Angel of mine! by Kinona
Summary: Alles was zu einer typischen Weihnachtsgeschichte gehört: eine unmögliche Liebe, Schnee, Engel, ein Baby und... Vampire?!
Categories: NoRomo Characters: Dana Scully, Fox Mulder, Original Character(s)
Award-Winner: Keine
Sprache: Deutsch
Tags: General, Mystery, UST, X-File
Challenges:
Series: Keine
Chapters: 4 Completed: Ja Word count: 12895 Read: 5634 Published: 11 Mar 2012 Updated: 11 Mar 2012
Story Notes:
Ich würde diese Story zwar gerne meinem dunklen Engel weihen, doch stattdessen widme ich sie allen, die zur kältesten Zeit des Jahres, wenn der Mensch am meisten Wärme braucht, alleine sind!

1. Kapitel 1 by Kinona

2. Kapitel 2 by Kinona

3. Kapitel 3 by Kinona

4. Kapitel 4 by Kinona

Kapitel 1 by Kinona
Glauben Sie an Engel? Ich meine richtige Engel! Und daran, dass sie unter uns wandeln? Ich auch nicht. Eigentlich... Wobei: Warum eigentlich nicht? Vielleicht... glaube ich ja doch. Vielleicht will ich ja glauben. Schließlich haben wir doch Weihnachten, die Zeit der Wunder...






Gefallene Engel
„...and then you tell me, that even angels fall. Sometimes when it´s quiet, I can hear you call!“



Hastigen Schrittes lief sie durch die dunklen Seitenstraßen. Es war kalt. Der Blick des blassen, rothaarigen Mädchens war starr auf den schneebedeckten Boden gerichtet. Sie genoss das knirschende Geräusch unter ihren Füßen. Ohne aufzusehen fand sie blind ihren Weg. Als sie stehen blieb, schneite es immer noch. Mit zittrigen Händen öffnete sie das hohe Eisentor und betrat lautlos das riesiges Gelände. Eine plötzliche Bewegung und ein Geräusch in der Dunkelheit ließen sie zusammenzucken. Erst als sie ein vertrautes Miauen hörte, erkannte sie das kleine, schwarze Kätzchen, das aus dem Gebüsch getreten war. Glitzernde Schneeflocken glänzten in seinem Fell. Etwas unbeholfen schüttelte es sich, um die kalte Nässe loszuwerden, bevor es sie wieder mit leuchtend grünen Augen ansah und miaute.
„Ambrosius!“, lächelte sie und nahm den kleinen Kater in ihre Arme.
Die Anspannung war gewichen.
„Hast du mich vielleicht erschreckt!“, sprach sie leise, während sie zärtlich durch das weiche Fell streichelte. Dankbar begann das Kätzchen zu schnurren. Mit Ambrosius auf ihrem Arm setzte sie den Weg zu dem riesigen weißen Haus fort. Ein Schwall von lauter Musik und Partylärm drang aus dem Haus, als die Tür plötzlich geöffnet wurde. Überrascht sah sie auf, und der Anblick der sich ihr bot, zauberte ein Lächeln auf ihr blasses Gesicht. Ein Mann stand in der Tür und wartete. Beobachtete, wie sie ihre Schritte beschleunigte und auf ihn zukam. Sein Gesicht war faltenlos und schön, wie das der Märtyrer und Heiligen auf alten Gemälden. Mit hohen Wangenknochen und schwarzen Augen. Das lange dunkle Haar bewegte sich leicht im eiskalten Wind. Er war etwas zu dünn, um gut gebaut zu sein. Bewegungslos stand er da. Erst als sie bei ihm angelangt war, schloss er seine starken Arme um sie.
„Ich habe auf dich gewartet!“, flüsterte er und seine Stimme ließ ihr einen kalten Schauer über den Rücken fahren.
Während sie sich in seine Umarmung kauerte, fiel sein Blick plötzlich auf eine Gestalt, die hinter dem schweren Eisentor stand. Ihre Blicke trafen sich für einen Augenblick. Nur kurz waren die blonden Haare des Mannes zu sehen, bevor er wieder in der Dunkelheit der Nacht verschwunden war. Zärtlich zog er das Mädchen, das immer noch in seinen Armen lag, ins Haus und schloss die Tür hinter ihnen. Mit großen grünen Augen blickte sie in die unergründlichen dunklen Tiefen der seinen. Vorsichtig erhob sie sich auf die Zehenspitzen und berührte mit ihren Lippen seinen Mund. Fast automatisch schloss sie dabei ihre Augen.
„Mary!“, unterbrach sie eine bekannte Frauenstimme. „Da bist du ja!“
Das blondhaarige Mädchen kam mit einem Champangerglas in der einen Hand und der Flasche in der anderen auf sie zugetorkelt. Sie war hübsch, das war nicht zu übersehen. Und jung. Das kurze, hautenge, schwarze Kleid war nicht gerade billig gewesen.
„Wir haben dich schon vermisst!“, erklärte sie grinsend.
„Ich konnte nicht früher“, lächelte Mary.
„Aber jetzt bist du ja da“, erwiderte sie aufgedreht. „Du musst unbedingt mit reinkommen: Die Party ist toll!“
Das Mädchen war offensichtlich angeheitert, doch noch nicht wirklich betrunken.
„Ana!“, mischte sich der Mann plötzlich in das Gespräch der beiden jungen Frauen ein. „Mary und ich wären jetzt lieber alleine.“
„Ach komm schon, Luc!“, bettelte Ana. „Sei kein Spielverderber! Immerhin ist das deine Party. Da kannst du doch nicht einfach verschwinden!“
Der dunkelhaarige Mann wollte etwas erwidern, doch Mary legte ihm sanft den Finger auf den Mund.
„Tun wir ihr doch den Gefallen!“, flüsterte sie. „Nur kurz! Danach hast du mich ganz für dich alleine, die ganze Nacht lang!“
„Werden sie dich nicht vermissen?“, fragte er erstaunt.
„Solange ich morgen früh um sechs zur Zimmerkontrolle zurück bin, merkt keiner, dass ich weg war!“, grinste sie und zog sich noch näher an ihn heran. Dann hauchte sie ihm einen Kuss auf die Lippen, nahm seine Hand und führte ihn, Ana hinterher, in den Partysaal.

Mit lautlosem Schritt betrat ein Mann das Gelände. Vorsichtig sah er sich um. Sein Blick fiel auf die große Terrasse, wo man durch riesige Fenster ins Innere des Hauses sehen konnte. Das Licht war gedämmt. Er trat näher heran. Dann bemerkte er die drei Personen, die den Raum betraten. Das Zimmer war voll mit Menschen. Durch die Fensterscheiben hindurch konnte er gedämpfte Musik hören. Mit tiefblauen Augen beobachtete er die leichtbekleideten, jungen, wunderschönen Frauen, die ausgelassen tanzten und sich mit den Männern vergnügten. Und er sah ihn. Wie er schützend seine Arme um die Hüften des zierlichen, rothaarigen Mädchens legte, das neben ihm stand und mit neugierigen grünen Augen die Geschehnisse im Raum verfolgte. Das blonde Mädchen, das mit ihnen den Raum betreten hatte, lief tänzelnd auf einen der Männer zu. Verführerisch schmiegte sie sich an ihn, und sie gesellten sich zu den anderen Personen, die bereits in der Mitte des Raumes tanzten. Die Stimmung war spannungsgeladen und an Erotik nicht mehr zu übertreffen. Sie begannen sich zu küssen. Erst zärtlich, dann leidenschaftlich. Erneut fiel sein Blick auf das rothaarige Mädchen. Fasziniert beobachtete sie die Szene, bevor er mit seiner Hand zärtlich über ihre Hüften strich um ihre Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mit einem sanften Lächeln antwortete sie auf seinen fragenden Blick. Ein weiteres Mal hauchte sie ihm einen Kuss auf seine blassen Lippen, dann führte er sie sanft aber bestimmt aus dem Raum hinaus. Momente lang sah er ihnen hinterher, dann blickte er wieder zu dem blonden Mädchen und ihrem Tanzpartner. Ein weiterer Mann hatte sich mittlerweile zu ihnen gesellt. In stillschweigender Übereinkunft führten sie die beiden Männer zu einer Couch. Während ihr Tanzpartner sie immer noch leidenschaftlich küsste, strich der andere Mann sanft über ihren jungen Körper und begann mit geübten Fingern, ihr das Kleid auszuziehen. Mit zärtlichen Küssen bedeckte er ihre nun freie Brust. Plötzlich biss er zu. Seine spitzen Zähne fuhren in das weiße Fleisch ihres Busens. Das warme, rote Blut floss in seinen Mund, und er trank. Erst jetzt erkannte er, dass auch aus ihrem Mund Blut tropfte, während ihr Tanzpartner es, sie immer noch küssend, gierig aufsog. Ein weiterer Mann hatte ihren Arm ergriffen und begann zu trinken. Das Mädchen wehrte sich nicht. Der Rausch hatte sie in eine vollkommene Ekstase versetzt. Weitere Männer gesellten sich dazu, während der Rest der Menge dem ganzen Geschehen keinerlei Aufmerksamkeit schenkte. Dann war nur noch eine leblose, blutleere Hülle von dem blonden Mädchen übriggeblieben. Einer der Männer schloss ihre Augen. Sie blieb auf der Couch liegen, wie in tiefem Schlaf. Dann mischten sie sich wieder unter die Menge, als ob nichts geschehen wäre...

Vorsichtig führte er sie in den ihr so vertrauten Raum. Ein Schlafzimmer. Leise schloss er die Tür hinter ihnen. Das Licht der brennenden Kerzen spiegelte sich in den weißen Seidenlacken des riesigen Bettes wider. Und der Geruch von Wachs und Weihrauch lag in der Luft. Er hatte auf sie gewartet. Erst jetzt wurde ihr das so richtig bewusst. Diese Vorstellung zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sie sah ihn an, doch der unsichere, fast flehende Blick in seinen Augen, ließ ihr eine Gänsehaut über den Rücken fahren. Vorsichtig trat sie einen Schritt auf ihn zu und strich ihm zärtlich übers Gesicht. Sie konnte sein Verlangen spüren. Seinen Durst. Er wollte sie! Er brauchte sie mit einer Intensität, die sie noch nie zuvor erlebt hatte.
„Komm!“, flüsterte sie und führte ihn zum Bett.
Er setzte sich. Sanft schlang sie seine Arme um ihn.
„Du bist blass, mein dunkler Engel“, sprach sie.
Er sah zu ihr hinauf und küsste sie. Ungeduldig. Leidenschaftlich erwiderte sie seinen Kuss.
„Trink!“, unterbrach sie ihn plötzlich.
Irritiert sah er für einen Moment in ihre giftgrünen Augen. Doch er war nicht wirklich überrascht. Dunkel erinnerte er sich an das erste Mal, als er sie getroffen hatte: Sie war nicht im Geringsten erstaunt gewesen, als er ihr Blut getrunken hatte. Sie hatte nicht einmal Angst gehabt. Und sie hatte sich nicht einmal abgewandt, wenn sie ihn auf seinen nächtlichen Streifzügen begleitet hatte. Sie beobachtete ihn vielmehr mit der selben Faszination, mit der sie ein Baby beobachten würde, das gestillt wird. So als wären die Szene, die sich ihr bot, die natürlichste Sache der Welt. Sie hatte nie Fragen gestellt. Aber mit der Zeit hatte sie gelernt. Sie konnte sehen, ob er getrunken hatte, und wie viel. Zärtlich strich er ihr eine Strähne ihres roten Haares aus dem Gesicht, berührte die weiße Haut ihres dünnen Halses. Sanft berührte er sie mit seinen Lippen, küsste sie. Er konnte das Blut spüren, wie es warm und süß durch ihre Adern floss. Dann biss er zu und trank. Sein Griff wurde fester, doch sie wehrte sich nicht. Ihr Körper entspannte sich vielmehr unter seinen Händen. Er wusste, dass sie sich nicht fürchtete vor dem Tod. Sie vertraute ihm. Es gab nur noch sie und ihn und das warme Blut, das in seinen Mund floss. Und alles andere war im Moment nebensächlich.

