreten können." Mit einer flüssigen Bewegung hielt er seine Partnerin Sekunden später in seinen Armen und machte sich auf den Weg in Richtung Haus.

"Mulder. Sie müssen mich nicht tragen. Ich kann sehr wohl alleine gehen", versuchte Scully es erneut und verdrehte ihre Augen.

"Ja. Schon gut. Ich weiß. Es geht ihnen gut und Sie können alleine gehen, aber das macht mir wirklich nichts aus. Sie sind ziemlich leicht, Scully."

"Wie schön für Sie, aber mir macht es was aus. Ich- kann- allein -gehen. Lassen- sie –mich- wieder -herunter. -Sofort!"

Zu viel war zu viel. Mulder blieb stehen und setzte Scully ziemlich unwirsch im Sand ab. "Gut, dann laufen Sie, Scully. Das Haus liegt in dieser Richtung. Wenn Sie in drei Stunden nicht da sind, kann ich ja den Suchtrupp losschicken, aber nein, was sag ich da? Sie schaffen das ja wie immer sicher auch allein, nicht wahr!?" Scully landete unsanft im Sand, da sie sich mit ihrem Fuß nicht abfangen konnte und blickte ihren Partner wütend an.

"Wie können Sie es wagen so mit mir zu reden! Was kann ich dafür, wenn Sie mit emanzipierten Frauen nicht umgehen können! Ich brauche Sie nicht und auch nicht ihren Beschützerinstinkt! Ich kann sehr wohl auf mich alleine aufpassen.", blaffte sie ihn an und Mulder war sich im Klaren, dass er mit seinem Satz eine sehr empfindliche Stelle bei Scully getroffen hatte, wie ihre Reaktion eindeutig hervorhob. "Bleiben Sie da wo der Pfeffer wächst, Mulder!", fauchte sie und unterstrich ihren Satz noch mit einer Handvoll Sand, die sie symbolisch in seine Richtung warf.

>Diese schnippische Ziege. Da will man ihr helfen und was ist der Dank?> Mulder ging wütend einige Meter weiter und setzte sich außerhalb von Scullys Blickfeld auf einen kleinen Felsen. Er wusste, dass sie stark war, dass sie alleine zurecht kam. Aber dieser Beschützerinstinkt war einfach da, weil er wusste, dass er es niemals überleben würde, wenn ihr etwas geschah und er konnte sehr wohl mit emanzipierten Frauen umgehen. Ärgerlich trat er in den Sand und nachdem einige Minuten vergangen waren, ging er zurück zu Scully, die noch immer im Sand saß. Vorsichtig näherte er sich seiner Partnerin, denn schließlich konnte er nicht einschätzen, wie wütend sie noch immer war.

"Scully? He. Es tut mir leid. Ich hab mich benommen wie ein Idiot. Können Sie mir noch mal verzeihen?" Langsam kniete er sich in den Sand neben sie und versuchte ihren Blick zu erhaschen, den sie stur auf´s Meer hinausgerichtet hatte, bis er plötzlich entdeckte, dass salzige Tränen über ihre Wangen liefen.

"Scully. He. Ich- es tut mir leid. Bitte, hören Sie auf zu weinen. Ich kann das nicht ertragen, wenn Sie weinen.", flüsterte er und drehte ganz vorsichtig ihr Gesicht in seine Richtung, so dass er in ihre Augen blicken konnte. Sanft wischte er ihre Tränen mit seinen Daumen weg und seine Berührungen brannten heiß auf ihren Wagen, bis Danas Hände zu seinen Handgelenken wanderten und Mulder still hielt, ihr Gesicht in seinen Händen. Die selbe Geste, ein anderer Ort. Danas Herz raste, als sich ihre Augen in seinen Blicken verloren und seine Finger sie sanft streichelten. Nur mühsam gelang es ihr überhaupt einen Ton herauszubringen.

"Wir - wir sollten das nicht tun", flüsterte sie leise und Mulder lächelte. Er wusste nur zu gut, was sie meinte, weil genau dieselben Gründe auch ihn immer abgehalten hatte, sein Glück bei seiner schönen Partnerin zu versuchen. Aber in diesem Moment war er weit entfernt von dieser Schranke. Dieses Mal würde er sich von nichts und niemandem aufhalten lassen, es sei denn Dana würde ihm eindeutig zu verstehen geben, dass sein Bemühen sinnlos war. Sein Gesicht war dem ihren jetzt so nahe, dass sie sich fast berührten und Dana konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren.