Ein zufriedenes Lächeln umspielte Agent Scullys Gesicht, als sie das Büro im Basement des FBI-Gebäudes betrat. Sie wusste nicht warum, aber die glitzernden Lichter, die zu dieser Jahreszeit an jedem Haus zu sehen waren und der frisch gefallene Schnee, der die ganze Landschaft in ein eisiges Weiß tauchte, hatten eine unglaublich beruhigende Wirkung auf sie. Es war wie Streicheleinheiten für die Seele: Die Zeit stand still. Nichts zählte mehr.
„Guten Morgen, Mulder!“
„Scully!“, entgegnete ihr Partner aufgeregt. „Da sind Sie ja!“
In Zeitlupentempo bewegte sich Scullys linke Augenbraue in Richtung Haaransatz. Skeptisch blickte sie ihren Partner an. Seine auffällig gute Laune verhieß nichts Gutes.
„Was haben Sie diesmal?“, wollte sie wissen.
Sie nahm sich fest vor, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
„Was soll das heißen, Scully?“, fragte er, ein breites Zahnpastalächeln im Gesicht. „Darf ich nicht einfach so einmal gut gelaunt sein?“
Mit vielsagendem Blick sah sie ihn an und stellte ihre Tasche ab.
„Was ist es?“, erwiderte sie.
Noch breiter grinsend streckte er ihr ein Foto entgegen. Darauf war der Leichnam eines jungen, zierlichen Mädchens mit langen blonden Haaren zu sehen.
„Ana Simens“, erklärte Mulder. „Ihr Leichnam wurde heute Morgen in einem Park gefunden. Doch das Fehlen jeglicher Spuren am Fundort, lässt vermuten, dass sie nicht dort umgebracht wurde. An ihrem Körper wurden keinerlei Spuren der Gewaltanwendung gefunden. Bis auf drei Bisswunden. An der Brust, am Handgelenk und am Hals.“
Er reichte ihr ein weiteres Foto mit der Vergrößerung einer Bisswunde. Zwei winzige rote Einstiche. Scully lehnte sich gegen den Schreibtisch und spürte plötzlich, wie jegliches Gefühl von Zufriedenheit und innerer Ruhe von ihr wich. Und irgendwie hatte sie das unbestimmte Gefühl, gleich Kopfschmerzen zu bekommen.
„Todesursache war der hohe Blutverlust. Der Körper war beinahe blutleer, als er gefunden wurde, jedoch kein Blut am Fundort“, fuhr er fort.
„Mulder, bitte sagen Sie mir, dass Sie nicht vorhaben, drei Tage vor Weihnachten Vampire zu jagen!“ Ein flehender Unterton schwang in Danas Stimme mit.
„Wer hat den etwas von Vampiren gesagt?“, fragte Mulder mit gespielter Entrüstung.
Wieder schoss Scullys Augenbraue in die Höhe.
„Okay, okay! Ich gebe ja zu: Das war auch mein erster Gedanke!“, entgegnete er. „Aber bevor wir Buffy Konkurrenz machen, sollten wir einer gewissen Maria-Magdalena Lights einen Besuch abstatten. Es wurden nämlich Fingerabdrücke von ihr an Ana Simens Leichnam gefunden.“
Etwas überrascht sah Dana von den Notizen auf. Vielleicht würde dieser Fall ja doch nicht ganz so schlimm werden, wie sie befürchtete hatte.
„Und wissen Sie auch wo wir diese Mrs. Lights finden können?“



„Maria-Magdalena Lights befindet sich seit ihrem zwölften Lebensjahr in unserer sogenannten halboffenen Abteilung“, erklärte die mollige, schwarze Pflegerin, während sie die beiden FBI-Agenten durch die langen Flure der Psychiatrie führte. „Das heißt, dass sie sich zwar frei bewegen kann, aber unter ständiger Beobachtung steht.“
„Weshalb befindet sich Mrs. Lights bei Ihnen in Behandlung?“, wollte Scully wissen.
„Sie wurde damals nach einem Selbstmordversuch eingeliefert. Es wurde eine manische Depression mit Suizidgefahr diagnostiziert“, antwortete die Pflegerin. „Allerdings hat sich ihr Zustand mittlerweile stabilisiert. Ich verstehe nicht, weshalb das FBI etwas von ihr will.“
„Wir wollen Mrs. Lights nur ein paar Fragen stellen“, erklärte Mulder.
Sie waren am Ende des Flures angelangt. Die Pflegerin öffnete eine Tür, die hinaus in einen kleinen Park führte. Scully erblickte ein junges, zierliches, rothaariges Mädchen, das dort mit ein paar kleinen Kindern im Schnee herumtobte. Es schien ihr sichtlich Freude zu bereiten.
„Scheint, als würde dieser Vampir das Tageslicht nicht scheuen!“, flüsterte sie lächelnd ihrem Partner zu.
Mulder quittierte es mit einem gequälten Grinsen. Er hasste es, wenn Scully Recht hatte.
„Sie kümmert sich oft um die Kleinen“, erklärte die ältere Frau. „Die Kinder lieben sie. - Mary, könntest du mal geschwind herkommen?“, wandte sie sich dann dem rothaarigen Mädchen zu.
Erst jetzt schien Maria-Magdalena die Drei überhaupt wahrzunehmen. Sie wandte sich noch schnell an die Kinder, bevor sie hastigen Schrittes auf die FBI-Agenten zukam.
„Mary, das sind die Special-Agents Mulder und Scully vom FBI. Sie würden dir gerne ein paar Fragen stellen.“
Irritiert blickte das Mädchen von der Pflegerin zu den FBI-Agenten. Scully glaubte, so etwas wie Angst in ihren Augen aufblitzen sehen zu können.
„Setzten wir uns doch“, bat Mulder und deutete auf eine Holzbank, die ganz in der Nähe stand.
Mary nickte stumm.
„Wenn Sie mich nicht mehr brauchen, gehe ich mal wieder an meine Arbeit“, mischte sich die Pflegerin noch einmal ein und wandte sich zum Gehen.
Die FBI-Agenten warteten bis sie außerhalb ihrer Hörweite war, bevor sie Maria-Magdalena die erste Frage stellten.
„Mrs. Lights...“
„Nennen Sie mich doch bitte Mary!“, unterbrach sie den FBI-Agenten.
Scully sah das Mädchen an. Maria-Magdalena war der Inbegriff dessen, was bei Männern den Beschützerinstinkt weckte. Sie war zierlich, fast dürr und nicht sonderlich groß. Ja sie war sogar gute fünf Zentimeter kleiner als die FBI-Agentin selber, was selten genug vorkam. Das Mädchen war blass, und unter ihrem gepflegten Make-up konnte Scully Augenringe erkennen, die verrieten, dass sie heute Nacht wohl nicht sehr viel geschlafen haben konnte. Dennoch ließ das Funkeln in ihren leuchtend grünen Augen eine innere Unruhe erahnen.
„Okay, Mary“, begann Mulder erneut das Gespräch. „Wir würden Ihnen gerne ein paar Fragen zu Ana Simens stellen.“
„Ana? Was ist mit ihr?“ Maria-Magdalena schien ernsthaft überrascht zu sein.
„In was für einem Verhältnis standen Sie zu Mrs. Simens?“, wollte Mulder wissen.
„Ana ist eine sehr gute Freundin von mir. Sie ist vor zwei Jahren hier entlassen worden, aber wir sehen uns fast täglich. Warum fragen Sie?“
Ein kalter Wind blies. Erst jetzt bemerkte Mulder, dass das Mädchen zitterte.
„Sollen wir vielleicht reingehen?“, fragte er vorsichtig.
Doch plötzlich begann Panik sich in Maria-Magdalenas Augen breitzumachen.
„Was ist mit Ana?“ Sie versuchte diese Frage so ruhig wie möglich zu stellen, was ihr nicht sonderlich gut gelang.
„Mrs. Ana Simens’ Leiche wurde heute morgen in einem nahegelegenen Park gefunden“, antwortete Mulder wahrheitsgemäß.
Er versuchte eine Gefühlsregung in ihrem blassen Gesicht auszumachen. Vergeblich. Maria-Magdalena starrte auf die im Schnee spielenden Kinder.
„An dem Leichnam wurden Ihre Fingerabdrücke gefunden“, mischte sich Scully plötzlich ein.
Marys plötzlicher Stimmungsumschwung schien sie im Gegensatz zu ihrem Partner nicht sonderlich zu irritieren. Sie wandte ihren leeren Blick von den Kindern zu der FBI-Agentin.
„Ana war gestern Nachmittag bei mir“, antwortete sie auf die ungestellte Frage. „Mrs. Brown, meine Pflegerin, wird Ihnen das bestätigen können.“
„Wo waren Sie gestern Nacht zwischen 22 und 24 Uhr?“, fragte nun der FBI-Agent.
Wieder blickte Maria-Magdalena abwesend zu den spielenden Kindern.
„In meinem Zimmer. Ab zehn ist hier Sperrstunde!“ Sie blickte zu Mulder. „Kann ich Ihnen sonst noch irgendwie helfen? Wenn nicht, würde ich jetzt gerne zurück zu den Kleinen gehen.“
Plötzlich kam ein Windhauch auf, ergriff eine Strähne von Maria-Magdalenas rotem Haar, die ihren Hals verdeckt hatte, und enthüllte zwei kleine, unscheinbare, rote Punkte.
„Sicher!“, entgegnete Scully. „Das wäre für’s Erste alles.“
Kapitel 2 by Kinona
Ehrfurchtsvoll betrat der blonde Mann den nur von Kerzen erleuchteten Raum. Von Weitem schon erkannte er die Person, die in der ersten Reihe saß. Sie waren alleine in der riesigen Kirche. Er befeuchtete die Finger seiner rechten Hand mit Weihwasser und machte das Kreuzzeichen. Langsamen Schrittes ging er auf ihn zu. Wortlos setzte er sich neben ihn, nicht ohne sich noch ein letztes Mal vor dem Kreuz hinzuknien.
„So sieht man sich wieder“, begrüßte ihn der Mann, ohne ihn auch nur anzusehen.
Er schien nicht im Geringsten überrascht.
„Wie lange ist es nun her?“, wollte er wissen.
„Was sind schon Jahrzehnte, Raphael, wenn man die Ewigkeit zur Verfügung hat?“
Aus unruhigen tiefdunklen Augen blickte er ihn an. Raphael versuchte darin zu lesen, doch sie waren so unergründlich und geheimnisvoll wie immer.
„Ich hätte nicht geglaubt, dich jemals an einem solchen Ort anzutreffen“, erklärte er mit einer Geste in den Raum hinein.
„Ich habe Gefallen an Kirchen gefunden“, entgegnete er. „Ich liebe den Geruch von Weihrauch.“
„Und darum verweilst du in der Welt der Sterblichen?“, fragte Raphael erstaunt.
„Die Zeiten ändern sich“, antwortete er. „Die Menschen ändern sich - und wir ändern uns auch.“
„Du hast sie gehasst, vom ersten Tage ihrer Schöpfung an“, entgegnete Raphael.
Es lag keinerlei Vorwurf in seiner Stimme. Es war nur eine einfache Feststellung.
„Ja!“, nickte er. „Ich war neidisch. Neidisch auf ihre perfekte Unvollkommenheit und darauf, dass er sie mehr liebte als uns. Mehr liebte als mich: Ich war sein Schützling, bis zu jenem verhängnisvollen Tag, als er Adam und Eva formte!“
„Und doch lebst du nun unter ihnen, Luzifer, warum?“, wollte er wissen.
Wieder blickte er ihn aus diesen undurchdringlichen Augen an.
„Hab ich den nicht das Recht auf Vergebung?“, entgegnete Luzifer. „Das Recht, mich zu ändern? Die Ewigkeit ist eine verdammt lange Zeit, um zu bereuen, Raphael. Und um Buße zu tun. Ich wurde verstoßen! Ich bin gefallen, Raphael. Ich habe meine Strafe bekommen. Ich wurde zu Satans erstem Engel. Seine Ansprüche waren weniger hoch als die des Herrn. Satan ist nicht so wählerisch in der Auswahl seiner Diener. Er gab mir das verfluchte Blut Kains zu trinken, und seine unheilige Macht. Und so diene ich ihm nun: Ein Geschöpf des Herrn, wie er auch. Warum glaubst du, hat Gott ihn erschaffen, Raphael? Schau dich um: Schau dir an, was die Menschen aus seinem einstigen Paradies gemacht haben! Warum lässt Gott das zu, Raphael, was glaubst du?“
Ein wildes Glühen lag in seinen Augen, als er ihn fragend ansah.
„Die Wege des Herrn sind unergründlich“, antwortete Raphael. „Und es ist nicht an uns, sie in Frage zu stellen.“
„Und was, wenn er einfach nur das Interesse verloren hat?“, wollte Luzifer wissen. „Was, wenn er die Menschen einfach aufgegeben hat, so wie mich damals?“
„Gott hat dich niemals aufgegeben, Luzifer! Dich nicht, und die Menschen nicht!“
Eine angespannte Stille trat ein. „Was willst du von diesem Mädchen?“, fragte Raphael plötzlich.
„Du hast Recht“, entgegnete Luzifer, seine Frage scheinbar ignorierend. „Ich hasste die Menschen. Doch ich habe mich geändert. Ich beginne zu begreifen, weshalb er sie so hingebungsvoll liebt.“
„Sag mir nicht, dass du dich in die Menschheit verliebt hast und deshalb unter ihnen weilst“, erwiderte Raphael mit einem leicht ironischen Unterton in seiner Stimme.
„Nein“, antwortete Luzifer. „Aber in dieses junge Mädchen, nach dem du fragst.“
Überrascht blickte ihn Raphael aus seinen tiefblauen leuchtenden Augen an.
„Ich habe mich geändert, Raphael“, erklärte Luzifer. „Sie hat mich geändert.“
Verwirrung und Zweifel lagen in den Augen des Engels.
„Du beobachtest mich seit Tagen“, begann Luzifer nach einer Weile wieder das Gespräch. „Warum?“