"Dann sag mir, dass du mich nicht willst. Sag mir, dass ich keine Chance habe, dass du nichts für mich empfindest und ich schwöre, ich werde dich nie wieder bedrängen." Dana sah zur Seite und versuchte Mulders Blicken auszuweichen, der sie fordernd ansah.

"Es ist unsere Entscheidung. Nur du und ich. Hier und jetzt. Ich kann so nicht mehr leben, Scully. Weißt du, was ich für dich empfinde? Jeden Morgen stehe ich auf und ich kann es kaum erwarten ins Büro zu kommen. Und dafür sind nicht die X-Akten der Grund, sondern du. Ich kann es kaum erwarten, bis ich dich jeden Morgen sehe, bis ich mit dir reden kann, du mich anlächelst und wir den Tag zusammen verbringen auf der Arbeit. Ich hasse meinen Feierabend, weil ich dann nicht bei dir sein kann und erst die Wochenenden und die Urlaube. Ohne dich bin ich nur ein halber Mensch, Scully. Du bist meine andere Hälfte. Der Mensch nach dem ich mein ganzes Leben lang gesucht habe. Du gibst mir Kraft und Stärke und hältst meine Füße immer schön in der Realität. Du bis alles für mich – und ohne dich, da bin ich nichts." Dana starrte ihren Partner an und Tränen liefen erneut über ihre Wangen und seine Hände.

"Du bist für mich die wunderschönste Frau, die ich jemals getroffen habe. Du bist intelligent, schlagfertig, sexy, gefühlvoll. Hast du eine Ahnung, wie oft du mir schon den Kopf verdreht hast? Hast du eine Ahnung, was in mir vorging, als Greg plötzlich auf der Bildfläche erschien? Ich weiß, es klingt total chauvinistisch, aber ich war so eifersüchtig, denn in meinen Gedanken, Träumen und Wünschen, da gehörtest du zu mir und nicht zu ihm! Scully, ich bin verrückt nach dir, ich brauche dich wie die Luft zum Atmen. Das- ist –es- was- ich -für –dich- empfinde." Dana zitterte leicht, als Mulder vorsichtig und ganz sanft ihre Lippen mit seinen berührte, aber sie hatte soeben das wunderschönste Liebesgeständnis in ihrem Leben gehört und das machte sie stark. Ihre Küsse waren zart und forschend und neugierig und gefühlvoll und nur um endlich Luft zu bekommen, trennten sie sich schließlich lächelnd voneinander.

"Lass uns heimgehen. Es wird langsam dunkel und kälter und wir sollten uns deinen Fuß auch so schnell wie möglich ansehen", erklärte Mulder leise und hob Scully in seinem Arm, die dieses Mal ihren Kopf gegen seine Schulter lehnte und nicht mehr mit Sand nach ihm warf. Als sie schließlich am Haus ankamen, setzte der Regen ein und es wurde wieder stürmischer. Mulder setzte Dana vor dem Kamin ab, nachdem er Feuer entfacht hatte und besah sich vorsichtig ihren Fuß.

"Kannst du ihn bewegen?"

"Hm. Es geht. Es ist wohl nur verstaucht."

"Leg ihn hoch, damit er nicht anschwillt. Ich schau mal nach, was wir uns zu Abend machen können. Wie wäre es mit Pizza? Wir haben alle Zutaten und das ist ein Gericht, das ich auch ohne Hilfe hinbekomme."

"Du willst für mich kochen?", fragte sie leise und Mulder beugte sich zu einem Kuss herunter.

"Wäre das so schlimm?"

"Nein, ich denke, ich fände das extrem süß von dir!"

"Tja, so bin ich eben!", Mulder verschwand mit einen verführerischen Grinsen und Dana lehnte sich gemütlich zurück, während sie ihn in der Küche werkeln hörte. Wie einfach es plötzlich war Mulder zu dutzen. Sie hatten es sich gar nicht offiziell angeboten, aber nach dem Kuss am Strand und den Dingen, die er ihr offenbart hatte, wäre das "Sie" wohl auch etwas falsch am Platz gewesen. Müde schlummerte sie sanft vor dem Kamin ein und schreckte hoch, als sie eine Hand spürte, die ihre Schulter berührte.

"Schhhht. Ich bin es nur. Keine Panik. Du hast so ruhig geschlafen, ich wollte dich nur zudecken. Ein Alptraum?"

"Hmm". Dana nickte und Mulder zog sie zu sich in den Arm. "Keine Sorge. Es war nur ein Traum. Möchtest du darüber reden?" Sie schmiegte sich sanft gegen seine Brust und überlegte kurz.

"Etwas hat mich ins Wasser gezogen. Tiefer und tiefer und ich bekam keine Luft mehr.", erklärte sie leise. Mulder nickte verständnisvoll. Er wusste nur allzu gut, wie sehr einen Alpträume manchmal ängstigen konnten. "Das Essen ist bald fertig. Hungrig?"

"Sehr sogar."

Nachdem sie den Tisch gedeckt und eine Flasche Wein geöffnet hatten, ließen sie sich die Pizza schmecken und Scully musste zugeben, dass Mulder ein guter Pizzabäcker war. Sie genossen die Stille, tauschten verliebte Blicke und fütterten sich gegenseitig mit ihren Gabeln, lachten und redeten über dies und das. Für wenige Stunden sollten der Alltag und das Grauen draußen bleiben. In diesem Moment gab es nur sie – nur Fox und Dana.

Nur Fox und Dana, bis es plötzlich an der Tür klopfte und Mulders Handy klingelte. Dana öffnete die Tür und vor ihr stand eine junge Frau mit einem kleinen Jungen an der Hand. Als Mulder das Gespräch beendet hatte, kam er ebenfalls zur Tür und erkannte seine Nachbarin.

"Halle Lucy. Was ist los?"

"Gott, ich komme mir richtig dämlich vor, aber ich muss ins Krankenhaus. Sie haben einen Notfall und ich habe keinen Babysitter für Sean. Ich will ihn aber auch nicht alleine lassen und da wollte ich fragen, ob du ihn nicht für einige Stunden nehmen könntest, Fox. Nur bis morgen früh, dann bin ich wieder da. Ich mache mir nur Sorgen wegen diesem Mord an dem kleinen Mädchen und so dachte ich....."

"Schon ok. Sean kann bei uns bleiben. Er wird schon nicht stören. Geh nur zur Arbeit, wir nehmen ihn so lange." Dana lächelte, nachdem die Frau glücklich verschwunden war und hob den Jungen auf ihren Arm.

"Na, hast du noch Hunger auf Pizza?", fragte sie freundlich und erhielt ein strahlendes Lächeln. Während Dana in der Küche etwas Pizza auf einen Teller füllte, zog Mulder sie sanft an die Seite.

"Das war Jack. Es hat schon wieder einen Angriff gegeben, aber das Kind konnte entkommen. Sie suchen nach ihm und ich werde raus zum Tatort fahren".

"Jetzt? Allein?" Dana blickte zu Sean und dann zu Fox.

"Ich schaff das auch sehr gut allein dieses Mal. Bleib du hier bei Sean und pass auf den Kleinen auf, ok? Ich ruf an, wenn es etwas Wichtiges gibt, gut?" Dana war nicht wohl bei der Sache, aber sie nickte.

"Einverstanden. Sei vorsichtig!" Mulder verschwand in der Dunkelheit und Scully setzte sich zu ihrem Schützling an den Tisch.

Nach mehreren Stücken Pizza war dieser gesättigt und sie holten ein Mensch- Ärger- dich- nicht- Spiel hervor, mit dem man sich herrlich die Zeit vertreiben konnte, bis es Zeit war zum Schlafen gehen.



Währenddessen untersuchte Mulder mit anderen Polizisten den Tatort. Der Junge hatte großes Glück gehabt, als er seinem Angreifer entkam. Auch seine Eltern hatten auf das Feuer vor dem Haus verzichtet, weil sie es für eine dumme Legende hielten.

Nach der Beschreibung des Täters durch den Jungen, hielt es niemand mehr für eine Legende. Keiner konnte es rationell erklären, aber es konnte nur ein Mensch, wenn man ihn so nennen wollte, gewesen sein.