God´s angels...
„My only love sprung from my only hate, too early seen unknown and known too late! Prodigious birth of love it is to me, that I must love a loathed enemy“ (Romeo and Juliette, Shakespear)

„Sie hat was?“ Ungläubig blieb die FBI-Agentin stehen.
Ein leicht hysterischer Unterton schwang in Scullys Stimme mit.
„Eine Bisswunde!“, antwortete Mulder, als wäre es die natürlichste Sache der Welt. „An ihrem Hals!“
Die beiden FBI-Agenten standen mitten im Flur der Psychiatrie.
„Jetzt sagen Sie bloß, Sie haben es nicht auch gesehen!“, fuhr Mulder fort.
Ein pochender Schmerz begann sich in Scullys Hinterkopf auszubreiten.
„Wenn Sie diese zwei winzig kleinen roten Punkte an Maria-Magdalena Lights Hals meinen: Ja, ich habe sie gesehen. Und sie können von allem Möglichen stammen! Vielleicht hat sie ja irgendwelche Spritzen bekommen.“
„In die Halsschlagader?“, unterbrach sie Mulder ungläubig.
„Es könnte sich auch um Insektenstiche handeln...“
„Im Winter?“
„... oder eine allergische Reaktion auf die ihr verschriebenen Medikamente“, fuhr die FBI-Agentin unbeirrt fort.
„Oder um eine Bisswunde von einer Person mit überdurchschnittlich langen Eckzähnen!“, entgegnete ihr Partner trotzig.
„Mulder, muss ich Sie wirklich an das letzte Mal erinnern, als Sie glaubten, sich als Vampirjäger profilieren zu müssen?“, fragte Dana zynisch.
Sie wusste selber nicht, warum sie sich dermaßen über das Verhalten ihres Partners aufregte. Es war ja schließlich nicht das erste Mal, dass er derartig abwegige Theorien aufstellte. Vielleicht hatte sie sich die letzten Tage des Jahres einfach etwas... weniger turbulent vorgestellt. Mulder blickte an die Decke, dann sah er sie wieder an.
„Maria-Magdalena Lights’ Fingerabdrücke wurden an der Leiche von Ana Simens gefunden. Hier sind doch überall Kameras. Alles was ich will, ist herauskriegen, ob Mrs. Lights die Wahrheit sagt“, erklärte er. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Scully: Wir schauen uns die Überwachungsvideos von der Tatnacht an. Wenn Mary tatsächlich die ganze Nacht in ihrem Zimmer verbracht hat, verspreche ich, nie wieder irgendwelche Bissspuren zu erwähnen.“
Einen Augenblick sah Dana ihn schweigend an und schien zu überlegen, doch sie wusste, dass sie nicht wirklich eine Wahl hatte.
„Einverstanden!“, nickte sie. „Je eher wir diesen Fall lösen, desto besser!“



Nebel hatte sich breitgemacht und hüllte die schneebedeckte Welt in einen geheimnisvollen und undurchdringlichen Mantel. Ruhigen Schrittes lief Raphael über den Friedhof. Mit eisig blauen Augen betrachtete er die scheinbar unendlich vielen Gräber. Er las die vielen in Stein gemeißelten Namen und Jahreszahlen und versuchte, einen Sinn darin zu erkennen. Doch Zeit war ihm kein Begriff. Und auch Vergänglichkeit war dem Engel so fremd wie den Sterblichen die Ewigkeit. Wundernd und anmutig schritt er durch die Reihen. Bis ihm plötzlich eine marmorne Statue auffiel: Eine kalte weiße wunderschöne Engelsstatue mit riesigen Flügeln. In dem steingemeißelten Gesicht war Mitleid zu erkennen. Vorsichtig streckte Raphael seine Hand aus und berührte das Abbild. Einen Moment lang fragte er sich, ob die Menschen sie tatsächlich auf diese Art und Weise sahen. Mitfühlend, schön, doch unantastbar. Und er fragte sich, wie nah sie der Wahrheit damit wohl tatsächlich kamen.
„An ziemlich unbelebten Orten hältst du dich auf!“, unterbrach plötzlich eine Stimme seine Gedanken.
Raphael drehte sich um, doch er wusste, wen er sehen würde.
„Nun, offenbar wird es hier bald mehr Leben geben, als die Menschen sich vorstellen können, Gabriel!“, antwortete er.
„Und alle Toten werden auferstehen, und gerichtet werden...“, zitierte der Engel mit den kurzen braunen Haaren und gelbbraunen Augen.
„Alles geht zu Grunde, Gabriel, nicht wahr?“, fragte Raphael. „Sie werden alle sterben. Das Leben, wie sie es kannten, wird es nicht mehr geben.“
„Denjenigen, die es wert sind, winkt die Ewigkeit an der Seite des Herrn“, entgegnete Gabriel.
„Doch zu welchem Preis?“, entgegnete der blonde Engel unsicher. „Glaubst du wirklich, dass es das Wert ist?“
„Es ist nicht an uns, das zu entscheiden“, undurchdringlich blickte ihn Gabriel an. „Wir führen nur aus, was uns befohlen wird. Meine Aufgabe ist es, das Unvermeidliche einzuläuten und die freudige Nachricht zu verkünden, dass unser Herr auf die Erde zurückgekehrt ist!“
„Du weißt genau, was das bedeutet“, erwiderte Raphael. „Er wird kommen zu richten die Lebenden und die Toten. Und es werden beginnen die letzten Tage der Erde!“
„Du zweifelst?“
Einen Augenblick überlegte der blonde Engel. Seine eisblauen Augen blickten wieder auf die marmorne Statue.
„Nein“, antwortete er. „Aber ich frage mich nach dem Warum.“
„Hast du sie gefunden?“, wollte Gabriel plötzlich wissen.
„Ja“, nickte Raphael. „Doch sie ist nicht allein...“



Maria-Magdalena war vollkommen außer Atem, als sie vor Luzifer Blacks Anwesen ankam. Sie war den ganzen Weg hierher gerannt. Unbestimmte Gefühle von Angst und Trauer kamen in ihr auf. Tränen liefen über ihre blassen Wangen, als sie klopfte. Es dauerte scheinbar ewig bis er die Tür öffnete.
„Ana ist tot!“ Sie blickte Hilfe suchend in seine unruhigen dunklen Augen, und glaubte etwas wie Überraschung und Furcht darin erkennen zu können.
Zärtlich nahm er sie in seine starken Arme. Er wartete einen Augenblick, bis sie sich etwas beruhigt hatte, unsicher wie er auf ihre Tränen, die er nicht verstand, reagieren sollte. Dann führte er sie hinein in das abgedunkelte Haus.
„Das FBI hat den Fall übernommen“, erklärte sie.
Luzifer blickte das zitternde rothaarige Mädchen an. Nur langsam begann er zu verstehen, was sie ihm zu sagen versuchte. Es war nicht nur die beste Freundin, um die sie weinte. Sie hatte Angst. Angst um ihn!
„Was, wenn sie alles herausfinden?“, fragte sie mit Tränen erstickter Stimme.

Ungläubig starrte Dana Scully auf den Überwachungsbildschirm.
„Ich hatte Recht!“, grinste Mulder. „Maria-Magdalena war in der Tatnacht nicht in ihrem Zimmer. Laut diesen Aufzeichnungen hat sie das Haus um 22.30 Uhr verlassen, und ist erst gegen halb sechs am Morgen zurückgekommen.“
„Das heißt, dass sie für die Tatzeit kein Alibi mehr hat“, erwiderte Scully.
„Vielleicht sollten wir uns doch noch einmal mit ihr unterhalten“, nickte ihr Partner.
Sie verließen den Überwachungsraum im Erdgeschoss des Gebäudes und liefen zur Anmeldung.
„Könnten Sie uns sagen in welchem Zimmer wir Maria-Magdalena Lights finden?“, fragte Mulder.
„Es tut mir leid“, antwortete die Frau an der Rezeption. „Mrs. Lights hat vor ungefähr zehn Minuten das Haus verlassen.“
„Hat sie gesagt, wo sie hin wollte?“, mischte sich nun die FBI-Agentin ein.
„Nein“, erwiderte die Frau. „Sie wollte spazieren gehen. Doch wohin genau hat sie nicht gesagt.“
„Könnten wir uns vielleicht einmal in ihrem Zimmer umsehen?“ Mulder zeigte der Frau seinen Ausweis.
„Aber sicher“, antwortete diese irritiert. „Zimmer 301.“



Schlafend lag Maria-Magdalena auf der selben Couch, auf der letzte Nacht noch der leblose Körper ihrer besten Freundin gelegen hatte. Sie lag zusammengekauert da wie ein kleines Kind. Beinahe zärtlich strich er ihr eine Strähne ihres roten Haares aus dem Gesicht. Ambrosius hatte sich neben sie gesetzt und schnurrte. Luzifer betrachtete dieses friedliche Bild. Er versuchte es zu genießen. Doch eine unbestimmte Vorahnung quälte ihn. Plötzlich zuckte der Kater zusammen und seine Nackenhaare stellten sich auf. Fauchend trat er noch einen Schritt auf Maria-Magdalena zu. Irritiert folgte Luzifer Ambrosius’ Blick und sah eine ihm bekannte Gestalt im Raum stehen.
„Gabriel!“
„Welch ein Anblick“, entgegnete der braunhaarige Mann und sah mit seinen gelbbraunen Augen zu dem schlafenden Mädchen. „Die schlafende Psyche und ihr angebeteter Eros.“
„Was willst du?“ Luzifer gab sich nicht die geringste Mühe, freundlich zu sein.
„Raphael sagte mir, wo ich dich finden würde.“ Der Engel trat näher.
Beschützend trat Luzifer vor Maria-Magdalena.
„Erst Raphael, dann du! Woher dieses plötzliche Interesse an mir?“, wollte er wissen. „Ihr habt euch doch sonst nicht so um mich gekümmert.“
„Du tust uns Unrecht“, antwortete Gabriel. „Du hast damals deine Entscheidung getroffen, und wir die unsere.“
„Was willst du?“, wiederholte Luzifer seine Frage.
„Ein interessantes Leben führst du“, sprach Gabriel, seine Frage scheinbar ignorierend. „In Luxus und Reichtum, das Blut Kains in deinen Adern, und mit einer eigenen kleinen Schar von Jüngern...“
„Du irrst dich!“
„Ach ja? Du glaubst sie beten dich an, weil du ihnen die Unsterblichkeit geschenkt hast. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie sich auflehnen gegen ihren Schöpfer. So wie du gegen den deinen“, erklärte der Engel mit durchdringendem Blick. „Ich bin gekommen, dich zu warnen, Luzifer: Du hast sie nicht im Griff! Beende es, solange du noch kannst. Warum, glaubst du, machte Gott sie sterblich?“
„Seit wann kümmert dich, was aus mir wird?“, entgegnete Luzifer zynisch.
Gabriels Blick fiel wieder auf das schlafende Mädchen.
„Hier geht es um weit mehr, als nur um dein eigenes Schicksal, Luzifer“, antwortete er.



... and Devil´s slaves
„Ich hab mich gesehnt danach, mein Herz zu verlieren - jetzt verlier ich gleich den Verstand. Totale Finsternis, ein Meer von Gefühl und kein Land... Einmal dachte, ich bricht Liebe den Bann - jetzt zerbricht sie gleich meine Welt. Totale Finsternis, ich falle und nichts, das mich hält...“ (Totale Finsternis, Tanz der Vampire)

Ohne genau zu wissen, wonach sie eigentlich suchten, betraten die beiden FBI-Agenten Maria-Magdalena Lights’ Zimmer. Es war nicht sonderlich groß, dennoch strahlte es eine angenehme Gemütlichkeit aus. Aus einem Räuchergefäß am Fenstersims strömte der Duft von Weihrauch. Und über dem einfachen Holzbett hing ein Kruzifix, um das ein Rosenkranz gebunden war. Scully nahm die auf dem Nachttisch liegende Bibel in ihre Hände.
„Scheint, als wäre Maria-Magdalena Lights eine sehr gläubige Christin“, wandte sie sich an Mulder. „Sollten da die Vampire nicht einen großen Bogen um sie machen? Ich meine, was ist mit der Sache mit dem Kruzifix?“
„Jetzt sagen Sie bloß, Sie glauben an das alte Märchen, nach dem man Vampire mit so etwas in die Flucht schlagen kann, Scully!“ Grinsend nahm Mulder die Bibel an sich. „Jedes Kind weiß doch, dass gerade das Blut von Unschuldigen einen besonderen Reiz ausübt!“
„Natürlich!“, lächelte Dana. „Wie konnte ich das nur vergessen! Und nach was genau suchen wir?“
„Keine Ahnung“, antwortete ihr Partner wahrheitsgemäß.
Mulder war bereits wieder dabei, sich umzusehen.
„Schauen Sie sich das mal an!“ Er reichte Scully eine Zeichnung, die auf dem kleinen Schreibtisch gelegen hatte.
Darauf war eine Art Engelsgestalt zu erkennen, mit dunklen Haaren, dunkeln Augen und pechschwarzen Flügeln.
„Scheint als wäre Mrs. Lights eine talentierte Malerin“, entgegnete Scully überrascht, doch Mulder war bereits dabei, sich die Bücher im Regal anzusehen.
„Ja - und zwar eine, die besessen zu sein scheint von Vampiren und Engeln. Zumindest handeln sämtliche Bücher in ihrem Zimmer von diesen beiden Themen.“
„Und was für einen Zusammenhang soll es Ihrer Meinung nach zwischen diesen beiden Themen geben?“, fragte die FBI-Agentin skeptisch.
„Es sind beides sehr interessante Mythen, deren Wurzeln bereits in der Bibel verankert sind. Sie kennen doch die Legende von Kain“, antwortete Mulder.
„Sie meinen, die nach der Kain das Blut seines Bruders Abel, den er zuvor erschlagen hatte, trank“, entgegnete Dana wissend.
„Und somit zum ersten Vampir wurde, ja!“, antwortete Mulder.
„Okay. Und was haben Engel mit der ganzen Sache zu tun?“, fragte die FBI-Agentin.
„Das weiß ich nicht“, entgegnete ihr Partner. „Sie sind doch die Christin hier.“
„Mulder, warum werde ich das Gefühl nicht los, dass Sie mir etwas verschweigen?“, erwiderte Dana. Mit erhobener Augenbraue und durchdringendem Blick musterte sie ihn.
„Ana Simens ist nicht das erste Opfer dieser Art“, erklärte Mulder plötzlich. „Seit ungefähr vier Jahren wurden in dieser Gegend in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen blutleere Leichen mit Bisswunden aufgefunden. Meistens handelte es sich dabei jedoch um Personen die niemand vermisste: Prostituierte oder Obdachlose.“
„Und wieso hat bis jetzt noch nie jemand einen Zusammenhang zwischen den Morden vermutet?“, fragte sie irritiert.
„Die meisten davon wurden nicht mal als Morde eingestuft, geschweige denn geahndet“, erwiderte Mulder.
„Sie vermuten also einen Vampirclan“, konterte Dana. „Hier, mitten in Washington, D.C!“
Doch Mulder war längst wieder dabei, in Maria-Magdalenas Sachen herumzukramen. Erneut nahm er die Zeichnung in die Hand. Plötzlich fiel ihm die Signatur auf.
„Maria-Magdalena, 22.11.2000, Hilton-Avenu 90“, las er laut vor.
„Hilton-Avenue?“ Dana nahm die Zeichnung an sich. „Das ist ein paar Straßen weiter von hier.“
„Vielleicht sollten wir uns diese Gegend mal genauer ansehen.“



Das Anwesen in der Hilton-Avenue 90 war imposant. Ein riesiges weißes, dreistöckiges Haus mit einer wunderschönen Terrasse auf einem noch größeren Grundstück. Etwas weiter hinten war ein Swimmingpool zu erkennen, der, wie das dampfende Wasser verriet, beheizt war. Es dauerte ein paar Augenblicke, bevor die Tür geöffnet wurde. Überrascht erkannten die beiden FBI-Agenten Maria-Magdalena Lights.
„Agent Mulder! Agent Scully! Was machen Sie den hier?“, fragte sie irritiert.
„Das selbe wollten wir Sie gerade fragen!“, entgegnete Scully.
„Kleines?“, rief plötzlich eine männliche Stimme aus dem oberen Stockwerk. „Wer ist an der Tür?“
Ein dunkelhaariger Mann tauchte auf der Treppe auf. Überrascht sah er die beiden Agenten an.
„Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“, wollte er wissen.
„Ich bin Special Agent Fox Mulder vom FBI. Und das ist Special Agent Dana Scully, meine Partnerin“, erklärte Mulder während er seinen Ausweis vorzeigte. „Wir waren auf der Suche nach Maria-Magdalena Lights.“
„Jetzt haben Sie mich ja gefunden“, unterbrach Mary. „Also: Was wollen Sie?“
Maria-Magdalenas Tonfall ließ erkennen, dass sie nicht gerade erfreut war die beiden Agenten zu sehen und dass sie sie so schnell wie möglich loswerden wollte. Der dunkelhaarige Mann war mittlerweile bei ihnen angelangt und legte schützend die Arme um Mary. Irritiert beobachtete Scully ihn. Seine Bewegungen hatten etwas Anmutiges an sich und eine unglaubliche Präsenz schien von ihm auszugehen. Plötzlich blickte er sie aus unruhigen dunkeln Augen an, und Scully bemerkte, dass sie unbewusst angefangen hatte, mit ihrer Kette zu spielen. Mir dem unguten Gefühl, ertappt worden zu sein, ließ sie das Kreuz los und schaute zu Boden. Sie konnte spüren, wie sie rot wurde.
„Wir wollen wissen, wo Sie gestern abend zwischen zehn und zwölf Uhr waren“, entgegnete Mulder ungerührt.
„In meinem Zimmer in der Klinik“, antwortete Mary schnippisch. „Das habe ich Ihnen doch bereits gesagt!“
„Wir haben uns die Bänder der Überwachungskameras angeschaut, Mary“, konterte Mulder. „Sie haben die Klinik gegen 22.30 Uhr verlassen und sind erst um 5.30 Uhr wieder zurückgekehrt.“
„Sie war bei mir“, mischte sich der dunkelhaarige Mann plötzlich in das Gespräch mit ein.
Überrascht sahen ihn Scully, Mulder und Maria-Magdalena an. Angst strahlte aus Marys Augen.
„Ist schon gut“, flüsterte er ihr zu. „Sie werden uns nichts tun.“
„Entschuldigen Sie bitte“, wandte sich Scully an ihn. „Wir haben diese Adresse in Mrs. Lights Zimmer gefunden. Ist das Ihr Anwesen?“
„Ja“, lächelte er, und das Lächeln raubte Scully für einen Augenblick den Atem.
Sie hatte nicht erwartet dass der Besitzer eines solchen Anwesens so jung sein würde. Er sah aus wie höchstens Mitte Dreißig. Wobei sie bei näherem Hinsehen immer mehr Schwierigkeiten hatte, sein Alter tatsächlich einzuschätzen. Er streckte ihr die Hand entgegen.
„Mein Name ist Luzifer Black.“
„Und Mrs. Lights war gestern Nacht bei Ihnen?“, fragte Mulder.
„Ja“, antwortete Luzifer. „Ich habe eine kleine Party für ein paar Freunde gegeben. Und Maria-Magdalena war eingeladen. Die anderen Gäste werden Ihnen das bestätigen können. Aber kommen Sie doch erst mal herein.“
Er führte Sie in das geräumige Wohnzimmer. Durch die riesigen Fenster konnte Scully hinaus auf die Terrasse blicken.
„Eine wunderschöne Kette haben Sie da, Dana!“, flüsterte er ihr zu, als er an ihr vorbei kam.
Irritiert blickte ihn die Agentin an. Wieder hatte sie unbewusst nach dem Anhänger an ihrer Kette gegriffen. Sie hätte es nie zugegeben, aber irgendwie machte sie dieser Mann nervös.
„Und warum haben Sie heute Morgen nichts von dieser Party erwähnt?“, fragte Mulder, der sich bereits wieder Mary zugewandt hatte.
„In der Klinik werden solche Ausflüge nicht gerne gesehen“, antwortete Maria-Magdalena unsicher.
„Verstehe“, nickte Mulder.
„Mr. Black, kannten Sie Ana Simens?“, fragte Dana.
„Ja. Maria-Magdalena hat sie ein paar Mal mitgebracht. Sie sollte gestern auch da sein, aber sie ist nicht aufgetaucht“, antwortete Luzifer ruhig. „Schrecklich, was da passiert ist!“
„Okay“, unterbrach Mary plötzlich. „Dann wissen Sie ja jetzt, wo ich zur Tatzeit war. Haben Sie sonst noch Fragen?“
Es war offensichtlich, dass ihr die ganze Situation unangenehm war und sie die Agenten loswerden wollte. Luzifer dagegen war unglaublich ruhig. Zärtlich hielt er Marys Hand. Sie kauerte sich förmlich in seine Umarmung.
„In was für einem Verhältnis stehen Sie beide eigentlich zueinander?“, wollte Dana plötzlich wissen.
Eine unangenehme Stille trat ein. Irritiert sah Mary von Luzifer zu Scully.
„Luzifer hat mich einmal vor Jahren davon abgehalten, von einer ziemlich hohen Brücke zu springen“, antwortete sie zögernd. „Er hat mir das Leben gerettet...“



„An dieser Sache ist irgendwas faul!“, erklärte Mulder als sie in ihrem Basement-Büro des FBI-Gebäudes angekommen waren.
„Welchen Teil der Geschichte meinen Sie?“, fragte Dana zynisch. „Dass er sie im letzten Augenblick davon abgehalten hat, sich umzubringen, dass er eine Party für seine Freunde gegeben hat, auf der sich auch Maria-Magdalena Lights befand, oder dass sich ein wohlhabender, gutaussehender Mann im mittleren Alter mit einem manisch depressiven Teenager abgibt?“
„Es ist alles so unglaubwürdig“, konterte Mulder ihre Frage ignorierend.
„Unglaubwürdig?“, lächelte Scully und schmiss ihre Jacke auf ihren Stuhl. „Dieses Wort aus ihrem Mund ist... irgendwie erschreckend!“
„Ach kommen Sie, Scully!“, nörgelte er. „Da steckt mehr dahinter!“
Einen Moment lang dachte sie wieder an Luzifer Blacks Blick.
„Wir haben keinerlei Beweise, Mulder. Sie sind doch nur sauer, dass Luzifer Black scheinbar weder Blut trinkt, noch das Tageslicht scheut“, erklärte sie, den Gedanken bei Seite schiebend.
Einen Moment lag sah ihr Partner sie irritiert an.
„Sie fanden Ihn gutaussehend?“, fragte er ungläubig.