Mulder und Daniels tauschten fragende Blicke.

"Es hat den Jungen nicht bekommen! Was wenn er sich ein anderes Opfer sucht, Jack?"

"Wie meinst du das?"

"Theoretisch ist es möglich, dass er jetzt auf der Suche nach einem neuen Opfer ist. Wie viele Häuser gibt es auf Martha’s Vineyard, vor denen kein Feuer in dieser Nacht brennt?"

"Keine Ahnung, wieso?"

"Weil immer nur Kinder aus Häusern verschwanden, vor denen kein Feuer in dieser Zeit brannte!"

"Weißt du wie viel Arbeit das ist, das herauszufinden? Ich habe nicht so viele Leute!"

"Jack, wir müssen es versuchen. Wenn er noch auf der Insel ist, wird er ein weiteres Opfer suchen!" Daniels trommelte seine Männer zusammen und wenig später durchforsteten sie die Insel nach diesem "Wesen". Wie sonst sollten sie ihn auch bezeichnen? William Stout war vor gut 200 Jahren von dieser Erde geschieden.



Einige Meilen weiter südwärts hatte Scully den Kleinen gerade zu Bett gebracht, als es tosend donnerte und im nächsten Moment das Licht ausfiel. Vorsichtig tastete sie in der Dunkelheit nach den Streichhölzern, die noch auf dem Tisch liegen mussten und kurz darauf erleuchtete der Raum im Schein einer Kerze. Mulder hatte am Vorabend erwähnt, dass das Stromnetz der Insel sehr häufig ausfiel. Also, musste sie nur warten, bis man es wieder in Gang setzte.

Das Tosen und Brausen des Meeres war jetzt in der Stille und der Dunkelheit fiel deutlicher zu hören. Dana schaute aus dem Fenster. Unheimlicher Nebel lag wieder über dem Boden und eine Gänsehaut kletterte ihren Nacken hinauf. Als sie sich vom Fenster abwandte und sich wieder vor dem Kamin setzte, fiel ihr nicht auf, dass das Feuer vor dem Haus erloschen war.



Die Suche auf der Insel, die die Polizisten und Mulder durchführten, war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Fast alle Häuser hatten Feuer vor ihren Häusern und die, die es nicht hatten, zündeten später welche an.



Dana war vor dem Kamin eingeschlummert und erwachte durch ein Geräusch, das aus dem ersten Stock gekommen war.

"Sean?" >Ob er aufgewacht war?> Leise ging sie mit der Kerze hoch, doch Sean schlief noch immer friedlich in seinem Bett. Vielleicht hatte sie sich ja auch nur dieses Geräusch eingebildet. Vorsichtig schloss sie wieder seine Tür und ging die Treppe herunter, als sie registrierte, das die Haustür offen stand und kalter Wind hereinwehte.

"Mulder? Die Tür ist noch offen, du solltest sie......" Weiter kam sie nicht. Der Rest ihres Satzes ging unter in einem erstickten Schrei und einem Gurgeln, denn jemand packte sie an der Kehle und drückte sie an die nächste Wand. Modergeruch stieg in ihre Nase und Dana schloss für Sekunden die Augen, als sie drohte ohnmächtig zu werden. Sie versuchte sich zu wehren, doch der Eindringling wehrte alle Schläge und Tritte mit Leichtigkeit ab, bevor er sie gegen die Anrichte in der Küche warf und Dana stöhnend auf den Boden knallte. Sie musste an ihre Waffe kommen, sonst waren sie und der Junge verloren, schoss es ihr durch den Kopf, doch für den Bruchteil einer Sekunde registrierte sie im Dunkeln eine greifbarere Verteidigungsmöglichkeit. Das Pizzamesser. Hastig griff sie danach und stach zu. Blindlings, aber sie war sich sicher, dass sie ihren Angreifer getroffen haben musste. Dieser heulte auf und lies für einen Moment seinen Griff etwas lockerer, so dass Dana entkommen konnte, wenn auch nur für einige Sekunden, denn ruckartig riss er an ihrem Bein und legte dann seine glitschigen und fauligen Hände um ihren Hals, um ihr den Atem zu nehmen. Scully konnte nicht denken, sie kämpfte um ihr Leben, was so ein aussichtsloser Kampf zu sein schien, bis plötzlich Sean dort stand.