Wütend betrat er die leere Kirche. Durch das farbige Glas der Fenster drang kaum Licht. Nur ein paar Kerzen brannten und spendeten Licht und Wärme. Entschlossen blieb er mitten im Raum stehen und blickte sich um.
„Raphael!“, schrie er. „Zeige dich, Raphael! Ich weiß, dass du hier bist!“
Beinahe geräuschlos trat der blonde Engel aus dem Schatten. Ihre Blicke trafen sich.
„Was willst du von mir, Luzifer?“, fragte er ruhig.
„Ich hatte Besuch von Gabriel!“ Seine dunklen Augen blickten unruhig. „Er kam, um mich zu warnen. Was geht hier vor?“
„Gabriel hat dir alles gesagt, was du wissen musst.“
Raphael wollte sich abwenden, doch Luzifer hielt ihn fest.
„Ich will wissen, was los ist!“, erklärte der dunkle Engel. „Was passiert hier?“
Mit durchdringendem Blick sah er ihn aus eisblauen Augen an.
„Wir führen nur aus, was uns befohlen wird“, antwortete Raphael. „Gabriel trifft die Vorbereitungen, die ihm aufgetragen werden.“
„Und was habe ich damit zu tun?“
Luzifer versuchte in dem tiefen Blau von Raphaels Augen zu lesen. Das Glühen darin verriet ihm, dass ihn dieses Gespräch nicht unberührt ließ.
„Es geht nicht um dich, Luzifer“, antwortete der blonde Engel. „Es ging von Anfang an nicht um dich!“
„Woher dann dieses plötzliche Interesse an meinem Leben?“, entgegnete Luzifer aufgebracht.
Ruhig sah Raphael in seine wilden, dunklen Augen.
„Vielleicht haben wir ja die selben Interessen“, erwiderte er.
„Und die wären?“ Ungeduld sprach aus Luzifers Stimme.
„Tut mir leid“, erwiderte der blonde Engel. „Ich kann dir nicht weiter helfen.“
Und mit einem letzten Blick in seine wunderschönen Augen ließ er den dunklen Engel verwirrt und aufgewühlt stehen.
Kapitel 3 by Kinona
Mühelos riss Luzifer den Deckel von dem teuren Holzsarg. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, dennoch waren seine „Kinder“ noch nicht erwacht.
„Wir müssen reden!“, erklärte er bestimmt.
Der dunkelblonde Mann darin blickte ihn irritiert an. Er sah jung aus. Er konnte nicht viel älter als 21 gewesen sein, als er zum Vampir geworden war. Luzifer erinnerte sich noch sehr gut daran. Tristan war seine erste Schöpfung gewesen. Doch erst jetzt, nach all den Jahren, fiel ihm auf, welch verblüffende Ähnlichkeit er mit Raphael hatte. Die selben leuchtend blauen Augen, aus denen jetzt - wo er so unsanft aus dem Schlaf gerissen worden war - das blanke Entsetzten strahlte.
„Luzifer!“, rief Tristan sichtlich um Ruhe bemüht. „Was verschafft mir die seltene Ehre?“
Anmutig stieg er aus seinem Holzsarg und strich sich die Kleider zurecht. Ein vornehmer und doch jugendlicher, dunkelgrauer Anzug. Das halblange Haar fiel ihm wirr ins Gesicht.
„Vielleicht habe ich mich bisher ja nicht deutlich genug ausgedrückt, darum sage ich es jetzt ein letztes Mal.“ Wut blitzte aus Luzifers Augen. „Die Sterblichen, die in meinem Haus verkehren, stehen unter meinem persönlichen Schutz. Und jeder, der sich an ihnen vergreift, hat die Konsequenzen zu tragen!“
„Geht es etwa um dieses blonde Mädchen?“, fragte Tristan schnippisch.
„Ana Simens!“, antwortete Luzifer und kam ihm gefährlich nahe.
„Warum regst du dich so auf über diese Sache?“, wollte der junge Vampir wissen. „Sie wusste, worauf sie sich einlässt und sie stand in der Nahrungskette nun mal eine Stufe unter uns. Das ist der Lauf der Dinge!“
„Sie hat uns vertraut! Es war unnötig, sie umzubringen. Diese Menschen bringen große Opfer, um uns einen Gefallen zu tun.“
„Richtig: Sie beten uns an!“, unterbrach ihn Tristan wütend. „Und sie sind bereit, für ihre dunklen Heiligen zu sterben. Also, was soll das Ganze? Du hast dich doch früher nicht über solche Kleinigkeiten aufgeregt, Luzifer.“
„Ihr Tod hat unnötige Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Das FBI war heute bei mir!“, erklärte Luzifer unruhig.
Das Leuchten in Tristans Augen machte ihn nervös. Er kannte es! Und zum ersten Mal wurde ihm bewusst, dass Gabriel Recht haben könnte. Was, wenn er seine Schöpfung tatsächlich nicht mehr im Griff hatte?
„Das FBI!“, rief Tristan herablassend. „Seit wann kümmert dich so etwas? Was können sie uns denn schon tun? Vergiss nicht, Luzifer, dass du einer von uns bist, egal was deine Maria-Magdalena auch in dir sehen mag! Wir töten, um zu überleben, so einfach ist das. Das hast du mich gelehrt!“
„Du hast nicht die geringste Ahnung, was ich bin, Tristan!“, zischte Luzifer mit einer Mischung aus Angst und Wut in seiner Stimme. „Ich habe dir und all den anderen die Gabe der Unsterblichkeit gegeben - und wenn es darauf ankommt, kann ich sie euch wieder nehmen. Das kannst du von mir aus allen ausrichten!“
„Dieses Mädchen hat dir die Sinne vernebelt!“, schrie er ihm hinterher, und verletzter Stolz klang in seiner Stimme mit. Doch Luzifer war bereits verschwunden.

Tristan war wütend, als er sich auf die Jagd machte, enttäuscht und in seinem Stolz verletzt. Er hatte zu Luzifer aufgesehen, schließlich war er sein Schöpfer gewesen und sein Meister. Er hatte ihm die dunkle Gabe gegeben und ihn gelehrt, damit umzugehen. Tristan war all die Jahre sein gelehriger Schüler gewesen, und jetzt zog er dieses sterbliche Mädchen ihm vor. Blutdurst stieg in ihm auf und steigerte seine Wut und Entschlossenheit nur noch mehr. Die Stärkeren töteten die Schwächeren. Sie töteten, um zu überleben. Alle waren Teil der selben Nahrungskette, mit dem einzigen Unterschied: dass sie ganz oben standen. Luzifer selbst hatte ihm das beigebracht, und plötzlich stellte er irgendwelche Regeln auf. Sollte er sich doch zum Narren machen und kriechen vor den Sterblichen! Wenn der Meister nicht mehr wusste, was er tat, dann war es vielleicht an der Zeit, den Meister abzusetzen. Plötzlich zog ein Geräusch in der Dunkelheit seine Aufmerksamkeit auf sich. Es waren Schritte. Und sie kamen näher. Lautlos trat er in die Dunkelheit und verschmolz mit den Schatten. Überrascht erkannte Tristan ein zierliches junges Mädchen. Ihre roten Haare wehten im eiskalten Wind. Und plötzlich nahmen seine undeutlichen Gefühle und Gedanken Formen an.

So vorsichtig wie noch nie hatte sich Maria-Magdalena aus dem Gebäude geschlichen. Sie musste ihn sehen! Und diese beiden FBI-Agenten würden sie nicht daran hindern. Schützend zog sie ihre Jacke noch enger um sich. Es war kalt. Unter der frischen Schneedecke konnte sie bei jedem ihrer Schritte eine dünne Eisschicht knirschen hören. Unbewusst beschleunigte sie ihren Schritt, bis sie beinahe rannte. Ein ungutes Gefühl beschlich sie plötzlich. Maria-Magdalena glaubte Blicke in ihrem Rücken spüren zu können, als ob sie beobachtet würde. Ängstlich blickte sie sich um, doch außer ihr war weit und breit niemand zu sehen. Plötzlich wurde sie unsanft festgehalten. Noch bevor sie schreien konnte, erkannte sie den Täter.
„Tristan!“, flüsterte sie erleichtert. „Du hast mich erschreckt.“
„Hat dir Luzifer nicht gesagt, dass es gefährlich ist, des Nachts so alleine durch die Straßen zu irren?“, entgegnete der Vampir zynisch.
Erst jetzt erkannte das rothaarige Mädchen das wütende Glitzern in seinen Augen. Ein teuflisches Grinsen umspielte plötzlich seine sanften Lippen. Sie konnte fühlen, wie Tristans Griff noch fester wurde. Er spürte ihre Angst und genoss dieses Gefühl von totaler und unbeschreiblicher Macht.
„Böses Mädchen!“, zischte er. „Es wird ihm das Herz brechen, wenn er merkt, was seinem ungezogenen Schützling widerfahren ist!“
Sie konnte seinen Atem auf ihrer Haut spüren.
„Nein!“ Es war ein leises Flehen.
Tränen liefen über ihre blassen Wangen. Unsanft legte er die weiße Haut ihres Halses frei und biss zu. Gierig trank er das warme, süße Blut, das ihm entgegenströmte. Jeder Schluck davon eine Genugtuung. Sie wehrte sich, doch ohne Erfolg. Er war stark. Deutlich konnte Tristan spüren, wie die Kraft aus ihrem Körper wich und sie immer schwächer wurde. Maria-Magdalena hörte auf sich zu wehren und fühlte, wie ihre Sinne schwanden.



Schutzengel
„Im Sommer war das Gras so tief, das jeder Wind daran vorüberlief. Ich habe da dein Blut gespürt, und wie es heiß zu mir herüber ran. Du hast nur mein Gesicht berührt, da starb einfach der harte Mann. Weil´s solche Liebe nicht mehr gibt: Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt... Du sagst, das es bald Kinder gibt, wenn man sich in dein rotes Haar verliebt. So rot wie Mohn, so weiß wie Schnee...“ (In Extremo, Rotes Haar)

Plötzlich wurde Tristan zu Boden geworfen. Bewusstlos landete Maria-Magdalena im kalten Schnee. Irritiert sah er auf und erkannte Luzifers Gestalt.
„Ich habe dich gewarnt!“ Wut strahlte aus seinen dunklen Augen, so deutlich, dass es Tristan für einen Augenblick den Atem nahm.
Hastig erhob er sich vom Boden.
„Entscheide dich endlich!“, schrie er. „Entweder diese verfluchten Sterblichen oder dein eigen Fleisch und Blut. Deine Schöpfung! Du kannst nicht beides haben, Luzifer! Sie sind nichts weiter als Nahrung!“
„Meine Entscheidung ist schon längst gefallen, Tristan!“, zischte Luzifer. „Solltest du mir noch einmal unter die Augen treten, werde ich dich so zurichten, dass selbst Satan die Finger von dir lässt.“
„Was?“ Irritiert sah ihn der junge Vampir aus strahlend blauen Augen an.
„Verschwinde!“, entgegnete Luzifer entschlossen.
Ungläubig, ängstlich, verletzt und wütend drehte sich Tristan um und verschwand in der Dunkelheit. Noch ein letztes Mal wandte er sich an seinen Schöpfer.
„Du willst Krieg, Luzifer?“, schrie er. „Das kannst du haben!“
Vorsichtig kniete sich Luzifer zu dem bewegungslos daliegenden Mädchen. Ängstlich fühlte er ihren Puls und stellte erleichtert fest, dass sie noch lebte. Zärtlich nahm er sie in seine Arme.
„Es wird alles wieder gut!“, flüsterte er. „Jetzt bin ich ja bei dir.“
Mühelos hob er sie hoch und trug sie auf seinen Armen davon. Hinter ihm trat eine anmutige Gestalt aus der Dunkelheit, die die ganze Szene tatenlos beobachtet hatte. Mit gelbbraunen Augen sah Gabriel ihm hinterher. Raphael hatte Recht gehabt. Die ganze Angelegenheit lief nicht wie geplant.