"Dana?" Seine Augen sahen sie verschüchtert und ängstlich an und die Kreatur lies einen Moment ihre Hände von Danas Hals.

"Lauf Sean!! Lauf weg!", schrie sie, bevor ein harter Schlag ins Gesicht sie in die Dunkelheit beförderte.

Sean raste aus dem Haus. Zu schnell für Stout und warum sollte dieser sich auch anstrengen? Es war zwar kein Kind, was da vor ihm lag, aber ein Opfer war ein Opfer. Er griff nach Danas Pulli und schliff sie zur Hintertür heraus in den Garten und von da Richtung Meer.

Der Kleine rannte blindlings von Angst getrieben auf die Straße.

"Brems!!!!", schrie Daniels und nur Zentimeter vor Sean, brachte Mulder den Wagen zum Stehen. Beide sprangen aus dem Wagen.

Was um Himmels Willen machte Sean auf der Straße?

"Sean? Ich bin es, Fox. Was ist passiert?" Sean sagte keinen Ton, sondern deutete auf das Haus. Mulders Blut gefror in den Adern. Das Feuer war aus, die Tür stand offen. >Wenn Stout...>

Mit gezogener Waffe stürzte er ins Haus und im diffusen Licht das Chaos auf dem Fußboden.

"Dana!! Daana!" Keine Antwort. Sein Herz raste bis zum Hals. >Wo war sie?> Durch die geöffnete Hintertür schlich er vorsichtig heraus und stolperte beinahe über ihren Pulli, der zerrissen am Boden lag. Um ihn herum nur Dunkelheit, bis auf den Mond, der etwas Licht spendete. Hastig blickte er sich um, aber im Nebel war kaum etwas zu erkennen, bis er unten am Strand eine Gestalt ausmachte, die halb im Meer stand. >Hatten seine Augen sich getäuscht?> Mulder beschleunigte seine Schritte und rannte in Richtung Strand, so schnell seine Beine es zuließen. Je näher er kam, desto deutlich erkannte er die Umrisse eines Mannes, der halb im Meer stand und ihm den Rücken zu drehte.

Wenige Meter nur noch von ihm entfernt, brachte er seine Waffe in Schussbereitschaft.

"FBI! Drehen Sie sich langsam um, Sir, und kommen Sie aus dem Wasser! Langsam und so, dass ich ihre Hände sehen kann!" Die dunkle Gestalt regte sich nicht und hielt noch immer ihre Hände in die Brandung.

"Sir, nehmen Sie die Hände aus dem Wasser und drehen sich langsam um. Ich werde das jetzt nicht noch einmal sagen!!" Endlich bewegte er sich, doch Mulders Herz blieb beinahe stehen. Sobald er seine Hände gehoben hatte, tauchte ein Körper aus dem Wasser auf und trieb an die Oberfläche.

"Niemand kann mich aufhalten! Sie gehört jetzt mir. Das ist meine Rache!". Wie der Sturm jagte die Gestalt auf Mulder zu und brach erst nach neun Volltreffern am Strand zusammen. Wortlos und panisch stürzte er an der Gestalt, die nun auf dem Boden lag vorbei und hastete ins Wasser. "Dana! Dana!" Er zog sie heraus und trug sie an den Strand. Im Mondlicht glitzerte das Wasser auf ihrem Gesicht.

Kein Puls, keine Atmung. "Bitte, Baby. Verlass mich nicht", flüsterte Mulder leise bevor er mir der Wiederbelebung anfing. Seine Gedanken waren bei ihr. Sekunden vergingen wie Stunden und noch immer regte Dana sich kein bisschen unter ihm. Kein Puls, keine Atmung! Nach einem Moment hatte Daniels ihn am Strand gefunden und unterstützte Mulder so gut es ging bei der Wiederbelebung seiner Partnerin.

"Wie lange war sie unten?"