Das Klingeln ihres Handys weckte Dana Scully aus ihrem unruhigen Schlaf. Beinahe mechanisch und noch im Halbschlaf griff die FBI-Agentin nach dem Telefon.
„Scully!“
„Ich bin´s!“, ertönte die Stimme ihres Partners am anderen Ende der Leitung.
„Mulder, was gibt´s?“
Dana richtete sich auf und sah aus dem Fenster. Draußen hatte kaum die Dämmerung eingesetzt. Immer noch glitzerte der Schnee im Mondschein. Sie blickte auf ihren Wecker. Halb sieben!
„Die Klinik hat gerade angerufen. Maria-Magdalena Lights wird seit gestern Abend vermisst“, antwortete Mulder. „Ihre Pflegerin macht sich große Sorgen. Aber ich habe da einen Verdacht, wo Mary stecken könnte.“
„Luzifer Black!“, erwiderte Scully, mittlerweile vollkommen wach.
„Richtig!“, antwortete Mulder. „Wir treffen uns vor seinem Anwesen.“



Wortlos betraten die beiden FBI-Agenten das Gelände. Es dauerte einige Augenblicke, bevor die Tür geöffnet wurde. Mit vielsagendem Blick sah Dana in Luzifer Blacks Augen.
„Agent Scully, Agent Mulder: Ich habe Sie bereits erwartet!“, begrüßte er sie.
Irritiert traten die beiden FBI-Agenten an ihm vorbei ins Haus. Nur beiläufig stellte Scully fest, dass es ungewöhnlich dunkel im Raum war.
„Luzifer?“, hörten sie plötzlich Maria-Magdalenas Stimme aus dem Wohnzimmer. „War das die Türklingel?“
Ungläubig starrten die Agenten auf das blasse Mädchen, das plötzlich in der Zimmertür stand.
„Agent Mulder! Agent Scully!“, begrüßte Mary sie überrascht.
„Was geht hier vor?“, fragte Mulder, der als Erster seine Fassung wiedergewonnen hatte.
„Maria-Magdalena wurde gestern Abend angefallen“, erklärte Luzifer.
Seine Stimme war ruhig, und sein Gesicht ließ keinerlei Gefühlsregung erkennen. Schutz suchend flüchtete Mary in seine Arme. Ihr Haar war wirr. Sie trug offenbar einen von Luzifers Pullovern, der ihr viel zu groß war.
„Was?“ Scully wusste immer noch nicht genau, was sie von all dem halten sollte.
„Ich war auf dem Weg hierher, da hat mich ein Mann überrascht“, antwortete Maria-Magdalena unsicher. „Zum Glück ist Luzifer zufällig aufgetaucht.“
„Zufällig?“ Ungläubig sah Mulder von ihr zu Luzifer.
„Er hat mir das Leben gerettet!“, erwiderte Mary bestimmt.
Wütend blickte sie den FBI-Agenten aus giftgrünen Augen an.
„Setzten wir uns doch erst mal“, wandte sich Luzifer mit ruhiger Stimme an Scully und Mulder, während er ihr beruhigend über den Rücken strich. Mulders Blick fiel auf Maria-Magdalenas Hals, an dem eine frische Bissspur zu erkennen war.
„Einverstanden!“, nickte Dana. „Ich rufe nur schnell in der Klinik an, um Bescheid zu sagen, das wir Mrs. Lights gefunden haben.“



„Mrs. Lights...“
„Mary!“, unterbrach sie das rothaarige Mädchen genervt.
Maria-Magdalena sah aus wie ein kleines Häufchen Elend, so wie sie auf dem unbequemen Holzstuhl saß. Die beiden FBI-Agenten hatten sie zurück in die Klinik und in ihr Zimmer gebracht. Sie hatte Luzifer Blacks Haus nur widerwillig verlassen, doch sie war zu schwach gewesen, um sich zu wehren. Immer noch schien sie jeden Augenblick zusammenbrechen zu können. Trotz der Decke, die ihr die FBI-Agenten um die Schultern gelegt hatten zitterte sie. Ihr rotes Haar fiel ihr wirr und strähnig ins blasse Gesicht. Es war offensichtlich, dass Maria-Magdalena Lights eine harte Nacht hinter sich hatte.
„Mary“, begann Scully erneut. „Sie müssen uns helfen. Wir wollen doch nur herausfinden, was Ihrer Freundin Ana Simens zugestoßen ist.“
„Warum glauben Sie, dass ausgerechnet ich Ihnen dabei helfen kann?“, fragte das Mädchen irritiert.
„Mary, woher stammen diese Bisswunden an Ihrem Hals?“, mischte Mulder sich in das Gespräch ein.
Mit ausdruckslosem Blick sah sie den FBI-Agenten an. Einen Augenblick schien sie zu überlegen.
„Das würden Sie ja doch nicht verstehen!“, entgegnete sie dann.
„Wie wäre es, wenn Sie es einfach darauf ankommen lassen?“, konterte Scully. „Was ist gestern Abend passiert?“
„Ich wurde angefallen, das sagte ich doch bereits!“ Aus Maria-Magdalena Lights Stimme war eindeutiges Desinteresse zu hören.
„Kannten Sie den Täter?“, wollte Dana wissen.
Schweigend sah Mary zu Boden.
„Der Mann, der Sie gestern Abend angefallen hat, ist wahrscheinlich der selbe, der Ihre Freundin auf dem Gewissen hat“, fuhr Scully fort. „Und noch einige andere Menschenleben! Wenn Sie uns nicht helfen ihn zu fassen, werden es vielleicht noch mehr.“
Die FBI-Agentin versuchte in Maria-Magdalenas giftgrünen Augen zu lesen - vergeblich.
„Ich kann Ihnen nicht helfen!“, antwortete sie.
„Weil Sie Luzifer Black schützen wollen?“, fragte Dana.
„Luzifer Black hat mit all dem nichts zu tun!“, erwiderte Mary. „Er hat mir vor Jahren einmal das Leben gerettet, und gestern Abend wieder. Er... er ist mein Schutzengel.“
Maria-Magdalenas Blick schien in weite Ferne gerichtet zu sein. Ein verträumtes Lächeln umspielte ihre Lippen. Mulders Blick fiel auf ihre Zeichnung, die immer noch auf dem Schreibtisch lag. Er nahm sie an sich.
„Dann soll dieses Bild hier wohl ihn darstellen?“
Unsicher sah sie den FBI-Agenten an. Sie überlegte einen Moment, bevor sie stumm nickte und das Bild aus seiner Hand nahm.
„Mary, was wissen Sie über Vampire?“, fragte Mulder plötzlich.
Scullys linke Augenbraue schoss in Richtung Haaransatz, und auch Maria-Magdalena Lights’ Blick war verwirrt.
„Sie trinken Blut, scheuen das Tageslicht...“, antwortete sie unsicher. „Luzifer ist kein Vampir!“
Irritiert über diese Aussage sahen die beiden FBI-Agenten das Mädchen an.
„Ich sagte Ihnen doch bereits: Er ist ein Engel. Mein dunkler Engel!“



„Und was jetzt?“, fragte Scully, als sie Maria-Magdalenas Zimmer verließen.
„So kommen wir nicht weiter!“, entgegnete Mulder. „Was meint sie damit? Er ist ihr dunkler Engel?“
Erschöpft ließ Scully ihre Schultern hängen und blieb stehen.
„Mulder, Sie können so etwas doch nicht tatsächlich wörtlich nehmen. Er hat ihr offenbar zwei Mal das Leben gerettet. Maria-Magdalena ist manisch-depressiv: Sie ist nicht zurechnungsfähig. Und außerdem glaube ich nicht einmal, dass sie das volle Ausmaß dieser Situation überhaupt begreift.“
„Ich glaube, da steckt mehr dahinter!“, konterte ihr Partner.
„Sie wollen damit doch nicht etwa andeuten dass Luzifer Black ´der´ Luzifer ist. Der erste Engel, der fiel, als Gott die Menschen erschuf?“ Ungläubig starrte Scully in Mulders Augen. „Ach kommen Sie, Mulder... Ich meine... - ganz davon abgesehen, dass das alles nur eine Legende ist -, was hat es mit unserem Fall zu tun? Und was ist aus Ihrer Vampirclan-Theorie geworden?“
„Das weiß ich nicht, Scully. Aber ich bin dafür, ihn zu beschatten. Vielleicht kriegen wir es dann heraus.“
„Meiner Meinung nach hat Mrs. Lights eine Überwachung wesentlich nötiger!“, erwiderte Dana.
„Mary?“ Nun war es an Mulder, seine Partnerin ungläubig anzuschauen.
„Maria-Magdalena Lights wurde gestern Nacht von jemanden angefallen, der aller Wahrscheinlichkeit nach auch ihre Freundin Ana Simens auf dem Gewissen hat. Offensichtlich kennt Maria-Magdalena den Täter und deckt ihn. Doch er kann sich nicht sicher sein, dass das auch so bleibt. Somit besteht eindeutig die Gefahr, dass er erneut versuchen wird, sie zu töten.“
Augenblicke lang schien Mulder zu überlegen. Einen Moment lang wollte er erwidern, dass es sich bei diesem Fall nicht um einen normalen Mordfall handelte, doch er musste zugeben, dass Dana Recht hatte. Solange Anas Mörder nicht gefasst war, war Mary in Gefahr.
„Dann übernehmen Sie Maria-Magdalena Lights, und ich Luzifer Black!“, antwortete er.
„Mulder, das ist nicht Ihr Ernst! Wir sind seit heute morgen auf den Beinen, und jetzt wollen Sie alleine eine gesamte Nachtüberwachung übernehmen?“
Unbeeindruckt hielt Mulder ihrem Blick stand. Ein triumphierendes Lächeln umspielte seine Lippen.
„Haben Sie eine bessere Idee?“



Seit Stunden wartete Fox Mulder vor dem Anwesen von Luzifer Black darauf, dass sich endlich etwas tat. Er war sich sicher, dass dieser Mann etwas mit dem Fall zu tun haben musste. Sein Gefühl hatte ihn noch nie im Stich gelassen. Doch langsam wurde es wirklich kalt in dem geparkten Wagen. Und er konnte sich lebhaft vorstellen, wie Scully frierend in ihrem Wagen saß und ihn für diese Idee verfluchte.
Plötzlich wurde das Licht im Haus gelöscht. Mulder öffnete vorsichtig die Wagentür und machte sich bereit. Lautlos folgte er Luzifer Black, der kurz darauf das Haus verließ, in Richtung Nervenheilanstalt. Doch Luzifer war schnell. Er bewegte sich anmutig und lautlos und schien mit den Schatten der Häuser zu verschmelzen. Und kurz bevor sie bei der Psychiatrie angelangt waren hatte Mulder ihn verloren. Er rannte zum Wagen, in dem seine Partnerin vor dem Hospital Wache hielt, und riss die Tür auf.
„Haben Sie ihn gesehen?“, fragte er aufgebracht.
„Wen?“, wollte Dana wissen.
„Luzifer Black!“, antwortete Mulder noch immer völlig außer Atem. „Er ist in diese Richtung gelaufen.“
„Hier ist es jedenfalls nicht aufgetaucht.“ Scully stieg aus dem Wagen.
„Verdammt!!“ Wütend trat Mulder gegen den Autoreifen. „Wir haben ihn verloren.“
„Und jetzt?“, wollte Dana wissen.
„Wir müssen die ganze Sache abblasen“, entgegnete ihr Partner.
„Nein!“, sagte Dana plötzlich. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Luzifer Black heute Nacht noch hier auftaucht!“
Ungläubig blickte Fox Mulder sie an.