"Ich weiß nicht. Mach weiter. Sie darf nicht sterben. Sie darf nicht sterben!" Danas Seele kämpfte den selben Kampf, den sie schon einmal gekämpft hatte, vor einigen Jahren. Die letzten Stunden glitten wie ein Film vor ihrem Augen ab, der Spaziergang zum Leuchtturm, ihr "Streit" und Mulders Liebeserklärung, seine Küsse, sein Lachen.

"Komm´schon! Verdammt atme, Dana!", schrie Mulder mittlerweile panisch und als sie in der Ferne bereits die Sirenen des Krankenwagens hörten, regte Dana sich plötzlich, um Luft zu bekommen. Hustend spuckte sie das Salzwasser aus, bäumte sich auf und Mulder schloss sie sofort in seine Arme.

"Alles ist gut. Atmen. Du musst atmen. So ist es gut. Atmen. Du bist in Sicherheit". Hustend schmiegte sie sich an ihn und sah sich zitternd um. "Er ist tot. Keine Angst! ". Mulder zog seine Jacke aus und deckte Dana provisorisch zu. Sie war kalt und durchnässt und er hoffte, dass der Krankenwagen nicht mehr lange auf sich warten lassen würde.

"Mulder". Sanft griff sie nach seiner Wange und Mulder hielt sie dort fest.

"Ich hatte solche Angst", flüsterte sie leise und Mulder verstand, was sie meinte. Als die Sanitäter Scully in den Krankenwagen legten und sie erneut ihr Bewusstsein verlor, war Mulder nicht mehr bereit, auch nur einen Zentimeter von Danas Seite zu weichen, bis er wusste, dass es ihr gut ging.

Später im Krankenhaus konnte er dann aber schnell aufatmen. Der Arzt teilte ihm mit, dass Dana stark unterkühlt sei und einige Prellungen davongetragen hätte, aber in einigen Tagen wieder auf die Beine käme.

Daniels hatte noch in der Nacht am Strand nach der Leiche des Angreifers gesucht, aber alles was sie an der Stelle fanden, an der Mulder ihn niedergeschossen hatte, war seine vermoderte Kleidung. Eine Untersuchung durch das Museum ergab, dass diese Kleidung mindestens 170 Jahre alt war und niemand konnte sich so recht erklären, wo sie herkam, geschweige denn, wo der Träger der Kleidung steckte.



"Und? Konntest du die X-Akte schließen?" Dana lächelte und genoss Mulders Finger, die zärtlich über ihre Wange streichelten.

"Nein. Niemand weiß, wer der Kerl war, der dich angegriffen hat. Es hätte Stout sein können, aber genau wissen wir es nicht. Ein Rätsel sind nur seine Kleider." Er war so froh hier bei ihr sein zu können nach dieser Nacht, in der er sie regungslos aus dem Meer gezogen hatte. Sanft küsste er ihren Mund und aus einem sanften Kuss wurde schnell leidenschaftliches Verlangen. Zu dumm, dass Skinner ihn sofort wieder nach Washington gerufen hatte.

"Und? Wann geht dein Flieger?"

"In zwei Stunden. Ich will nicht, aber Skinner besteht auf seinem Bericht. Na ja und da du ja noch ein paar Tage hier bleiben musst zur Beobachtung, dachte ich, ich komme am Freitag wieder her und du bekommst endlich deine versprochene Inselführung. Was meinst du?" Dana zog ihn sanft zu sich, küsste seinen Mund zärtlich und lächelte ihn an. "Einverstanden. Was hast du in der Tasche?"

"Oh, ich muss gut aufpassen. Die Frau meiner Träume hat scharfe Augen." Mulder zog ein Paket hervor und drückte es Dana in die Hand. "Ich dachte, es wäre ganz nett, wen du in den nächsten Tagen nicht ganz so alleine wärst.", erklärte er und wartete gespannt, bis Dana einen Teddy aus dem Paket nahm.

"Oh, Mulder! Der ist echt süß. Danke."

"Nur halb so süß wie du.", entgegnete er flirtend und Danas Dankeschönkuss wurde erst von der Schwester unterbrochen, die mit dem Mittagessen kam.

"Ich muss los. Sieh zu, dass du schnell wieder gesund wirst." Dana lächelte und sah Mulder nach, bis sich die Tür hinter ihm schloss. Sie drückte den Teddy. Wenn eine Woche nur nicht sieben Tage hätte.



The End
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