Die Nacht hatte bereits um sich gegriffen und Dunkelheit hatte sich in Maria-Magdalena Lights’ Zimmer breitgemacht. Nur die Lampe auf ihrem Schreibtisch spendete ihr beim Zeichnen noch Licht. Sie wartete. Und versuchte, sich mit ihrer Malerei davon abzulenken. Sie würde nach allem, was passiert war, nicht alleine einschlafen können. Das wusste er. Er hatte gesagt, sie wäre hier sicher. Und Maria-Magdalena vertraute ihrem dunklen Engel. Dennoch war sie erleichtert, als sie endlich seine weichen, kalten Hände auf ihren Schultern spürte. Wie immer erschien er plötzlich und lautlos. Sie sah hinauf und blickte in seine wunderschönen, unruhigen, dunklen Augen und ein Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Ich habe auf dich gewartet!“, flüsterte sie und berührte sanft mit ihren Lippen seinen Mund.
Zärtlich erwiderte er ihren Kuss. Beinahe unbändig schlang sie ihre Arme um ihn und genoss für einen Augenblick seinen Atem auf ihrer Haut und den gleichmäßigen Rhythmus seines Herzschlags.
„Lass mich heute Nacht nicht alleine einschlafen müssen!“, bat sie.
In seinen Augen konnte sie sehen, dass er den Grund ihrer Worte nicht verstand.
„Ich liebe dich, mein dunkler Engel!“, wisperte sie und strich ihm zärtlich eine Strähne seines Haares aus dem Gesicht. „Lass mich heute Nacht, in der Hoffnung morgen früh in deinen Armen aufzuwachen, wundervoll träumen.“
Scheinbar mühelos hob er sie von ihrem Stuhl. Wieder berührte sie mit ihren Lippen die seinen. Plötzlich mischte sich der Geschmack von Blut in die Leidenschaft des Kusses. Ihrem Blut! Doch sie ließ ihn gewähren.
Kapitel 4 by Kinona
Angelic pride
„Als aber die Menschen anfingen, sich auf der Erde zu mehren, und ihnen Töchter geboren wurden, sahen die Engel, dass die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich zu Weibern, welche sie nur wollten (...) Zu jenen Zeiten... als die Engel zu den Töchtern der Menschen sich gesellten und diese ihnen Kinder gebaren, waren die Mischwesen auf Erden...“ Gen 6, 1-4

Plötzlich schreckte sie hoch. Noch bevor ihr klar wurde, was sie aus ihrem Traum gerissen hatte, sah sie ihn. Ein Mann stand in ihrem Zimmer. Er hatte lange, blonde, fast gelbe Haare. Und obwohl sowohl Tür als auch Fenster geschlossen waren und kein Licht ins Zimmer drang, schien er von hellem und doch sanftem Licht erstrahlt zu sein. Aufrecht und ängstlich saß sie im Bett und wollte schreien, als sie bemerkte, dass Luzifer verschwunden war, doch kein Ton entkam ihrer Kehle. Langsam, fast andächtig, kam er auf sie zu. Dann erkannte sie seine hellblauen, strahlend sanften Augen und plötzlich schien sich ein Gefühl der Ruhe in ihr auszubreiten.
„Fürchte dich nicht Maria-Magdalena!“, sprach er und seine Stimme hallte in ihrem Innern wider und beruhigte sie auf unerklärliche Weise.
Dennoch kauerte sie sich zusammen, als er sich zu ihr aufs Bett setzte. Mit tiefblauen Augen sah er sie an.
„Denn ich bringe dir eine freudige Nachricht.“
Er legte seine Hand auf ihre Stirn. Sie wagte es kaum zu atmen, als sie ihm die Frage stellte.
„Wer bist du?“
„Mein Name ist Raphael“, erklärt er. „Doch viel wichtiger ist, wer du bist.“
Seine Hand wanderte vorsichtig zu ihrem Bauch. Mit ungläubigem Blick verfolgte sie jede seiner Bewegungen, bevor sie wieder in das leuchtende Blau seiner Augen sah, und er weitersprach:
„Du wirst ein Kind gebären...“



Schweigend saßen die beiden FBI-Agenten in ihrem Wagen vor der Klinik. Unaufhaltsam starrte Scully auf die Eingangstür. Er musste einfach auftauchen! Sie wusste nicht genau warum, aber eine innere Stimme sagte ihr, dass Luzifer Black früher oder später bei Maria-Magdalena auftauchen würde. Doch so langsam wich ihre wage Vorahnung einem anderen Gefühl. Dem Gefühl, einen Fehler begangen zu haben. Sie konnte Mulder am Gesicht ansehen, dass er ebenfalls nicht mehr damit rechnete Luzifer Black heute Abend noch einmal anzutreffen. Sie hätte auf ihn hören sollen: Wahrscheinlich wäre es das Beste gewesen, einfach schlafen zu gehen...
Plötzlich wurden ihre Gedankengänge von einer unerwarteten Bewegung in der Dunkelheit unterbrochen: Die Tür der Klinik wurde geöffnet.
„Mulder!“, zischte sie und deutete auf die beiden Gestalten, die auf die Straße traten.
Eine davon ein Mann mit langen, blonden Haaren und wehendem Mantel, die andere Maria-Magdalena Lights in ihrem Nachthemd. In stillschweigender Übereinkunft warteten die Agenten, bis sich die Personen außerhalb ihrer Hörweite befanden, bevor sie die Wagentüren öffneten und ihnen, mit gezogener Waffe, hinterherrannten. Doch Maria-Magdalena und ihr Begleiter waren schnell. Schon an der nächsten Straßenecke hatten die Agenten sie verloren. Einen Augenblick lang standen Mulder und Scully unentschlossen an der Kreuzung.
„Sie laufen zu Luzifer Blacks Anwesen!“, beschloss Scully. „Ich suche die Gegend nach ihnen ab!“
Und ohne Mulders Zustimmung abzuwarten, lief sie los.

Unsicher blickte sich Luzifer in der kleinen Kirche um. Kerzen brannten, und es roch nach Weihrauch. Doch diesmal bemerkte er die Schönheit dieser Dinge nicht. Etwas anderes hatte seine Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
„Weshalb hast du mich herbestellt?“, wollte er wissen, als er endlich die braunhaarige Gestalt am Altar entdeckte.
Doch noch bevor Gabriel antworten konnte, wurde die Tür erneut geöffnet. Überrascht erblickte Luzifer, wie Raphael näher trat.
„Was soll das hier werden?“, entgegnete er zynisch. „Eine Art fröhliches Familientreffen?“
„Wir müssen mit dir reden“, antwortete der blonde Engel ruhig.
Erst jetzt trat Maria-Magdalena hinter ihm hervor. Panische Angst erfasste Luzifer. Sie hatten sie gefunden. Sie hatten seinen einzigen schwachen Punkt gefunden. Und jetzt würden sie sie gegen ihn ausspielen. Er sah tief in ihre grünen Augen, doch was er darin erblickte, irritierte ihn nur noch mehr. Aus Maria-Magdalenas Augen sprach vollkommene Ruhe und Zufriedenheit.
„Seit wann zieht ihr Unschuldige in unseren Streit mit hinein?“, schrie er Gabriel an.
„Luzifer, du verstehst nicht“, versuchte Raphael ihn zu besänftigen.
„Oh doch!“, rief der dunkle Engel aufgebracht. „Ich verstehe sehr gut!“
„Du weißt immer noch nicht, worum es geht, Luzifer“, lächelte Gabriel ruhig. „Nicht wahr?“
Vorsichtig trat er zu dem Mädchen und strich durch ihr rotes Haar. Fasziniert blickte sie ihn an und ließ ihn gewähren.
„Maria-Magdalena!“, flüsterte Gabriel. „Welch ein schicksalsschwerer Name.“
„Erinnerst du dich noch daran?“ Er sah Luzifer aus gelbbraunen Augen an.
„Was?“
„Es gibt keinen Streit mehr Luzifer!“, erklärte Raphael dem verwirrten Engel. „Hier geht es um mehr. Wir waren gekommen, die Prophezeiungen zu erfüllen: Den Weg zu bereiten, für unseren Herrn, der kommen wird, um die Menschheit zu richten!“
Ungläubig blickte Luzifer von den beiden Engeln zu dem beinahe zerbrechlich wirkenden Mädchen. Mit giftgrünen Augen hielt sie seinem Blick stand. Erneut wurde die Kirchentür geöffnet, doch keiner achtete darauf.
Einer verrückten Intuition folgend, hatte Dana Scully die Kirche auf der Suche nach Maria-Magdalena betreten. Dennoch war sie mehr als erstaunt, sie in Gesellschaft von drei Männern zu sehen. Einer davon Luzifer, der andere - der blonde Mann, der sie aus der Klinik geholt hatte -, und der dritte, ein ihr noch unbekannter braunhaariger Mann. Sie wollte etwas sagen, nach vorne treten und sie zur Rede stellen, doch irgend etwas hielt sie davon ab. Ein unnatürlicher Glanz schien von den Männern auszugehen, und eine unglaubliche Ruhe. Schweigend blieb sie stehen und beobachtete ihr Gespräch.
„Soll das heißen...?“
„Ja!“, unterbrach Gabriel Luzifer. „Uns wurde mitgeteilt, dass die Zeit des Jüngsten Gerichts gekommen sei. Und sie wurde auserwählt! Sie wurde auserwählt, den Herrn zu gebären und seine erste Jüngerin zu werden. So wie Maria von Magdala lange Zeit vor ihr. Und ich wurde geschickt, an ihr das Wunder zu vollbringen und die frohe Nachricht zu verkünden!“
Ungläubig lauschte Dana seinen Worten. Doch so sehr sie sich auch bemühte, sie fand keine Kraft zum Zweifeln. Vorsichtig legte sie ihre Waffe zur Seite. Sie wusste, dass die drei Männer sie schon längst bemerkt haben mussten, doch keiner achtete auf sie.
„Man stelle sich Gabriels Erstaunen vor, als er feststellt, dass sie bereits ein Kind unter ihrem Herzen trägt!", mischte sich Raphael ein. „Dein Kind!“
Ungläubig blickte Luzifer zu Maria-Magdalena, die ihn glücklich lächelnd anstrahlte.
„Das heißt, dass...?“
„Ja!“, nickte sie, und schmiegte sich in seine Umarmung. „Ich.. wir bekomme ein Kind!“
Plötzlich wurde Dana Scully von hinten angefallen. Starke Hände pressten sich auf ihren Mund, noch bevor sie schreien konnte. Unsanft wurde ihr Kopf zur Seite gedrückt. Erst jetzt erblickte sie ihren Angreifer. Ein junger Mann mit wirrem, blondem, halblangem Haar und dunkelblauen Augen. Ein teuflisches Lächeln umspielte seine Lippen, bevor er sich über ihren Hals beugte und zubiss. Panik erfasste Scully, als sie zu verstehen begann, was hier mit ihr geschah. Verzweifelt versuchte sie, in Hoffnung auf Hilfe, die Aufmerksamkeit der anderen auf sich zu ziehen: Vergeblich!
Tristan hatte sich geräuschlos in die Kirche geschlichen. Auf der Suche nach einer Erklärung für Luzifers Verhalten, war er ihm heimlich gefolgt. Doch langsam machte sich neben seiner Wut auf Luzifer auch noch eine anderes Gefühl in ihm breit. Hunger! Er dachte nicht lange nach, als die rothaarige Frau die Kirche betrat. Heiß und süß floss ihr Blut in seinen Mund. Tristan war im Rauschzustand. Nur undeutlich drangen die Worte der anderen zu ihm durch.
„Gott macht keine Fehler, Luzifer!“, sprach Raphael.
„Und er irrt sich nicht“, entgegnete Gabriel. „Offenbar war es dieses Kind wert, die Apokalypse zu verschieben!“
„Er hat dir vergeben“, erklärte der blonde Engel. „Nun ist es an dir, zu entscheiden was du daraus machen willst...“
„Du wurdest wieder im Chor der Engel aufgenommen“, flüsterte Maria-Magdalena, die sich immer noch in seine Arme geschmiegt hatte.
„Ich habe jede Todsünde begangen, die es nur gibt!“, rief Luzifer ungläubig.
Das hier konnte nicht geschehen.
„Doch du hast Buße getan“, antwortete Raphael. „Durch deine Liebe zu diesem Mädchen hast du die Menschheit errettet. Dir wurde vergeben. Die Frage ist jetzt: Bist du bereit Satan zu entsagen, das Blut Kains aufzugeben und deine unheilige Schöpfung zu opfern, um ihm zu dienen?“
„Meine Entscheidung ist schon lange gefallen“, sagte der dunkle Engel.
„Dann komm zurück!“, flüsterte Raphael, der noch näher getreten war.
Luzifer konnte den Atem des blonden Engels auf seiner Haut fühlen, als er weitersprach: „Erkenne, was du wirklich bist: Sieh dich selbst, durch ihre Augen!“
Beim letzten Satz deutete Raphael auf die in den Armen des dunklen Engels liegende Maria-Magdalena. Und ein greller Schrei entfuhr Luzifer, als er begann zu verstehen. Er sah sich durch ihre Augen. Er sah das helle Licht, das plötzlich von ihm ausging und den Raum erfüllte. Und er sah die Engelsgestalt, die er geworden war. Er spürte, wie das unheilige Blut Kains in seinen Adern verbrannte - und mit ihm alle, die jemals davon getrunken hatten. Er konnte die Schmerzen jedes einzelnen von ihnen fühlen und ihre Schreie hören, als ihre Körper zur Asche zerfielen. Und er konnte hören, wie Tristan schrie, als ihn die Flammen verschlangen. Es war vorbei! Er sah, wie seine schwarzen Flügel plötzlich wieder zu leuchten begangen und wie die dunkle Hülle, die er all die Jahre lang gewesen war zerbrach, um etwas anderem Platz zu machen. Etwas, was er all die Jahre verdrängt hatte. Seinem wahren Selbst: Dem ersten Engel, vor seinem Fall!
Auch Raphael und Gabriel hatten ihre wahre Gestalt angenommen. Maria-Magdalena fiel vor so viel Schönheit und Herrlichkeit auf die Knie. Tränen füllten ihre Augen, als sie ihren dunkel Engel so sah, wie sie ihn sich schon immer erträumt hatte.
Tristans Griff war noch fester geworden. Er konnte spüren, wie er innerlich verbrannte, wie er bei vollem Bewusstsein langsam aber sicher starb. Luzifer hatte ihn verraten. Doch er ließ sie nicht los. Gierig sog er Danas Blut in sich hinein, als ob er so das Unvermeidliche verhindern könne. Scully wollte schreien, doch sie war zu schwach. Plötzlich fiel Raphaels Blick auf sie. Der blonde Engel trat näher und schmiss Tristan zu Boden. Hilflos ließ der Vampir von seinem Opfer ab, bevor er selber endgültig zu Asche zerfiel. Mit einer unmenschlich schnellen Bewegung fing Raphael sie auf. Vorsichtig legte er ihren schwachen Körper auf den Boden. Scully spürte, wie ihre Sinne schwanden. Doch eine Art leuchtendes Licht schien von dem Mann auszugehen, der sie aufgefangen hatte. Und eine unglaublich Ruhe. Das Letzte, was Dana sah, bevor sie das Bewusstsein verlor, waren tiefblaue Augen, blonde Haare und weiße Engelsflügel. Und sie begann zu verstehen...

Enttäuscht machte sich Mulder auf den Rückweg zur Klinik. Nichts! Er hatte nichts gefunden. Luzifer war wie vom Erdboden verschluckt - und Mary und dieser blonde Mann auch.
„Scully?“, rief er zum wiederholten Mal.
Es machte keinen Sinn mehr, sie weiterzuverfolgen. Alles, was sie jetzt noch tun konnten, war abzuwarten, bis Mary oder Luzifer wieder auftauchten.
Plötzlich wurde er von einem hellen Lichtstrahl geblendet. Instinktiv hielt er sich schützend die Hand vor die Augen.
„Scully?“, rief er, diesmal etwas panischer.
Das Licht, das er zunächst für den Scheinwerfer eines vorbeifahrenden Wagens gehalten hatte, schien aus der kleinen Kirche auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu kommen. Angst machte sich in Fox Mulder breit. Angst um seine Partnerin.
„Scully!“
Ohne nachzudenken rannte er auf die Kirche zu. Doch noch bevor er an der Tür angelangt war, war das Licht verschwunden.
Als Fox Mulder die Kirche betrat, war diese nur von wenigen Kerzen beleuchtet. Der Duft von Weihrauch lag in der Luft. Dann fiel sein Blick auf die beiden Frauen. Maria-Magdalena kniete, nur mit ihrem Nachthemd bekleidet, vor dem Altar. Ihr Haar war wirr, und Tränen liefen über das blasse Gesicht. Neben ihr lag der erschreckend leblose Körper von Dana Scully. Panisch rannte Mulder zu ihr und versuchte, ihren Pulsschlag zu fühlen. Blut trat immer noch aus der frischen Bisswunde an Danas Hals. Asche lag auf dem Boden verteilt.
„Es geht ihr gut“, flüsterte Maria-Magdalena, die Dana zärtlich durchs Haar streichelte, und sah Mulder mit ihren grünen Augen an.
Verständnislos versuchte er etwas zu entgegnen, doch er bekam kein Wort heraus.
„Es ist vorbei!“, erklärte sie.
„Was ist hier passiert?“, fragte der FBI-Agent fassungslos. „Wer war das? Wo ist Luzifer Black?“
Lächelnd strich Maria-Magdalena über ihren Bauch. Ihr verträumter Blick schien in weite Ferne gerichtet zu sein.
„Er ist dort, wo er schon immer hingehört hat“, flüsterte sie. „Luzifer ist weg, doch er ist bei mir! Mein dunkler Engel wird immer bei mir sein...“



Dana Scully lag schweigend im Bett ihres Krankenhauszimmers und blickte gedankenverloren aus dem Fenster. Es war neblig. Dennoch konnte sie die glänzend weiße Schneedecke erkennen, die sich über die gesamte Landschaft gelegt hatte. Es musste kalt sein draußen: Eisblumen hatten sich an der Fensterscheibe gebildet. Ein Lächeln huschte über Scullys Gesicht, als sie plötzlich ein vertrautes Klopfen an der Zimmertür vernahm. Ohne auf das obligatorische „Herein!“ von seiner Partnerin zu warten, betrat Mulder den Raum.
„Hi!“
„Guten Morgen!“, lächelte sie.
Fast zögernd trat er näher.
„Die Ärzte haben gesagt, dass Sie schon bald nach Hause gehen können. Nur noch ein paar Routineuntersuchungen“, erklärte Mulder.
Er gab sich große Mühe, enthusiastisch zu klingen.
„Mulder, mir fehlt nichts!“, erwiderte sie.
„Nun ja...“ Besorgt betrachtete er seine Partnerin, ohne es dabei zu wagen, ihr in die Augen zu sehen. Sie war noch blasser als sonst. „Sie haben ziemlich viel Blut verloren.“
„Wie geht es Mary?“, versuchte Scully abzulenken.
Dana hasste es, schwach zu sein. Und sie hasste es, zugeben zu müssen, dass er Recht hatte. Mulder überlegte einen Augenblick lang, während er sich auf den Stuhl neben Scullys Krankenbett setzte.
„Einige ihrer Medikamente wurden auf Grund der Schwangerschaft abgesetzt, aber sie befindet sich unter ständiger Beobachtung. Doch von Luzifer Black fehlt jede Spur. Offiziell hat es ihn nie gegeben: Nie geboren, nie geheiratet, nie gestorben.“
Momente lang trat eine ungewohnte Stille ein. Dana blickte gedankenverloren auf den Tropf, an den sie angeschlossen war, und überlegte, was sie von all dem halten sollte.
„Scully“, begann Mulder plötzlich wieder das Gespräch. „Was ist gestern Abend in dieser Kirche passiert?“
Er blickte nervös in das tiefe Blau ihrer Augen. Sie überlegte.
„Ich weiß nicht genau“, antwortete Dana. „Das Einzige, was ich Ihnen sagen kann, ist dass ich angefallen wurde und ein Mann mich gerettet hat.“
Gedankenverloren erinnerte sie sich an strahlend blaue Augen, lange blonde Haare und ein gleißendes Licht.
„Er war plötzlich da. Wie eine Art Schutzengel“, erklärte sie.
„Soll das heißen, Sie glauben daran, dass dieses Baby eine Art... neuer Messias ist?“, fragte er irritiert.
Wieder trafen sich ihre Blicke.
„Ich weiß es nicht, Mulder“, antwortete Scully. „Ich weiß nicht, was ich glauben soll. Ich weiß nicht einmal, was ich gesehen habe! Vielleicht ist Mary nur ein armes manisch-depressives Mädchen und dieses Kind ist auf vollkommen natürliche Art und Weise entstanden. Aber vielleicht ist es auch ein Werk Gottes, vielleicht wurde durch dieses Baby gestern Nacht das Einläuten der Apokalypse verhindert...“
Ungläubig blickte er sie an. Scully wunderte sich selbst über das, was sie gerade gesagt hatte und versuchte es, auf die Medikamente zu schieben, die man ihr eingeflößt hatte. Doch dann kam ihr das Bild von gleißendem Licht und hellen Engelsflügeln wieder in Erinnerung.
„Mulder, warum fällt es Ihnen leichter, an Vampire und Außerirdische zu glauben, als daran, dass Maria-Magdalena einen Schutzengel hatte, der nun mal zufällig Luzifer hieß?“





Glauben Sie an Engel? Ich meine richtige Engel! Und daran, dass sie unter uns wandeln? Ich auch nicht! Bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem mir zum allerersten Mal einer begegnete...

THE END
End Notes:
Okay, ich weiß, dass unsere beiden geliebten FBI-Agenten in der Story vielleicht ein bisschen in den Hintergrund gedrängt wurden, aber wer kann schon Engeln die Show stehlen? >grins<
Nein, mal im Ernst: Vor allem Scully ist wohl etwas off-character, beides war nicht wirklich beabsichtigt, sondern hat sich irgendwie ergeben. Keine Ahnung! Wahrscheinlich die Auswirkungen eines beginnenden Nervenzusammenbruchs oder so...
Ich weiß auch, dass diese Religionsdinge nicht jedermanns Sache sind, aber mir haben diese Glaubens-Folgen schon immer sehr gefallen. Und ich finde den Zwiespalt zwischen Glauben und Wissenschaft bei Scully - und wie sie damit umgeht - sehr interessant.
Bevor ich mich jetzt mit sämtlichen Christen da draußen anlegen muss: Mir ist klar, dass die Kirche die Trennung von Luzifer und Satan nicht wirklich so vornimmt, wie ich in dieser Geschichte, und auch die Kain-Legende gehört nicht zum normalen Religionsunterricht. Doch so gerne ich es auch hätte: Sie sind nicht meine Erfindung. Ich hab beides mal irgendwo, irgendwann aufgeschnappt und ein bisschen damit rumgespielt...
Wie auch immer, genug der langen Erklärungen, alles was ich eigentlich damit sagen wollte, ist: Ich hoffe, meine Geschichte hat euch gefallen!
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